Das Bevölkerungswachstum hemmt die Entwicklung armer Länder - einzig Europas Bevölkerung dürfte schrumpfen
Wiesbaden - Schon in gut zwei Jahren werden mehr als sieben
Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Im Moment leben rund 6,8 Milliarden
Menschen auf der Erde, wie aus den jüngsten Projektionen der Vereinten Nationen
(UN) hervorgeht, die das Statistische Bundesamt in Wiesbaden (Deutschland) zum Weltbevölkerungstag (11. Juli) veröffentlichte. Bis 2050 wird Schätzungen zufolge
die Weltbevölkerung auf mehr als 9,1 Milliarden Menschen anwachsen.
Insgesamt verläuft das Wachstum derzeit langsamer als in den vergangenen
Jahrzehnten, wie die Statistiker erklärten. Zudem seien die Entwicklungen in den
verschiedenen Weltregionen unterschiedlich. Der Schätzung zufolge wird die
Bevölkerung Afrikas am stärksten wachsen und sich trotz regional hoher
Aids-Raten zwischen 2010 und 2050 von 1,03 Milliarden auf 2 Milliarden fast
verdoppeln. Ihr Anteil an der Weltbevölkerung wird im gleichen Zeitraum von 15
Prozent auf 21,8 Prozent zunehmen.
Europa
Dagegen wird der Anteil der Europäer, der 1950 noch 21,6 Prozent betrug, der
Schätzung zufolge bis 2010 auf 10,6 Prozent und bis 2050 auf 7,6 Prozent
gesunken sein. In Europa lebten Mitte des vergangenen Jahrhunderts 547 Millionen
Menschen. 2010 werden es laut UN-Schätzung rund 733 Millionen und 2050 nur noch
691 Millionen sein. Europa sei damit der einzige Kontinent, für den in Zukunft
mit einer schrumpfenden Bevölkerung gerechnet werde, erklärten die Statistiker.
Indien und China
Der Vorausberechnung zufolge wird Indien nach 2025 China als
bevölkerungsreichstes Land ablösen. Während für China für 2010 eine
Einwohnerzahl von rund 1,35 Milliarden erwartet wird, schätzen die UN die
indische Bevölkerung noch um 140 Millionen kleiner ein. Im Jahr 2050 aber werden
der Schätzung zufolge rund 1,42 Milliarden Menschen in China und rund 1,61
Milliarden Menschen in Indien leben.
Entwicklungsländer
Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) verwies darauf, dass die
Bevölkerung jedes Jahr um 80 Millionen Menschen wachse. Die Hauptlast dieser
rasanten Bevölkerungszunahme trügen die Entwicklungsländer, wo die Zahl der
Menschen bis zum Jahr 2050 um 2,3 Milliarden wachsen werde - von heute 5,6
Milliarden auf voraussichtlich 7,9 Milliarden. Damit werde sich der Druck auf
die Gesundheits- und Bildungssysteme sowie die angespannte Ernährungslage in
diesen Ländern erheblich erhöhen.
"Eine zentrale Ursache für das anhaltende Bevölkerungswachstum in armen
Ländern ist der fehlende Zugang zu Familienplanung, insbesondere zu modernen
Verhütungsmitteln", erklärte DSW-Geschäftsführerin Renate Bähr und fügte hinzu:
"Wenn wir Armut und Hunger verringern wollen, müssen Familienplanung, Aufklärung
und Gesundheitsfürsorge für Frauen stärker gefördert werden."
Denn die Entscheidung von Frauen über die Anzahl ihrer Kinder habe
unmittelbare Auswirkungen auf das Bevölkerungswachstum von Ländern und damit
auch auf deren ökonomische Entwicklung. Gleichzeitig seien Investitionen in
Familienplanung wirtschaftlich sinnvoll: "Jeder Euro, der in Familienplanung
investiert wird, spart bis zu 31 Euro für die Bereitstellung von sozialen
Dienstleistungen wie Bildung, Abwassersysteme und Wohnraum", erklärte Bähr. (APA/AP)