"Werden schwarze Zahlen schreiben"

11. Juli 2009, 12:20
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Italien solle sich Österreich zum Vorbild nehmen, fordert Santo Versace

Der Präsident des Luxuskonzerns Versace klagt im Gespräch mit Thesy Kness-Bastaroli über veraltete italienische Strukturen. 

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Der Standard: Versace ist eines der wichtigsten Luxusmaisons in Italien. Wird sich die Nachfrage nach Luxusgütern in den nächsten Jahren abschwächen?

Versace: Ich ziehe es vor, über unsere Branche als eine Industrie des Schönen und nicht als Luxusindustrie zu sprechen. Die Nachfrage nach dem Schönen wird sich auch in Zukunft fortsetzen.

Der Standard: Welche Auswirkungen hat die Krise auf die Branche?

Versace: Sie wirkt sich derzeit stärker auf den Vertrieb als auf die Produktion aus. Allerdings kommen von neuen Vertriebskanälen, wie etwa vom E-Commerce und von den Outlet-Zentren, neue Impulse.

Der Standard: Sind bereits Anzeichen einer Trendwende sichtbar?

Versace: Nicht nur Versace, die gesamte Branche hat im Mai und Juni eine Nachfragebelebung gespürt. Vor allem von den Krisenmärkten USA, Japan und Spanien kamen neuerliche Impulse. Es ist aber noch zu früh, von einer echten Trendwende zu sprechen.

Der Standard: Wie ist die Geschäftsentwicklung bei Versace?

Versace: Wir haben im ersten Quartal Umsatzeinbußen von rund 13 Prozent verzeichnet, aber ein positives Ergebnis erzielt. Wir werden auch heuer schwarze Zahlen schreiben.

Der Standard: Sie haben des Öfteren den Standort Italien kritisiert. Werden Sie in Zukunft in anderen europäischen Ländern produzieren?

Versace: Es gibt kleinere EU-Länder, etwa Österreich, wo die Standortbedingungen besser sind als hier. Die Organisation und die Strukturen in Italien sind völlig veraltet. Die hohen Steuern bremsen jegliche unternehmerischen Initiativen.

Der Standard: Könnten Sie sich vorstellen, einen Teil der Produktion nach Österreich zu verlagern?

Versace: Am liebsten würde ich ein Stück Österreich nach Italien verlagern. Zumindest Österreichs Strukturen, die Organisation und die Steuerpolitik sollte sich Italien zum Vorbild nehmen.

Der Standard: Wie kann ein Designunternehmen erfolgreich bleiben?

Versace: Wichtig ist es, flexibel und innovativ zu sein. Die "Medusa" (Markenzeichen von Versace, Anm.) setzt ständig auf neue Produkte und Geschäftsfelder. Gleichzeitig muss man sich aber selbst treu bleiben.

Der Standard: Sie haben in jüngster Zeit das Management ausgetauscht. Ein Strategiewechsel?

Versace: Die vom ehemaligen CEO Giovanni Di Risio verfolgte Diversifikationspolitik und der Trend zu Luxusprodukten hat sich bezahlt gemacht. Wir werden auch unter dem neuen CEO, unter Gian Giacomo Ferraris, die Stärke der Marke, nutzen.

Der Standard: Sie zeigen Ihre Haute Couture nicht mehr auf dem Laufsteg in Paris, sondern in der Via Gesù in Mailand. Hat dies abgesehen von den Kosten noch andere Vorteile?

Versace: Sie wird dadurch noch exklusiver. Die Kundin wird allein zum Testimonial ihres Kleides.
(Der Standard, Printausgabe 11.07.2009)

 

  • Santo Versace (64) ist Präsident des Mailänder Luxuskonzerns Versace und steht der italienischen Modekammer vor. Er ist Gründungsmitglied des Luxusverbandes Alta Gamma und Parlamentarier für Berlusconis Forza Italia.
    foto: der standard

    Santo Versace (64) ist Präsident des Mailänder Luxuskonzerns Versace und steht der italienischen Modekammer vor. Er ist Gründungsmitglied des Luxusverbandes Alta Gamma und Parlamentarier für Berlusconis Forza Italia.

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