Ein hochsymbolischer Besuch im Sklaven-Fort

11. Juli 2009, 10:50
  • Obama-Devotionalien auf der  Oxford Street von Accra
    foto: epa/jane hahn

    Obama-Devotionalien auf der Oxford Street von Accra

US-Präsident Barack Obama reiste nach dem G-8-Gipfel zu seiner ersten Afrikavisite nach Ghana - Das Land ist pleite

Der Blick den finsteren Gang entlang, der an einem winzigen Durchlass in den dicken Steinwänden der Festung von Elmina endet, lässt den Besucher heute noch schaudern. An den Wänden hängen schwere gusseiserne Halterungen, in denen einst Ölfackeln flackerten.

Mehr als 250 Jahre nach der Hochzeit des Sklavenhandels ist es nicht schwer sich vorzustellen, wie tausende Männer, Frauen und Kinder mit scheppernden Ketten diesen Gang entlang getrieben wurden, um nach Amerika verschifft zu werden. Tausende US-Amerikaner afrikanischer Herkunft besuchen jedes Jahr das Sklaven-Fort in Elmina an Ghanas Küste. Der berühmteste von ihnen wird hier am heutigen Samstag erwartet: US-Präsident Barack Obama soll nach Cape Coast und ins nahe Elmina an der Küste Westafrikas kommen.

"Cape Coast ist einer der geschäftigsten Orte auf dem ganzen Kontinent", strahlt Kohain Nathanya, Organisator des jährlichen "Panafests", das dicht auf den Besuch Obamas folgt. "Es ist wichtig, dass Afrikas dunkle Jahre nicht in Vergessenheit geraten."

Dass der erste schwarze US-Präsident bei seiner ersten offiziellen Reise als Staatsoberhaupt südlich der Sahara dem transatlantischen Sklavenhandel gedenkt, hat nicht nur für Nathanya eine wichtige symbolische Bedeutung. "Obama ist ein Held, er wird die Geschichte verändern, wie wir es seit dem Ende des Sklavenhandels nicht gesehen haben", freut sich etwa Mary Okopo, die nahe der Festung Fufu verkauft, das in kleine Plastiksäckchen abgepackte Nationalgericht.

Der Besuch im Sklaven-Fort ist Obamas einziger Ausflug in die Vergangenheit. Im Zentrum der Reise, daran lässt Obama keinen Zweifel, stehen Gegenwart und Zukunft. "Ghana hat mehrere erfolgreiche Wahlen hinter sich gebracht und trotz eines knappen Ergebnisses gerade erst einen friedlichen Machtwechsel", so der US-Präsident. "Ich will dieses Beispiel hervorheben, weil ich glaube, dass es eine direkte Verbindung zwischen guter Regierungsführung und Wohlstand gibt."

Eine wegweisende Rede will Obama in Accra halten, die womöglich die Afrikapolitik seiner ersten Amtszeit umreißen wird. Die Stadt, das Land, halten den Atem an und genießen die Aufmerksamkeit. Dass Ghana Afrikas Vorzeigemodell ist, davon sind hier die meisten ohnehin überzeugt.

Doch Präsident John Atta Mills, erst seit Jahresanfang im Amt, hat andere Probleme. Statt über die goldene Zukunft wird er mit Obama eher über die triste Gegenwart sprechen. "Ghana ist pleite", eröffnete Atta Mills seine erste Ansprache an die Nation. Die Vorgängerregierung habe allein im letzten Jahr ein sieben Mal höheres Haushaltsdefizit verursacht als geplant. Wöchentlich fliegen neue Skandale auf: Für die 50-Jahr-Feier Ghanas vor zwei Jahren sollen einem Untersuchungsbericht zufolge 80 Millionen US-Dollar verjubelt worden sein, viermal mehr als geplant. (Marc Engelhardt aus Accra DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.7.2009)

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15 Postings

"...nach Ghana - Das Land ist pleite"

Ah deswegen ist er dort. Dem Land geht's genau wie seinem eigenen. Gleich und gleich gesellt sich gern.*g*

Das Ende der Sklaverei war aber gerade für die Küstenregionen eher ein riesiger Schlag. Die haben ja nicht so schlecht davon gelebt, andere Völker im Inneren Afrikas zu terrorisieren und erbeutete Kriegsgefangene (und sonstige unerwünschte Personen) an die Europäer als Sklaven zu verticken...

