Sandkastenspiele der Museumsdirektoren

10. Juli 2009, 18:26
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Das Mumok möchte die Räume der Kunsthalle okkupieren, das Architekturzentrum will der Akademie das Semper-Depot abspenstig machen

Und bei "departure" träumt man von einem Design-Zentrum.

Wien – Die Widerstände der Denkmalschützer im Verbund mit der Kronen Zeitung waren übermächtig gewesen: Um das Museumsquartier überhaupt in den ehemaligen Hofstallungen realisieren zu können, musste das Projekt in den 1990er-Jahren mehrfach redimensioniert werden. Das Mumok zum Beispiel verlor ein Drittel der vorgesehenen Fläche – und war schon bei der Eröffnung 2001 zu klein.

Direktor Edelbert Köb bemüht sich daher verzweifelt um eine Erweiterung. Bisher erfolglos: Weder konnte er den Fischer-von-Erlach-Trakt, das quartier21, okkupieren, noch wurden ihm die ehemaligen Rinderhallen von St. Marx zugesprochen. Seit zwei Jahren träumt er nun davon, die Räume der benachbarten Kunsthalle zu übernehmen. Die Pläne von Architekt Manfred Wehdorn liegen bereits vor, und SPÖ-Kulturministerin Claudia Schmied versprach eine Lösung – für den Herbst 2008.

Ein Take-over ist nur möglich, wenn die städtische Kunsthalle auszieht. Direktor Gerald Matt hatte mit dem Verlassen des Museumsquartiers zwar geliebäugelt. Auch deshalb, weil die Kunsthalle, hinter der historistischen Winterreithalle gelegen, ein unscheinbares Dasein fristet. Seit längerem aber verweist Matt alle Gerüchte über einen Umzug in das Künstlerhaus ins Reich der Fantasie.

Hinzu kommt, dass die Gesellschaft bildender Künstler Österreichs kein Interesse hat, ihr sanierungsbedürftiges Haus am Karlsplatz aufzugeben: "Dass wir uns irgendwo auf der grünen Wiese neu ansiedeln, steht nicht zur Debatte" , sagt Geschäftsführer Peter Bogner. "2011 feiert der Künstlerverein sein 150-Jahr-Jubiläum."

Die denkbare Maximalvariante sei, dass sich eine Institution im ersten Stock einmietet. So plante Wolfgang Kos, der Direktor des benachbarten Wien Museums, im Künstlerhaus eine Dauerausstellung über den Historismus und Wien um 1900 zu präsentieren.

Er kam von der Idee aber wieder ab: Sein Augenmerk liegt nun auf einer unter- oder oberirdischen Erweiterung am Karlsplatz. Kos hat bereits mehrere baukünstlerische Machbarkeitsstudien ausarbeiten lassen. "Meine Aufgabe ist es, das Museum zukunftstauglich zu machen. Wir brauchen für die neu konzipierte Dauerausstellung zumindest 5000 Quadratmeter Platz."

Auch ein Neubau an einem anderen Ort sei eine Alternative. Auf die Donauplatte will er aber nicht: "Ein Stadtmuseum braucht Kontakt mit den Menschen." Er plädiert für einen Standort innerhalb des Gürtels. Mit seinem Team habe er auch schon zwei, drei geeignete Orte ausfindig gemacht; nennen möchte er sie aber (noch) nicht.

Unabdingbar wäre, so Kos, ein "architektonisches Leitgebäude". Von einem solchen träumt auch Christoph Thun-Hohenstein, der Geschäftsführer von departure, für ein in Wien fehlendes Design-Zentrum. Eine Landmark-Architektur wäre dort am leichtesten zu realisieren, wo es (noch) viel Platz gibt – auf dem Flugfeld Aspern. MAK-Chef Peter Noever hingegen fantasiert über Expansionen in der nächsten Nähe: Er will über dem Wienfluss eine Plattform und an dessen Mündung in den Donaukanal ein Schaulager errichten.

Der Streit ums Kulissendepot

Zurück aber zu Köbs Platzproblemen: Vielleicht eröffnet sich eine Alternative im Museumsquartier. Denn Dietmar Steiner, Gründungsdirektor des Architekturzentrums, will die wenig praktikablen Räume rund um den Staatsratshof (die er sich einst selbst aussuchte) aufgeben – und das Semper-Depot übernehmen, das gegenwärtig Teil der Akademie der bildenden Künste ist. Schon in den 1980er-Jahren hätte es die Idee gegeben, im ehemaligen Kulissenlager ein Architekturzentrum einzurichten, so die Argumentation von Steiner.

Rektor Stephan Schmidt-Wulffen räumt zwar ein:"Das Semper-Depot ist nicht das ideale Gebäude für die Zwecke der Lehre." Und er bestätigt auch, dass es vor zwei Jahren Überlegungen gab, sich mit den Architekturklassen in der TU einzumieten. Doch die Pläne hätten sich nicht realisieren lassen. "Wir haben einen unbefristeten Mietvertrag und sehen keinen Grund, das Semper-Depot aufzugeben." Über die von Steiner ins Leben gerufene Unterstützungsaktion ist Schmidt-Wulffen erzürnt: "Es ist impertinent, dass jemand glaubt, etwas gegen unseren Willen durchsetzen zu können." Steiner hingegen: "Wir werden nicht aufgeben. Die endgültige Bestimmung des Semper-Depots ist ein Architekturzentrum!" (Thomas Trenkler, ALBUM – DER STANDARD/Printausgabe, 11./12.07.2009)

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    grafik: derstandard
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