Nach dem Putsch

Konfliktparteien wollen weiterverhandeln

13. Juli 2009, 12:59

Erste Vermittlungsrunde in Costa Rica brachte keine Lösung

San Jose - Die erste Runde der Vermittlungsgespräche über eine Beilegung der Staatskrise nach dem Putsch in Honduras ist ohne Ergebnisse zu Ende gegangen. Der abgesetzte Präsident Manuel Zelaya und Interimspräsident Roberto Micheletti hätten aber einer Fortsetzung der Gespräche zugestimmt, sagte am Freitag (Ortszeit) der als Vermittler tätige Staatschef von Costa Rica, Oscar Arias. Zudem hätten beide Seiten zugesagt, den Konflikt "mit Worten und nicht mit Waffen" lösen zu wollen. In Honduras demonstrierten tausende Zelaya-Anhänger für dessen Rückkehr.

Bei den zwei Einzelgesprächen, die Arias am Donnerstag mit Zelaya und Micheletti in der costaricanischen Hauptstadt San Jose geführt hatte, war kein Durchbruch gelungen. Beide Seiten bekräftigten ihren Machtanspruch. Zelaya sprach von einem ersten kleinen Schritt hin zur "Wiedereinsetzung des gewählten Präsidenten". Micheletti erklärte hingegen, er bleibe der "verfassungsgemäße Präsident". Nach Zelayas und Michelettis Abreise aus Costa Rica führte Arias am Freitag fünf Stunden lang Gespräche mit Delegationen der beiden Rivalen.

Unnachgiebige Konfliktparteien

Anschließend erklärte Arias, beide Seiten seien übereingekommen, die Gespräche "so schnell wie möglich" wieder aufzunehmen. Es sei "praktisch unmöglich, bei nur einem Treffen solche tiefgreifenden Probleme zu lösen, wie sie die honduranische Familie spalten", fügte der Friedensnobelpreisträger hinzu. Er räumte ein, dass es schwierig werde könnte. Zelaya besteht auf der Rückkehr ins Amt, Micheletti schließt dies kategorisch aus. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Länder (OAS), Jose Miguel Insulza, kritisierte dementsprechend im chilenischen Rundfunk, beide Seiten seien noch unnachgiebig.

In Honduras gingen unterdessen tausende Zelaya-Anhänger auf die Straße. In der Hauptstadt Tegucigalpa blockierten rund 4.000 Demonstranten zwei Stunden lang die Straße zu der Wirtschaftsmetropole San Pedro Sula. Dort sowie in Choluteca und Puerto Cortes fanden ebenfalls Proteste statt.

Der venezolanische Staatschef Hugo Chavez nahm Kontakt zur US-Regierung auf. Die Kritik an Arias' Vermittlungsgesprächen, die Chavez am Donnerstagabend in einem Telefonat mit dem stellvertretenden Staatssekretär für Lateinamerika, Thomas Shannon, geäußert habe, sei "voreilig", sagte dazu am Freitag ein Sprecher des US-Außenministeriums. Chavez hatte die unter US-Beteiligung zustande gekommenen Verhandlungen in Costa Rica als "groben Fehler Washingtons" bezeichnet und beklagt, dass der "Usurpator" Micheletti in Costa Rica nicht festgenommen worden sei. Das Vorgehen ermutige Umsturzbestrebungen in seinem Land und in anderen lateinamerikanischen Staaten.

US-Republikaner: Kein Putsch

Kritik erntete die US-Regierung auch bei den Republikanern. Indem er den Machtwechsel in Honduras als Putsch bezeichnet und die Wiedereinsetzung Zelayas gefordert habe, habe US-Präsident Barack Obama sich in eine Reihe mit den linken Staatschefs von Venezuela, Bolivien und Nicaragua, Chavez, Evo Morales und Daniel Ortega gestellt, sagte die Republikanerin Connie Mack bei einer Anhörung des auswärtigen Ausschusses des US-Repräsentantenhauses. Zelaya sei wegen "verfassungswidriger und widerrechtlicher Versuche, die Verfassung von Honduras aus rein egoistischen Gründen zu ändern", aus dem Amt entfernt worden, sagte der republikanische Abgeordnete Chris Smith.

