Massaker an gefangenen Taliban: Bush-Regierung behinderte Ermittlungen gegen Warlord Dostum
Washington - US-Präsident Barack Obama lässt sein nationales Sicherheitsteam Berichte überprüfen, wonach US-Verbündete für den Tod von bis zu 2.000 Taliban-Kriegsgefangenen in Afghanistan verantwortlich gewesen sein sollen. Obama sagte dem Fernsehsender CNN in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview, wenn die USA gegen internationale Normen verstoßen hätten, wolle er das wissen. Sobald ihm alle Fakten vorlägen, werde er über das weitere Vorgehen entscheiden.
Augzeugen zufolge ergaben sich die Taliban im November 2001 der mit den USA verbündeten Nordallianz. Die Gefangenen seien dann für einen zweitägigen Transport in verschlossene Frachtcontainer gesperrt worden. Laut einem Bericht des US-Außenministeriums erstickten die Gefangenen und wurden in einem Massengrab beigesetzt. Soldaten der Nordallianz sagten außerdem aus, sie hätten die Container beschossen.
Bush-Regierung behinderte Ermittlungen
Die Regierung des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush hat einem Medienbericht zufolge Ermittlungen gegen einen mutmaßlichen afghanischen Kriegsverbrecher behindert. Wie die "New York Times" (NYT) am Samstag auf ihren Internetseiten berichtete, versuchten hohe Regierungsbeamte Ermittlungen von US-Behörden gegen den afghanischen Milizenführer Abdul Rashid Dostum zu blockieren. Dostum soll im November 2001 die Ermordung hunderter gefangener Taliban angeordnet haben. Er wurde zu dieser Zeit vom US-Geheimdienst CIA unterstützt.
Der "NYT" zufolge fürchtete die damalige US-Regierung, die Ermittlungen gegen den afghanischen Kriegsherren könnten der Regierung des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai schaden. Demnach hätten die Bundespolizei FBI, das US-Außen- sowie das Verteidigungsministerium unabhängig voneinander gegen Dostum ermittelt, der nach den Attentaten vom 11. September 2001 einer der engsten Verbündeten der USA beim Angriff auf die Taliban war. Die gefangenen Taliban wurden vermutlich in Container gesperrt, wo sie erstickten oder von Dostums Kämpfern erschossen wurden.
Erst im Juni war Dostum als Generalstabschef wieder eingesetzt worden. Im vergangenen Jahr hatte er angeblich einen politischen Gegner mit einer Waffe bedroht und war daraufhin seines Amtes enthoben worden. Der "NYT" zufolge versuchten US-Außenministerin Hillary Clinton und der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, die Wiedereinsetzung Dostums zu verhindern. Die Einleitung neuer Ermittlungen gegen Dostum schlossen Vertreter des US-Justizministeriums und des Pentagon gegenüber der Washington Post aus: schließlich seien keine US-Bürger an den Tötungen beteiligt gewesen. (red/APA/AP)