Den G-8 schlägt zu Recht Argwohn entgegen - Von András Szigetvari
Dass die Industrieländer bei der internationalen Armutsbekämpfung auch ihre eigenen Interessen verfolgen, ist nicht verwerflich. Zum Problem wird diese Vermengung erst, wenn die Balance verlorengeht. Beim Kampf gegen den Hunger ist das ganz klar der Fall. Die westlichen Staaten, allen voran die USA, kaufen ihren Bauern jährlich große Mengen an überschüssiger Ernte ab. Reis, Weizen und Mais werden dann in Hungergebiete verschifft. Manchmal ist diese Hilfe lebensnotwendig, manchmal aber einfach nur versteckte Agrarsubvention. Nach einer Initiative von US-Präsident Barack Obama wollen die G-8 diese Praxis nun eindämmen, und das wäre ein großer Fortschritt.
Die G-8 haben damit die Forderung zahlreicher NGOs aufgegriffen. Gestärkt werden müssen nämlich die lokalen Bauern und die lokalen Produktionsmöglichkeiten, die G-8 wollen dafür in den kommenden drei Jahren 20 Milliarden Dollar ausgeben. Dass ein großer Teil dieser Summe durch reine Umschichtungen der Hilfsbudgets aufgebracht wird, ist noch keine Katastrophe. Denn zuletzt erhielt Afrika, Lateinamerika und Asien pro Jahr nicht einmal ein Viertel dieser Summe zur Stärkung der lokalen Landwirtschaft.
Das Kernproblem ist, dass den G-8 zu Recht Argwohn entgegenschlägt. 2005 versprachen sie eine Verdoppelung ihrer Entwicklungshilfe bis 2010. Die Summe stagniert bis heute. Obama kann in L'Aquila auch viel versprechen, für einen Beschluss braucht er in Washington die Stimmen der Senatoren aus den ländlichen Staaten. Und Entwicklungshelfer gegen die Agrarlobby war bisher stets ein einseitiges Match.(DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.7.2009)