Fussball zur NS-Zeit

"Rapid war durchaus angepasst"

10. Juli 2009, 12:07
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    foto: apa/techt

    Der Ball aus dem Spiel um die deutsche Meisterschaft zwischen Rapid und Schalke 04.

Mit dem Freundschaftsspiel Rapid vs. Schalke 04 wird auch der My­thos vom deutschen Meistertitel 1941 als Widerstandsakt beleuchtet und widerlegt

Wien - Wenn am Samstag Rapid zum 110-jährigen Jubiläum in Hütteldorf auf Schalke 04 trifft, wird auch eines alten Mythos gedacht. Am 22. Juni 1941 gewann Rapid in Berlin das Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen das damals dominante Team aus Gelsenkirchen mit 4:3. Um dieses Match ranken sich Legenden, die auch mit der österreichischen Vergangenheitsbewältigung in Bezug auf die Zugehörigkeit zum Dritten Reich (1938 - 1945) zusammenhängen. Gewisse Facetten des Heldenepos aus der Nazi-Zeit müssen im Abstand von 68 Jahren indes hinterfragt werden, meinte der Historiker David Forster.

"Österreichpatriotischer Widerstandsakt"?

Rein sportlich beeindruckt die Aufholjagd der Grün-Weißen, die durch drei Tore von Franz "Bimbo" Binder und einen Treffer von Georg Schors vor 95.000 Besuchern im Olympiastadion - am Tag des militärischen Überfalls Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion - einen 0:3-Rückstand in einen Sieg verwandelten. Nicht zuletzt deshalb gab es im Nachhinein die Interpretation, dass die Nazi-Obrigkeit eigentlich einen Sieg von Schalke gewünscht hatte, das Finish der Wiener demnach ein "österreichpatriotischer Widerstandsakt" gegen das Dritte Reich war.

Forster relativiert: "Die Verschwörungstheorie, Schalke 04 sei schon vor Anpfiff als Sieger festgestanden, passt natürlich gut ins Bild. Umgekehrt gibt es auch in Deutschland hartnäckige Schiebungsgerüchte, die 'Ostmark' habe gerade zum Zeitpunkt des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion eine moralische Stärkung gebraucht. Beweise sind nicht zu erbringen, aber der Umstand, dass beide Seiten eine Manipulation aus politischen Gründen vermuten, ist für mich ein gutes Indiz, dass das Match nicht abgekartet war."

"Das Spiel war gesteuert"

Auf Schalke wurde vor zehn Jahren am Widerstandsmythos aus Österreich gerüttelt: "Das Spiel war gesteuert", wurde Herbert Burdenski, als 19-Jähriger Finalteilnehmer, 1999 in dem Buch "Stürmer für Hitler" zitiert. "Die Ostmark sollte einen Meister haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass Rapid zwei fragwürdige Elfmeter bekommen hat?"

Die Überlieferungen, dass die Nazis auf den Sieg der Wiener kühl reagierten, Adolf Hitler sogar vor Zorn tobte, und Schalkes Name schon vor dem Spiel in den Pokal eingraviert worden war, tat der 2001 verstorbene Burdenski als "Show" ab: Der Schalker "Spielführer" Ernst Kuzorra habe sich daher auch geweigert, von Reichssportführer Hans von Tschammer die Silbernadel für den zweiten Platz entgegenzunehmen.

Kein Zusammenhang mit Fronteinsatz

In Österreich wiederum wurde erzählt, Binder & Co. seien kurz nach dem legendären Match als "Strafe" an die Front geschickt wurden. Das ist durch "Fakten widerlegt", meint Forster, der sich gezielt mit dem Thema "Fußball unterm Hakenkreuz" und der jüdischen Geschichte dieses Sports in Österreich auseinandersetzt. "Ich habe mir Akten angesehen, die deutlich zeigen, dass zwischen dem Finalsieg und einem Fronteinsatz kein Zusammenhang besteht. Die meisten Rapid-Spieler waren bereits eingerückt, in der Regel auf recht sicheren Posten in Wien, und wurden erst im weiteren Verlauf des Krieges zu Kampfeinsätzen abkommandiert."

Den Schalke-Spielern sei es außerdem "nicht anders" ergangen: "Im Gegenteil, deren Fronteinsätze ab 1942/43 wurden als propagandistische Notwendigkeit betrachtet." In Deutschland ist die Rolle der Fußballvereine in der NS-Zeit aber bereits ausgiebig erforscht worden, so Forster: "Gerade Schalke hat auf vorbildhafte Weise die Aufarbeitung der Vereinsgeschichte betrieben." 2005 erschien die vom Club geförderte NS-Studie "Zwischen Blau und Weiß liegt Grau".