"Für die 50-Jahr-Feier Ghanas vor zwei Jahren sollen ...

... einem Untersuchungsbericht zufolge 80 Millionen US-Dollar verjubelt worden sein, viermal mehr als geplant!"

... könnte es sein, dass bei der Planung für diese Feierlichkeiten Raiffeisen Evolution die Hände im Spiel hatte ... ? ;-)

hätte auch die BAWAG oder MEL sein können...

http://de.wikipedia.org/wiki/Unit... ca_Command

Ab März 2009 soll das US Special Operations Command Africa (SOCAFRICA) einsatzfähig sein, dass dann als Verbundkommando sämtliche Sondereinsatzkräfte des AFRICOM führen wird.[4]

http://www.africom.mil/getArticl... 194&lang=0
The mission was planned and conducted by Seventeenth Air Force, also known as U.S. Air Forces Africa, at Ramstein Air Base, Germany. Seventeenth Air Force is the air component for U.S. Africa Command (AFRICOM).

Was für ein Fehler

Das ist natürlich nicht, wie im Text erwähnt, Obamas erste Afrikavisite als Präsident. Er war vor ein paar Wochen schon in Ägypten (die Kairo-Rede!!).
Und die nennen sich Journalisten *kopfschüttel*

bitte genau lesen, dann posten

... bei seiner ersten offiziellen Reise als Staatsoberhaupt südlich der Sahara ...

dann lesen sie mal die überschrift...

Oh Mann...

"US-Präsident Barack Obama reiste nach dem G-8-Gipfel zu seiner ersten Afrikavisite nach Ghana"

"hoch" symbolisch.....wieso ist in letzter zeit alles "hoch..." oder sogar "höchst..." ?

Weil Bush die Messlatte sehr tief gehängt hat.

Wenn der Messias etwas tut, reichen eben nur Superlative aus, um dies zu beschreiben.

Cape Coast einer der geschäftigsten Orte am ganzen Kontinent?

Das glauben ja nicht einmal die Fanti selbst.

Bis 1877 Hauptstadt von Ghana liegt diese Hochburg des Sklavenhandels heute gut situiert aber eher verschlafen im Fanti-Gebiet abseits von Takoradi oder gar der Ashanti-Hauptstadt Kumasi, der Hochburg der Sklavenjäger.

Die konservative NPP (Fanti/ Ashanti) war seit 2000 an der Regierung. Hatte sicher auch ihr Gutes, doch mit der zunehmenden Verstätterung fuhr der Zug definitiv in die falsche Richtung und die Neocons konnten wie überall auf der Welt den Hals nicht voll kriegen.

Die Ewe zeigen da mit ihrer NDC einfach von Haus aus mehr soziale Kompetenz als z.B. die Ashanti. Das sich ja auch im Ewe-Land der Volta Region zeigt.

Dass Atta Mills unverblümt Probleme benennt, spricht da für ihn.

cape coast ist wirklich eher verschlafen

kumasi & accra sind echt aufregend, und modern.

ich glaube, die ndc sehen sie zu positiv, und die npp zu negativ. korruption wird wohl noch lange ein großes thema bleiben. die beamten sind schlecht bezahlt, und entscheiden, wie zum beispiel im hafen tema, oder beim straßenbau über millionen / milliarden aufträge, dazu kommt noch die enge, großfamiliäre bindung der menschen.

Mein Bangen gilt Atta. Bei Nana wäre eh alles klar gewesen.

Ich weiß, dass uns da einiges trennt.

Ich mag Accra. Kumasi weniger. Man mag da etwas hinter die Fasaden blicken und sich auch das ländliche Umfeld anschauen. Da steigen bei mir die Ewe allemal besser aus.

Afrika beginnt für mich aber nördlich von Kumasi.

Korruption ist ein riesen Problem. Auch im Norden und auch draussen am Land. Die Ashanti wären da sicherlich nicht die richtige Antwort gewesen. Als ausgeprägte Kriegergesellschaft leben sie vom Raub.

Europa auch. Vielleicht gefallen uns deswegen die schönen Fassaden so gut.

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