Verschleppter Italiener nach sechs Monaten frei

12. Juli 2009, 16:41

62-jähriger Rotkreuz-Mitarbeiter "sehr schwach" - Frattini: Weder militärische Aktion noch Lösegeld gezahlt

Genf/Rom - Nach 25 Wochen in der Hand radikal-islamischer philippinischer Extremisten ist ein Mitarbeiter des Internationalen Roten Kreuzes aus Italien freigekommen. Das bestätigten sowohl der italienische Außenminister Franco Frattini als auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Samstag in Genf. Der 62-jährige Eugenio Vagni war im Jänner auf der Insel Jolo gekidnappt worden, als er ein humanitäres Sanitärprojekt betreute. Das Rote Kreuz habe Kontakt zu seinem Mitarbeiter, hieß es in Genf. Für die Entführung war die islamistische Terrorgruppe Abu Sayyaf verantwortlich gemacht worden.

Die Befreiung sei ohne jede militärische Aktion geschehen, erklärte Frattini. Auch Lösegeld wurde demnach nicht bezahlt. Viel mehr habe "eine Nachricht an die Entführer diesen ihre Isolation und die Aussichtslosigkeit ihrer Lage" klar gemacht. In den vergangenen Wochen waren Versuche der philippinischen Sicherheitskräfte, den Italiener zu befreien, gescheitert. Vor einem Monat waren bei einem solchen Befreiungsversuch bei Kämpfen zwischen Armee und Rebellen zehn Menschen ums Leben gekommen.

Tausch gegen Frauen und Kinder

Der Chef des Roten Kreuzes auf den Philippinen, Richard Gordon, erklärte, die Terroristen hätten Vagni frei gelassen, nachdem die philippinische Regierung mehrere Frauen und Kinder eines Abu-Sayyaf-Führers aus dem Gefängnis entlassen hatten. Dies berichteten auch lokale Internetseiten. Vagni wurde Gordon zufolge von einem lokalen Politiker, der mit den Rebellen verhandelte, in ein Militärlager im südlichen Teil der Insel Jolo gebracht. Er sei "sehr schwach" und befinde sich in ärztlicher Obhut. Das italienische Außenministerium berichtete, es gehe dem 62-Jährigen aber den Umständen entsprechend gut.

"Das ist das Ende eines Alptraums", erklärte der Bruder der befreiten Geisel, Francesco Vagni. "Ich habe geweint, als sie mir gesagt haben, dass Eugenio endlich frei ist." Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano dankte den philippinischen Behörden, dem internationalen Roten Kreuz und dem Außenministerium für ihre erfolgreichen Bemühungen um einen glücklichen Ausgang der Entführung.

Abgemagert

Vagni sagte nach der Übergabe auf der Insel Jolo, er sei von seinen Entführern gut behandelt worden, habe aber dennoch täglich damit gerechnet, enthauptet zu werden. Er habe seinen "Kopf oft in einem großen Korb gesehen", schilderte der 62-jährige im Fernsehsender ABS-CBN seine Todesvorstellungen.

In der halbjährigen Gefangenschaft habe er 20 Kilogramm abgenommen; meistens habe er Reis und Fisch zu Essen bekommen. Die Rebellen hätten ihn mit Respekt behandelt und auch seinen Rucksack getragen, wenn er erschöpft gewesen sei. Auch eine Cholera-Erkrankung hätten sie behandelt.

Der italienische Außenminister Franco Frattini dankte der philippinischen Regierung für ihre Hilfe bei der Befreiung Vagnis.

 

Armee-Rückzug

Zwei weitere Rotkreuz-Mitarbeiter, eine Philippinin und ein Schweizer, die zusammen mit dem Italiener entführt worden waren, waren bereits im April freigekommen. Die Entführer drohten, eine Geisel zu enthaupten, und erreichten damit zunächst einen vorübergehenden Rückzug der Armee.

Abu Sayyaf kämpft mit Gewalt für einen eigenen muslimischen Staat im Süden der überwiegend katholischen Philippinen. Die Terrorgruppe ist wegen spektakulärer Entführungen berüchtigt. Im Jahr 2000 verschleppten sie 21 Touristen von einer Tauchbasis in Malaysia nach Jolo, darunter auch Deutsche. Die Geiseln kamen erst Wochen später nach einer Lösegeldzahlung frei. Manila und Washington sagen der Abu Sayyaf Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida nach. (APA/dpa/sda)

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