"Rapid-Geschichte" im Nationalsozialismus wird untersucht

In Österreich ist Forster zufolge aber noch "kein Gesamtbild" möglich, selbst wenn es "erste, erfreuliche Ansätze" auf Vereinsebene gibt: So betraute Rapid-Präsident Rudolf Edlinger jüngst auf Initiative des Fußballmagazins "ballesterer" das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) mit einer Untersuchung der "Rapid-Geschichte" im Nationalsozialismus.

Aufklärungsbedarf ist für den Historiker gegeben: "Rapid war durchaus angepasst, wird aber heute gerne als ein widerständiger Club dargestellt". Das kann auch in einem größeren Kontext gesehen werden. Laut Forster spiegeln die beiden Wiener Großvereine Rapid und Austria überhaupt zentrale Facetten der nach 1945 geschaffenen nationalen Selbstbilder Österreichs wider. "Die Austria begreift sich, ihren Mitläufern und Tätern zum Trotz, primär als Opfer des Nationalsozialismus."

Rapids Sieg von 1941 birgt aber ein weiteres Problem. "Ein 'großdeutscher' Meistertitel zieht auch schnell Beifall von der falschen Seite nach sich", warnt Forster vor einer Vereinnahmung durch Fans aus dem rechten Lager. Sein Fazit über den "unbestritten großen sportlichen Erfolg" lautet daher: "Es ist wichtig, die damaligen Verhältnisse zu beachten und differenziert damit umzugehen. Umgekehrt macht es auch keinen Sinn, aus hehren Motiven heraus irgendwelche Heldensagen und Widerstandslegenden zu stricken."(APA)

 

 

Zur Person

David Forster, geboren 1972 in Wien, ist Historiker im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde, externer Lektor an der Universität Wien, und Redakteur des Fußballmagazins "ballesterer".

Kommentar posten
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Gilgamesh
00
24.7.2009, 12:26

Nun wenn man sich die "Fans" von heute ansieht, wenn die Rapidfans und die Austriafans sich gegen seitig als "Judenschw****" beschimpfen.....

Selbst wen das Märchen stimmen sollte, gelernt hat niemand daraus...

Und nun bitte massiv Rotbewertungen von den "Fans".... ^^

Wiener Mafioso
21
12.7.2009, 16:44

Deutscher Meister war nur der SCR!

Und der Rest ist bloß neidisch.

rakka
00
29.7.2009, 12:04
einmarschiert in polen ist nur er...und der rest ist bloss neidisch

Mike Ness
 
11
14.7.2009, 15:19

und das braune pack ist stolz darauf!

etepetete
31
12.7.2009, 07:05

mich stört nicht so recht der verein rapid sondern mehr die nazis auf der tribüne. jö da wird wieder 88 gschrien. super super. geh leckts mich doch am oar%ch es gsindel. dass ihr eich ned schenierts oiswos.

Skull&Bones
00
11.7.2009, 20:59
Hat der ORF-Moderator gerade gesagt:

"... Vorbereitungsf*ick für Felix Magath."???

K R
64
11.7.2009, 18:58
wie man mit dem nazitittel umgehen kann beweist die vienna


die war auch "Deutscher Cupsieger", aber brüstet sich keineswegs damit (und war im übrigen abgesehen von diesem einen jahr auch in der meisterschaft wesentlich erfolgreicher als der scr)

immerhin war die vienna 9 jahre lang "regierender cupsieger" (cup-pause von 43 bis 52)

auch die admira war "vizemeister" der nazis ... auch dort bildet sich keiner etwas darauf ein.

caranx
45
11.7.2009, 21:02
So ein ausgemachter Schmarrn

Man war nicht Meister der Nazis, sondern von Ö+D.
Das ist sportlich eine ganz andere Klasse als nur Meister von Ö zu sein.
Ihr mit eurer Nazipsychose. Peinlich.

daemeth
00
26.5.2010, 17:54

unterm hitler wurde der profi-fußball defacto abgeschafft und die deutsche nationalelf spielte katastrophal schlecht... also würde ich die deutsch-österreichische meisterschaft nicht so hoch loben wie sie es tun. die mitropa-cup-titel der öst. verein sind auch nicht von irgendwoher und man kann leider gottes sagen, das der österreichische fußball extrem unter dem einmarsch gelitten hat und sich nie wieder erholte.

