Yukiya Amano will durch friedliche Nutzung von Atomenergie die Entwicklung ärmerer Länder vorantreiben
Wien - Der designierte Chef der Internationalen
Atomenergiebehörde, Yukiya Amano, will der IAEA einen neuen Anstrich geben und
dadurch das Vertrauen ärmerer Mitgliedsstaaten zurückgewinnen. "Eine der
Schwächen der IAEA ist, dass sie als Atomwächter wahrgenommen wird", sagte Amano
der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Die Behörde habe jedoch auch eine
zweite Aufgabe und zwar durch eine friedliche Nutzung von Atomenergie die
Entwicklung ärmerer Länder voranzutreiben. Das werde oft vergessen. Das sei
eines der Gründe für das Misstrauen und die Kluft zwischen den armen und reichen
Mitgliedsländern, sagte Amano in seinem ersten Interview mit einem
internationalen Medium.
"Das bedeutet aber nicht, dass ich vor den schwierigen, sehr ernsten Themen
wie Iran und Nordkorea zurückscheuen werde", fügte der 62-jährige Japaner hinzu.
Amano räumte ein, dass die Arbeit der IAEA-Atomkontrolleure unter den mangelnden
Befugnissen leide. Er wolle sich dafür einsetzen, dass mehr Mitgliedsländer sich
zu weiterreichenden Untersuchungen bereit erklärten. Bislang müssen die
Atomkontrolleure ihre Ermittlungen auf Nuklearanlagen beschränken, die offiziell
als solche bezeichnet werden. Wird ein Land der verdeckten militärischen Nutzung
der Atomenergie verdächtigt, können die Ermittler dem nur schwer nachgehen.
Amano war vor gut einer Woche mit der gerade notwendigen
Zwei-Drittel-Mehrheit zum neuen IAEA-Chef gewählt worden. Unterstützung erhielt
er vor allem von den Industriestaaten. Wenn Amano im November die Nachfolge des
scheidenden Ägypters Mohamed ElBaradei übernimmt, muss er sich auch mit dem seit
Jahren anhaltenden Streit über das iranische Atomprogramm beschäftigen. Der
Westen wirft dem Iran vor, unter dem Deckmantel eines nuklearen Energieprogramms
heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Die Regierung in Teheran
weist dies zurück. (Reuters)