Die honduranische Armee hatte Zelaya Ende Juni festgenommen und außer Landes gebracht. Er hatte zuvor trotz des Widerstands der Justiz versucht, die Möglichkeit für eine in der Verfassung nicht vorgesehenen zweiten Amtszeit zu bekommen. Laut OAS-Botschaft in Washington will Zelaya demnächst in der US-Hauptstadt mit Insulza und Shannon sprechen.

Zelaya war Ende Juni gestürzt und vom Militär außer Landes gebracht worden. Er war immer weiter nach links gerückt. Mit seiner Politik war er vor allem der reichen Oberschicht ein Dorn im Auge. Auch Verfassungsgericht und Parlament, dessen Vorsitzender Micheletti war, unterstützten Zelayas Amtsenthebung mit der Begründung, dieser hätte mit einem geplanten Referendum über eine derzeit von der Verfassung nicht zugelassene zweite Amtszeit des Präsidenten seine Kompetenzen überschritten. (APA/Reuters)

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1 2
Pues fíjate que podría ser
12
13.7.2009, 07:07
putsch oder nicht putsch?

Ich möchte mich hier ausdrücklich nicht Hurra Deutschland! anschließen. Ich denke, es ist durchaus berechtigt, die Vorgänge vor ca. 2 Wochen einen Putsch zu nennen.
Der Einwand ist aber durchaus berechtigt, dass international überproportional Pro-Zelaya berichtet wird (wenn man die geteilte Stimmung unter den Hondureños als Basis nimmt). Ich kann hier "live aus Tegucigalpa" bestätigen, dass es sowohl Pro- als auch Contra-Micheletti (Goriletti, Pinocheletti oder auch Pincheletti genannt)-Demonstrationen gibt.

Übrigens: Wenn ich kritisiert werde, weil ich die Existenz einer Militärjunta in Abrede stelle, muss ich schon den niedrigen Informationsstand vieler Poster bemängeln.

Übrigens 2: Ab heute keine Ausgangssperre mehr!

wider den rechten Kanaillen
00
13.7.2009, 22:53
Wo doch jeder weiß,

dass Du, "Hurra Deutschland", "Horst Holger" und und und ...

alle die gleiche Person seid.

Hurra Deutschland!
00
14.7.2009, 11:51

Sie haben wohl nicht alle Tassen im Schrank.

Hurra Deutschland!
00
13.7.2009, 19:27

Ein grüner Strich von mir.

Es wäre schön, wenn Sie mehr berichten, und dass man streiten kann, ob es ein Putsch war, ist mir auch klar. Ich wil nur die Ansicht anderer Medien einbringen, wenn es der Standard schon nicht tut.
;-)

Wie war das vor der Absetzung, wie stark war der Rückhalt von Zelaya, was hat er geleistet?

Pues fíjate que podría ser
02
13.7.2009, 22:26
Bewertung Zelayas sehr schwierig III - Die Vorgeschichte II

Kritiker meinen trotzdem, dass Zelaya seine mögliche Wiederwahl erreichen wollte. Dieser Vorwurf ist allerdings ebenso unklar wie Zelayas Projekt. Soweit ich das sehe, käme die Wiederwahl erst bei den nächsten Wahlen (2013) in Frage, da die Verfassung ja erst nach den im November abzuhaltenden Wahlen geändert werden könnte. Auf der anderen Seite ist nicht hundertprozentig auszuschließen, dass Zelaya sich auch darüber hinwegzusetzen versucht hätte; zuletzt hatte er ja für die Volksbefragung entgegen den Weisungen des Obersten Gerichtshof gehandelt.
Zelaya will davon nichts wissen und spricht von mehr politische Partizipation der Bevölkerung, die durch die Verfassungsänderungen gesichert werden sollte.

