"Liebling, ich habe das OS geschrumpft"

10. Juli 2009, 11:18
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Microsoft wird in Zukunft User überzeugen müssen, dass sie überhaupt ein Betriebssystem brauchen

Google mag zwar betonen, dass Chrome OS kein direkter Konkurrent zu Windows sein soll, doch die Branche - und ziemlich sicher auch Microsoft selbst - dürfte das ein wenig anders sehen. Linux am Desktop mag trotz anfangs erfolgversprechender Performance am Netbook-Markt nicht in die Gänge kommen, aber Googles neues Baby könnten den Konkurrenzkampf in eine völlig neue Bahn lenken. Abgesehen vom Preisargument stelle Chrome OS einen Schlag gegen den Ansatz des umfangreichen Betriebssystems dar, den Microsoft vertrete, meint Saul Hansell von der New York Times.

Nur webbasierte Anwendungen

Chrome OS soll auf Linux basieren und mit einem neuen Fenstersystem laufen, wie Google zur Präsentation des "Anti-Betriebssystems" - so nennt es Google-Mitgründer Larry Page - bekannt gab. Im Grund soll darauf nur Googles-Browser Chrome laufen. Daten sollen nicht auf einer Festplatte, sondern im Internet gespeichert werden. Und anstatt Programme direkt auf dem Rechner zu installieren, sollen nur webbasierte Applikationen genutzt werden - ein Ansatz, der als Cloud Computing bekannt ist. Statt eines komplexen - Kritiker meinen auch aufgeblasenen - Betriebssystems wie Windows, will Google das OS auf die geringst nötigen Umfang reduzieren.

Betriebssysteme werden unwichtiger

Dass das Konzept des Feature-reichen Betriebssystems allmählich ausgedient hat, davon sind auch andere Branchenvertreter abseits von Google überzeugt. VMware-Chef Paul Maritz sagte kürzlich gegenüber NYT-Blogger Hansell , dass das traditionelle Betriebssystem immer unwichtiger werde. Maritz hat einen tiefen Einblick in die Entwicklungen, immerhin war er vor VMware unter anderem Vice President der Platform Strategy and Developer Group bei Microsoft. Das OS, so Maritz, werde natürlich nicht gänzlich verschwinden, aber es werde schrumpfen. Und das gelte seiner Ansicht nach nicht nur für PC von Privatusern, sondern auch für Großkunden.

Druck auf Microsoft steigt

Die Abkehr vom traditionellen Betriebssystem zeige sich auch darin, dass Entwickler ihre Anwendungen heute eher für Frameworks und seltener direkt für Windows oder Linux schreiben würden. Die Frameworks wiederum seien so entwickelt, dass sie auf verschiedenen Plattformen laufen. Microsoft werde in Zukunft die User und Entwickler nicht mehr davon überzeugen müssen, dass Windows besser sei als Mac OS X oder Linux, sondern dass sie überhaupt ein Betriebssystem benötigen.

Ankündigung von Microsoft erwartet

In Redmond versucht man natürlich ebenfalls, sich darauf vorzubereiten, dass das Betriebssystem für User an Bedeutung verlieren wird. Microsoft arbeitet bereits seit längerem an seinem Cloud Computing-System Windows Azure. Darf man den Aussagen einiger Blogger glauben, so hat Microsoft für kommende Woche selbst in diesem Bereich eine größere Ankündigung zu machen. So geht etwa Neowin davon aus, dass Microsoft seine Office Web Applications am kommenden Montag zusammen mit Office 2010 beta veröffentlichen könnte. Das sei auch der Grund gewesen, wieso Google Chrome OS gerade jetzt vorgestellt habe, meint Blogger Robert Scoble. (br/derStandard.at 10. Juli 2009)

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