Gaspipeline geht an den Start

10. Juli 2009 14:23

Vertragsunterzeichnung am Montag

Brüssel - Die vier EU-Staaten Österreich, Ungarn, Bulgarien und Rumänien werden am Montag in Ankara mit der Türkei die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Nabucco-Gaspipelineprojekt unterzeichnen. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und Energiekommissar Andris Piebalgs betonten am Freitag in Brüssel die Wichtigkeit des Projekts für die europäische Energiesicherheit. Der nächste Schritt ist der Abschluss konkreter Lieferverträge, was aber Angelegenheit der jeweiligen Gasgesellschaften ist.

Das "Nabucco-Projekt" ist eine 3.300 Kilometer lange Gaspipeline, die Erdgas aus Zentralasien überwiegend durch die Türkei sowie durch Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis nach Baumgarten in Österreich transportieren und die westeuropäische Gasversorgung von Russland unabhängiger machen soll. Die OMV ist das federführende Unternehmen im Projekt. Zuletzt war noch die Frage offen, welchen Anteil des durch die Pipeline transportierten Erdgases die Türkei für sich beanspruchen kann. Dazu hieß seitens der EU-Kommission, dies müsse in den konkreten Geschäftsverträgen vereinbart werden. Am Montag werde lediglich die gesetzliche zwischenstaatliche Rahmenbedingung unterzeichnet.

Sechs Konsortialpartner

Am Nabucco-Konsortium halten die sechs Konsortialpartner - die OMV, die deutsche RWE, Botas (Türkei), Bulgarian Energy Holding (Bulgarien), Transgaz (Rumänien) und Mol (Ungarn) - jeweils 16,67 Prozent.

Im Endausbau ist für Nabucco eine Kapazität von 31 Mrd. Kubikmetern Erdgas jährlich geplant. Das sind zwischen fünf und zehn Prozent des europäischen Gasverbrauchs. Die Investitionssumme beträgt rund 7,9 Mrd. Euro.

Der Bau soll 2011 beginnen, das erste Gas 2014 strömen. Was die Gaslieferländer im asiatischen Raum betrifft, wurde von der Kommission auf starkes Interesse von Aserbaidschan und Irak verwiesen. (APA)

Antun Zonger
10.07.2009 20:04
Die Türkei wird Röhrenlager!

http://derstandard.at/124654135... -Quelle-ab

Holger Stadler
 
10.07.2009 20:45
Keine Bange

Keine Bange, die Pipeline wird gefüllt - Als Lieferländer stehen Aserbaidschan, Kasachstan, Iran oder neuerdings der Irak zur Verfügung.

Die Gasabhängigkeit wird in den kommenden Jahrzehnten steigen, da die Gaskraftwerke als "Grundabsicherung" im Rahmen des Atomausstiegs und Ausbaus der Öko-Energie an Wichtigkeit erlangt.

Die Gaskraftwerke lassen im Gegensatz zur Atomenergie oder Kohlekraftwerken sehr gut an die Schwankungen in der Stromerzeugung anpassen - Ein Kohlekraftwerk benötigt zur Regulierung knapp 3 Tage - Ein Atomkraftwerk mehr als 7 Tage!

Aus diesem Grund ist Gas in der Energieerzeugung unverzichtbar.

Man stelle sich nur mal vor, der gesamte Strom würde aus Wind erzeugt - Was passiert an windarmen Tage - Stromausfall?

Antun Zonger
11.07.2009 13:02

Die Lieferländer stehen zur Verfügung, sofern die Türkei EU-Mitglied wird, wetten?
Im Übrigen beziehen wir auch jetzt schon problemlos Gas aus diesen Ländern, sofern die Ukraine ihre Schulden an Rußland zahlt. Oder sofern man die Pipeline durch die Ostsee baut.
Wenn ich mir die Umstände aussuchen kann, wie ich an Gas aus Baku komme, dann ist mir die Ostseepipeline am liebsten, denn Rußland bemüht sich wenigstens, europäischer zu werden als es ohnehin schon ist. Und die Gefahr der Erpressbarkeit ist wesentlich geringer als bei der Türkei-Variante.

Karl Heiden
10.07.2009 18:45
Knackpunkte ausgespart

Der Abschluss konkreter Lieferverträge wird "Angelegenheit der jeweiligen Gasgesellschaften" sein. Mit der Unterfertigung der "Rahmenbedingungen" haben sich die Politiker elegant über die eigentlichen Knackpunkte der so genannten "Versorgungssicherheit" mit Erdgas hinweggeturnt: Die Bereitstellung einer ausreichenden, die Pipeline auch wirtschaftlich füllenden, Gasmenge zu einem - für alle Seiten - zufriedenstellenden Preis. Nach wie vor wird eben Energiepolitik in der EU nicht gemeinschaftlich von den Unionsorganen, sondern im Konkurrenzkampf von den nationalen Energieversorgungsunternehmen, die dabei transnational agieren, gemacht. Die Politiker hingegen geben sich der fatalen Selbsttäuschung einer "gemeinsamen Energiepolitik der EU" hin.

Andreas Bogeschdorfer
10.07.2009 20:10
Hurra!

Wir finanzieren mit Steuergeld die Zementierung unserer Abhängigkeit.

Bei uns scheint ja auch nie die Sonne, weht nie der Wind, fließt nirgends Wasser, wachsen keine Wälder, entstehen keine verwertbaren Erntereste, scheissen keine Kühe, gibts keine Geowärme, keine Solarfirmen, Windkraftbetreiber- und Zulieferer-, keine Biomasseanbieter, keine Bauern, keine Turbinenbauer, keine Geoingenieure, keine Häuslbauer und Architekten,...

So geographisch benachteiligt und hilflos bleibt uns nur die Abhängigkeit.

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