K R
22
11.7.2009, 21:08

und alle österreicher waren opfer, gell?

el locombiano
00
13.7.2009, 00:37

NEIN, wir sind alle täter

caranx
31
12.7.2009, 00:59

Zuerst waren sie die ersten Opfer. Und jetzt sind sie die eifrigsten Nazijäger im Stil der Fahnder nach dem Ungeheuer von Loch Ness. Siehe die "Nazimeisterschaften". Peinlich, die das so sehen.

o glorioso pé de friedenreich
22
12.7.2009, 10:57
was du da betreibst ist geschichtsfälschung

hitler war österreicher, und viele österreicher waren besonders eifrige nazis. die aufarbeitung der nazizeit war in österreich lange besonders lax, das meiste wurde verdrängt und verleugnet. erst mit waldheim hat man überhaupt damit angefangen sich damit zu beschäftigen, dass auch österreicher daran beteiligt waren und nicht nur das arme ewige opfer. dass man da jetzt natürlich noch einiges zu tun hat steht außer frage.
dass der titel sportlich mehr zählt stimmt, aber das sportliche allein kann man auch nicht unkommentiert so stehen lassen und so tun als wär sonst nix gewesen. die judenverfolgung hat ja unter anderem auch viele vereine geschwächt, um mal nur im sportbereich zu bleiben.

Knicknack
10
13.7.2009, 01:36
Hitler war gebürtiger Österreicher.

Er hat später die österreichische Staatsbürgerschaft aufgegeben und die deutsche angenommen.

bösartiger gutmensch
12
11.7.2009, 19:59

was die umstellung einer homepage so alles bewirken kann ....

in der letzten version, die noch vor ein paar monaten online war, hats zum deutschen cupsieg geheissen, das sei "der größte erfolg in der vereinsgeschichte" gewesen.

es freut mich, dass das in der form nun nicht mehr unter den vereinserfolgen aufgelistet wird.

Walter Angelli
01
11.7.2009, 19:23

Rapid war halt besser.

susi J
08
11.7.2009, 18:38
Rapid war auch dt. Pokalsieger!

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 12. März 1938 wurden die österreichischen Vereine in Meisterschaft und Pokal in den deutschen Spielbetrieb überführt.

Bereits im ersten Jahr zeigten die Wiener Ballkünstler, welche seinerzeit zu den besten in Europa gehörten, zu welchen Leistungen sie in der Lage waren. Im letzten Pokalendspiel vor dem Zweiten Weltkrieg besiegte Rapid am 8. Januar 1939 im voll besetzten Berliner Olympiastadion den FSV Frankfurt mit 3:1.

K R
00
11.7.2009, 23:43
klar, es gab auch nur in österreich (vor dem anschluß) und italien profifußball

Sandro Trofani
12
11.7.2009, 18:19
Die Rapid war ja auch schon 1938 deutscher Pokalsieger, meine Herrschaften.

Detto war die Rapidviertelstunde entscheidend!

Weiters: 3. in der Deutschen Meisterschaft: 1940

FORZA VERDE!

vom anderen Sternli
27
11.7.2009, 17:52
So ist es halt!

Auch die Österreicher waren Nazis. Die Aufnahmen vom Heldenplatz 1938 sind nicht gefälscht.
Die Fußballer waren dabei keine Ausnahme - sie verhieolten sich nur so wie die Masse.
Nach dem 8. Mai 1945 sind aber alle Nazis, die 1934/1938 nach Österreich kamen oder aus Österreich stammten mit einem UFO verschwunden, das sie schon früher in der Alpenrepublik abgesetzt hatte.

daemeth
00
26.5.2010, 17:58

natürlich waren viele nazis...das wäre ja ansich nichts anstößiges - ist wie wenn einer övpler oder spöler wär...das aber viele davon täter in diesem schrecklichen system waren, sollte man hervorheben und nicht immer verschweigen. darum gehts bei dem ganzen thema.

hcl
21
11.7.2009, 22:53

Nona waren viele Österreicher Nazis... Sogar der Obernazi war Österreicher.

o glorioso pé de friedenreich
00
12.7.2009, 11:43

interessant find ich den roten strich da ... einige wollen es offensichtlich immer noch nicht glauben.... oder findest du es wirklich "unnötig" drauf hinzuweisen?

hcl
00
12.7.2009, 12:05

Nein, selbstverständlich nicht. Man sollte die Österreicher ruhig oft genug darauf hinweisen. Nebenbei sei aber auch gesagt, daß Hitler nur in Deutschland groß werden konnte (hat aber weniger etwas mit der Mentalität der Deutschen zu tun, als daß sie einfach 10 mal mehr Leute waren).

peter schmidt
 
20
11.7.2009, 16:16
irgendwie kommt mir manchmal der gedanke

Sport könnte mehr sein als viele Poster des Standard in ihm sehen.

http://www.youtube.com/watch?v=TTZdd92D7Gs

aber ich kann mich auch täuschen und sport ist einfach die fortsetzung des alltäglichen hässlichen, kleingeistigen, hickhacks mit anderen mitteln.


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