Swoopo: Umstrittene "Erlebnis-Auktionen"

10. Juli 2009, 14:23
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Wer nicht weiter bieten möchte, kann Produkt direkt kaufen und erhält bisheriges Gebot als Rabatt vom Verkaufspreis abgezogen - User allerdings skeptisch

Durch den Erfolg von eBay angespornt sind in den vergangenen Jahren zahlreiche andere Online-Auktionshäuser aus dem Internet-Boden gesprossen. Swoopo hat das Aktionskonzept etwas abgeändert. Aktionen auf "hochwertige Markenprodukte wie Computer, Kameras, Spielekonsolen oder sogar Autos", wie es auf der Seite heißt, starten bei Null Euro. Jedes Gebot erhöht den Preis um 10 Cent, die Auktionszeit wird um bis zu 20 Sekunden verlängert. Bieter müssen für jedes Gebot allerdings 50 Cent zahlen. Läuft die Zeit ab, bevor ein weiteres Gebot abgegeben worden ist, gewinnt der Teilnehmer, der das letzte Gebot abgegeben hat. Nun haben die Betreiber von Swoopo auch eine Direktkauf-Option eingeführt.

Rabatt

Wer keine Lust mehr hat, mitzubieten, kann das Produkt direkt kaufen. Der Betrag, um den man bereits mitgeboten hat, wird komplett als Rabatt vom Kaufpreis abgezogen. Dabei soll die Auktion nach dem Direktkauf aber nicht enden, sondern für alle anderen Bieter weiterlaufen. Es wird also nicht auf ein einzelnes Gerät geboten. Swoopo verspricht, dass die Produkte in ausreichender Stückzahl vorhanden seien und von jedem Interessenten direkt gekauft werden könnten. Der ursprüngliche Preis soll dem unverbindlichen Verkaufspreis der Hersteller entsprechen. Die Direktkauf-Option soll zunächst in Österreich und Deutschland angeboten werden.

Kritik

Swoopo hat eigenen Angaben zufolge 2,5 Millionen User und ging vor vier Jahren an den Start. Das ungewöhnliche Geschäftsmodell stößt unter vielen Nutzern allerdings auf Kritik. Es handle sich um "reine Abzocke", denn es sei sehr schwer eine Auktion zu gewinnen, ist in verschiedenen Foren zum Thema zu lesen. Auch das komplizierte Gebotssystem und die Kosten sind Gegenstand der Kritik. "Es gehört mehr Glück dazu als bei Ebay, weshalb sich Swoopo selbst wohl als "Erlebnis-Auktionshaus" bezeichnet. Ein Gewinnspiel kann man eine Swoopo-Auktion auch nicht nennen, dafür haben die Mitbieter zu viel Einfluss. Letztendlich kauft man bei Swoopo Gewinnchancen auf eine Einkaufsoption", schrieb Konrad Lischka von Spiegel Online im Mai.

Komplizierte Rechnung

User sollten sich jedenfalls darüber im Klaren sein, dass bei jedem Gebot Kosten anfallen - für ein Gebot von 10 Cent zahlt man immerhin 50 Cent auch wenn die Auktion nicht gewonnen wird. Swoopo beteuert, dass nie mehr als der angegebene Vergleichspreis bezahlt werden muss, der etwa dem empfohlenen Verkaufspreis des Herstellers entspricht.

Spiegel Online hat eine Rechnung angestellt, nach der ein Swoopo-Schnäppchen im Vergleich zum Handel allerdings deutlich teurer war. So wurde eine Playstation 3 um 231,10 Euro versteigert. Die Konsole kostete damals beim günstigsten deutschen Online-Händler 312 Euro - also durchaus mehr. Doch die 231,1 Euro beziehen sich nur auf die reinen Gebote, ohne den Einsatz des Gewinners von 50 Cent pro Gebot. Lischka: "Für den Käufer sieht die Rechnung so aus: 243 Gebote hat er gesetzt, bezahlt also 121,50 Euro für die Gebote, dann noch mal 231 Euro für die Playstation, also insgesamt 352,50 Euro - 40 Euro mehr, als das Gerät derzeit beim billigsten Online-Händler kostet."

Die Produkte bei Swoopo kosten damit für den Gewinner einer Auktion weniger als der Vergleichspreis, aber oft deutlich mehr als bei herkömmlichen Online-Shops. Mit der neuen Direktkauf-Option wird nun zumindest verhindert, dass Kunden, die ein Produkt auf jeden Fall kaufen möchten, als Verlierer aus der Auktion hervorgehen und trotzdem zahlen müssen. (red)

  • Swoopo mit neuer Direktkauf-Option
    screenshot: red

    Swoopo mit neuer Direktkauf-Option

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