"Call of Juarez 2": Mitten im virtuellen Italo-Western

    11. Juli 2009, 08:15
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    Staub, Saloons und Sheriffs und mexikanische Dörfer die seit CLint Eastwood zur Zeit des Wilden Westens so auszusehen

    Flirrende Hitze, staubige Straßen, weißgetünchte Häuser: Seit den Zeiten Clint Eastwoods haben mexikanische Dörfer zur Zeit des Wilden Westens so auszusehen. Und genau so schauen sie auch aus in Call of Juarez 2 (Ubisoft, Xbox360, PS3 und PC, ab 60 Euro, ab 18).

    Die Brüder McCall

    Wie eigentlich auch sonst die Stimmung der goldenen Zeit des Western eingefangen ist: Hauptdarsteller in staubiger Kleidung, die wenig Skrupel an Blutbädern haben, noch viel bösartigere Gegenspieler, die Jagd auf einen Schatz. Ray und Thomas McCall sind es, zwischen denen man vor den meisten Kapiteln wählen kann. Jeder hat seine Vor- und Nachteile, wenngleich der Unterschied nicht rasend ist und sich hauptsächlich im Einsatz der Waffen bemerkbar macht.

    Wie Franco Nero oder Lee Van Cleef

    Spielspaßmäßig gibt es eine Ausnahme: Ein Schussmodus des Revolvers ist bei Thomas deutlich unterhaltsamer. Wer beim Feuern mit dem Finger am Controller-Joystick ruckelt, fühlt sich praktisch schon wie Franco Nero oder Lee Van Cleef, wenn die mit der linken Hand im Stakkato auf den Revolverhahn hämmern. Die Zeit, als kaltblütige Giersäcke das Leben der Menschen gnadenlos zerstören konnten (nicht der Neoliberalismus), übt derzeit eine verstärkte Faszination auf die Spielentwickler aus, so scheint es.

    Der Wilde Westen kommt

    Denn nicht nur dieser First-Person-Shooter nutzt den Rahmen der Outlaws. Noch heuer sollen auch die Freunde der Third-Person-Ballerei ihre Dosis an Staub, Saloons und Sheriffs bekommen. Rockstar Games hat mit Red Dead Redemption den Nachfolger des 2004 erschienenen Red Dead Revolver für Xbox360 und die Playstation 3 angekündigt. Halten die Versprechen, wird man durch eine offene Welt galoppieren können und, wie von Grand Theft Auto gewohnt, verschiedene Handlungsstränge. Zeitlich soll es näher am 20. Jahrhundert angesiedelt sein. Die schon "zivilisiertere" Zeit bedeutet aber garantiert keine gepflegte Fadesse, da auch Corbuccis "Leichen pflastern seinen Weg" und Eastwoods "Erbarmungslos" in diesen Zeitrahmen fallen und trotzdem ungehemmte Blutrünstigkeit bieten. Und eigentlich spielt es ja keine Rolle, wann gebrochene Helden in den Sonnenuntergang reiten.(Michael Möseneder/DER STANDARD, Printausgabe vom 11.7.2009)

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