Pues fíjate que podría ser
02
13.7.2009, 22:26
Bewertung Zelayas sehr schwierig II - Die Vorgeschichte I

Zur Erinnerung: Anlass des Putsches war ja eine Volks"umfrage", die der Präsident entgegen dem Willen des Nationalrats und trotz ausdrücklichem Verbot des Obersten Gerichtshofs durchführen wollte. Bei der Umfrage ging es um die mögliche Aufstellung einer vierten Wahlurne bei den Wahlen im November (neben den Urnen für den Präsidenten, Kongress und Bürgermeister). In dieser 4. Urne sollte über eine verfassungsgebende Nationalversammlung abgestimmt werden. Zelaya hatte sich nie klar zur Zusammenstellung und zum Modus dieser verfassungsgebenden Versammlung geäußert; diese hätten erst nach der Umfrage per Gesetz festgelegt werden sollen. Laut Zelaya sollte die Verfassungsreform aber ganz in den Händen der neu zu wählenden Regierung liegen.

Pues fíjate que podría ser
02
13.7.2009, 22:01
Bewertung Zelayas sehr schwierig I

Zelaya hat Anfang des Jahres den Mindestlohn drastisch erhöht, er hatte Honduras in die ALBA geführt und finanzielle Unterstützung etwa von Venezuela organisiert.
Er hat starke Sympathien bei der armen (Land-)Bevölkerung und wird von der einflussreichen Lehrer- und anderen Gewerkschaften unterstützt.
Seine Anhänger schätzen ihn als volksnah und tatkräftig, befürworten sein Bekenntnis zu stärkeren Mitbestimmungsrechten der Bevölkerung und berichten von konkreten Projekten für die Armen (z.B. Solarpanele für entlegene Dörfer).
Seine Gegner werfen im Korruption und Freunderlwirtschaft vor, kritisieren seine Nähe zu Venezuela und Nicaragua und bewerten etwa die abrupte Anhebung des Mindestlohns als negativ für die Arbeitslosigkeit.

Hurra Deutschland!
20
12.7.2009, 10:30
"Das Märchen vom Staatsstreich in Honduras"


Es gibt eine ganze Reihe seriöser Zeitungen und anderer Quellen - z.B. FAZ, NZZ, Welt, St. Galler Tagblatt - die die Vorgänge in Honduras anders sehen. Nur ein Beispiel von vielen:

http://www.welt.de/politik/a... duras.html

Es ist bedenklich, dass andere Blätter über diese Aspekte nicht einmal berichten, so als habe es keine Zeit vor und keine Gründe für die Absetzung gegeben.

Stattdessen werden kritiklos Meinungen wie die der kommunistischen Plattform "America21" übernommen, deren Redaktion aus dem Dunstkreis von DKP, Linkspartei, Junge Welt, Kommunistischer Initiative usw. stammt und sich seiner engen Verbindungen nach Venezuela rühmt.

Pues fíjate que podría ser
00
13.7.2009, 21:07
So löblich es sein mag, verschiedene Blickwinkel darzustellen,

dieser Artikel ist ziemlich propagandamäßig am Weg. Es ist z.B. einfach nicht wahr, dass der gesamte Kongress hinter Michelettis Präsidentenernennung stand und steht. Es gibt eine ganze Reihe Abgeordneter, die sich gegen die derz. de facto-Regierung stellen.
Und in dieser Art geht es im Artikel mit den Lügen weiter.

Ich bin in der Causa Honduras eher vorsichtig mit klaren Aussagen, weil objektive Information schwer zu bekommen ist.
Aber dieser Welt-Artikel geht eindeutig an der Wahrheit vorbei.

Hurra Deutschland!
00
14.7.2009, 12:12

Das schrieb nicht nur die Welt. In der Printausgabe der FAZ stand ein Beitrag, der in etwa zum selben Ergebnis kam. Hier noch ein anderer Link:

http://www.kath.net/detail.php?id=23394

Oder diese Analyse des einstigen Guerilleros Joaquin Villalobos aus El Salvador:

http://www.welt.de/die-welt/... oppen.html

KAS und Friedrich-Naumann-Stiftung haben ähnlich berichtet.

Natürlich muss das nicht alles stimmen, aber Fakten wie jene, dass es keine Militärjunta gibt und Zelaya’s Nachfolger aus der eigenen Partei stammt, habe ich aus solchen Berichten, von gewissen Medien hätte man das nicht erfahren.

