Wissenschaftsjournalist Manfred Jochum gestorben

10. Juli 2009, 15:15
posten

Er war von 2002 bis 2007 Vorsitzender des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten

Wien - Manfred Jochum, der Doyen des österreichischen Wissenschaftsjournalismus, ist am Freitag 67-jährig nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Jochum war von 1998 bis 2002 Hörfunkintendant, von 2002 bis 2007 Vorsitzender des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten. Er setzte sich unermüdlich für die verständliche Vermittlung von Wissenschaft ein.

Biografie

Jochum wurde am 21. April 1942 in Wien geboren. Er absolvierte das Lehramt für Volksschule und war als Sozialpädagoge tätig. Parallel dazu schloss er ein Studium der Erziehungswissenschaften, Psychologie und Geschichte ab, anschließend arbeitete er mehrere Jahre als Universitätsassistent und Lehrbeauftragter an der Universität Wien. 1976 trat er als Redakteur für Wissenschaft und Bildung in den ORF-Hörfunk ein. 1983 baute Jochum die Redaktion des "Radiokolleg" auf, deren Leiter er bis 1992 war. Danach übernahm er die Leitung der Radiohauptabteilung "Gesellschaft, Bildung, Wissenschaft". Von 1998 bis 2002 war er Hörfunk-Intendant. 2002 schied er auf eigenen Wunsch aus dem ORF aus.

Jochum wurde u.a. mit dem Staatspreis für Wissenschaftspublizistik (1982) und dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (2001) ausgezeichnet. 2006 erhielt er für sein 2003 erschienenes Buch "Bis uns Hören und Sehen vergehen. Stolpersteine auf dem Weg zu einer neuen Medienwirklichkeit" (Verlag Kremayr & Scheriau) den Staatspreis für Erwachsenenbildung. 2007 wurde dem Journalisten und Publizisten der Berufstitel Professor verliehen.

Reaktionen

 

Mit Trauer und Betroffenheit hat Wissenschaftsminister Johannes Hahn auf Jochums Tod reagiert. Österreich verliere mit Jochum "einen der wichtigsten Wegbereiter des Wissenschafts- und Bildungsjournalismus". Sein Einsatz als Journalist und Publizist habe beide Seiten bereichert und vielen Menschen die Bedeutung und den Reiz von Wissenschaft und Forschung nahegebracht, sagte Hahn, für den Jochum "ein wissenschaftlicher Journalist und ein journalistischer Wissenschafter" war.

Manfred Jochum habe als Wissenschaftsjournalist Standards gesetzt und als Programmmacher und Manager in den unterschiedlichsten Führungspositionen bis hin zum Hörfunkintendanten die Erfolgsgeschichte der ORF-Radios während mehr als 25 Jahren ganz wesentlich mitgeschrieben, betonte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der ORF verliere einen großen Journalisten und eine der prägenden Persönlichkeiten des ORF-Hörfunks.

Für Ö1-Senderchef Alfred Treiber war Jochum eine unverzichtbare Säule von Ö1. Sein besonderes Verdienst sei es gewesen, den in die Jahre gekommenen Schulfunk durch eine zeitgemäße Erwachsenenbildungssendung, das Radiokolleg, zu ersetzen. Als Hörfunkintendant sei er ein Beispiel an gelebter Toleranz gewesen, meinte Treiber.

Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten, dessen Vorsitzender Jochum von 2002 bis 2007 war, bedauerte den Verlust eines der kompetentesten Wissenschafts- und Bildungsjournalisten und Wegbereiter dieses journalistischen Genres sowie eines Vorbilds für viele junge Kollegen. (APA)

  • Manfred Jochum ist im Alter von 67 Jahren gestorben.
    foto: standard/urban

    Manfred Jochum ist im Alter von 67 Jahren gestorben.

Share if you care.