Wifo warnt vor neuerlichem Anstieg nach der Rezession
Wien - "Die Krise löst das Problem nicht, sie verschiebt es nur." So kommentiert Karl Aiginger, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), die am Freitag vorgestellte Studie über Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Energieverbrauch und CO2-Emissionen.
Diese gibt auf den ersten Blick Grund zur Freude: Bedingt durch ein niedrigeres Produktionsniveau während der Krise sollen 2010 um zehn Prozent weniger Energie verbraucht und neun Prozent weniger CO2 emittiert werden. Doch ist der Konjunkturmotor erst wieder angesprungen, finden auch die CO2-Emissionen schnell zu ihrem alten - hohen - Niveau zurück. Verhindert werden könne dies allein durch einen Strukturwandel im Wirtschaftssystem: Das System müsse, so Wifo-Expertin Ina Meyer, zukünftig stärker darauf ausgerichtet sein, ohne fossile Energiequellen auszukommen. Daher sei unabdingbar, dass staatliche Mittel zur Konjunkturbelebung auch stärker für Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz verwendet werden.
"Thermische Sanierung weiter fördern"
Die Maßnahmen der Politik würden nicht reichen, das Klimaschutzziel - 20 Prozent weniger CO2-Emissionen bis 2020 - zu erreichen. Der "grüne" Anteil an den österreichischen Konjunkturpaketen betrage fünf Prozent; rechnet man die Investitionen in thermische Sanierungsmaßnahmen der Bundesimmobiliengesellschaft mit ein, komme man auf elf Prozent. Das sei "absolut gesehen nicht viel, und auch nicht im internationalen Vergleich", so Aiginger.
Er plädiert dafür, die thermische Sanierung von Wohnhäusern weiterhin zu fördern. Die Maßnahme ist am 6. Juli ausgelaufen. Forschung im Bereich der Umwelttechnologie solle ebenso gefördert werden: Sie sei nicht nur gut fürs Klima, sondern auch eine veritable "Exportchance" für Österreich. In arabischen und östlichen Ländern sei die Nachfrage groß. (juke, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.7.2009)