Industrienationen versprechen 20 Milliarden Dollar für die Stärkung der Landwirtschaft in Afrika - Mit Video
L'Aquila - Die G-8-Staaten haben am Freitag zum Abschluss ihres Gipfels im italienischen L'Aquila eine Aufstockung der Hilfe für Afrika angekündigt. Insgesamt 20 Milliarden Dollar sollen in den kommenden drei Jahren zur Stärkung des Agrarsektors fließen, sagte der italienische Premier Silvio Berlusconi am Ende des Gipfels.Ursprünglich war von 15 Milliarden die Rede gewesen. Die USA versprachen insgesamt 3,5 Milliarden, Frankreich zwei und Japan rund drei Milliarden Dollar.
Die G-8 bekannten sich zudem zu einer Reform der Strategien im Kampf gegen den Hunger: Sie wollen künftig weniger Nahrungsmittel in Hungergebiete liefern und stattdessen verstärkt die lokale Produktion ankurbeln. Damit greifen die G-8 eine entwicklungspolitische Forderung zahlreicher NGOs auf. "Das ist ein Schritt nach vorn", sagte Gawain Kripke, Analyst bei der britischen Hilfsorganisation Oxfam im Standard-Gespräch. Allerdings sei noch völlig unklar, wie viel von diesen versprochenen 20 Milliarden "frisches" Geld sei. Mitarbeiter des Weißen Hauses hätten Hilfsorganisationen vor übertriebenen Hoffnungen gewarnt, sagt Kripke. Ein Teil der 20-Milliarden werde durch Umschichtungen in den Entwicklungshilfebudgets aufgebracht. Laut Uno leiden rund eine Milliarde Menschen an den Folgen von Unterernährung, der Anstieg der Nahrungsmittelpreise 2008 hat die Situation verschärft.
Neben den G-8-Staaten nahmen Algerien, Angola, Äthiopien, Libyen, Nigeria, Senegal und Südafrika an den Beratungen teil. Von ihnen forderten die G-8 mehr Engagement im Kampf gegen Korruption.
Im Zentrum der Gespräche standen am Freitag auch erneut die Weltwirtschaft und die internationalen Märkte. Die G-8 haben die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds damit beauftragt, zu studieren, wie Spekulationen mit dem Erdölpreis eingedämmt werden können. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass ein einzelner Händler den Ölpreis um zwei Dollar hochgetrieben hatte.
Bei seiner Abschlusserklärung betonte US-Präsident Barack Obama, dass der Aufschwung der Weltwirtschaft die größte internationale Herausforderung darstellt. Als großen Fortschritt werteten Obama und Merkel die Annäherung beim Klimaschutz. Zum Iran wiederholte Obama die Warnungen vom Vortag: Bis September müsse der Iran auf das Gesprächsangebot der USA eingehen, sonst drohten "weitere Schritte". (mu, szi/DER STANDARD, Printausgabe, 11./12.7.2009)