Träume sind Schäume
10
12.7.2009, 00:54
Ein lustige Anektote

"Castro, in a column published late on Friday on an Internet site run by Cuba's communist government, said:
Zelaya, Castro wrote, has insisted on returning to power because he believes "the right of the people of Latin America to elect their leaders" is at stake."

Comandante Castro, gehen sie mit guten Beispiel voran, hier ein Plan:
Sie, ihr Bruder und die gesamte Diktaturelite TRITT ZURÜCK, ein Wahlkommitee wird einberufen und die Vertreter des Volkes gewählt.

Um sich vor Anklagen wegen Menschenrechtsverletzungen (Haft, Erschießungen) sowie Kriegsverbrechen als Oberfehlshaber (Angola) zu entziehen sollten sie schnellstens wie Honecker nach Argentinien abhauen.

"intellektuelle" Vollidioten könnten ihnen heulend einen Schrein errichten ;)

Alf von Melmak
 
20
11.7.2009, 22:47
Chavez hatte die unter US-Beteiligung zustande gekommenen Verhandlungen in Costa Rica als "groben Fehler Washingtons" bezeichnet


Mit seinem unreifen Gepöbel wird Chavez es noch schaffen, die Einigkeit der amerikanischen Staaten, jenseits ideologischer Differenzen eindeutig gegen den Putsch in Honduras aufzutreten, zu zerstören.

Com Pirx
20
11.7.2009, 23:19

Die ist ohnehin schon dahin. Da haben sich die gemäßigten Präsidenten in der OAS einen Moment lang von den radikalen überrumpeln lassen.

Mich hätte das Ergebnis interessiert, wenn anstatt der Präsidenten die Parlamente der OAS-Staaten entscheidungsberechtigt gewesen wären. Die hätten sich nicht derart kritiklos hinter Zelaya gestellt.

GG22
02
11.7.2009, 17:00
Bemerkungen zum Staatsstreich in Honduras

1. Diejenigen, die diesen Staatsstreich als verfassungskonform bewerten mögen mir beantworten

a) sieht die Verfassung vor, daß Militärs das gewählte Staatsoberhaupt in Nacht und Nebel außer Landes schaffen? Alle Resolutionen des Kongresses wurden nach der Verschleppung von Zelaya gefasst. Abgeordneten wurde der Zugang zum Kongress verweigert, einzelne Abgeordnete und Minister vorher verhaftet. Was ist die Verfassungsgrundlage dafür?

b) wird laut Verfassung der Staatspräsident gewählt oder vom Kongress ernannt? Zelaya wurde gewählt, Gorriletti vom Rumpf-Parlament ernannt.

2. Wenn die Putschisten in Honduras durchkommen, wird eine neue Ära von Staatsstreichen in Lateinamerika eingeläutet.

Ernst Guevara
01
11.7.2009, 17:16
"Wenn die Putschisten in Honduras durchkommen, wird eine neue Ära von Staatsstreichen in Lateinamerika eingeläutet."

aber genau das wollen ja die rechten erreichen. Sie haben erkannt, dass sie nicht viel reissen, wenn wahlen in demokratischen gesellschaften stattfinden, daher greifen sie zurück auf ihre üblichen faschistischen methoden, die man noch aus dem kalten krieg kennt. die rechten wünschen sich doch nichts mehr als eine neue periode von faschistischen diktaturen in lateinamerika.

..-..
01
11.7.2009, 16:59
hier gibts nichts zwischen zwei "konfliktparteien"(unfassbar) zu "verhandeln". entweder die putschisten gehen oder der un-sicherheitsrat wird sich einschalten.

hier gibts nichts zwischen zwei "konfliktparteien"(unfassbar) zu "verhandeln". entweder die putschisten gehen oder der un-sicherheitsrat wird sich einschalten.

öl
01
11.7.2009, 16:48
"Republik"anerin und Faschistin Connie Mack

NONE
00
11.7.2009, 16:20

Die US Republikaner sind kriegslüstern. Jetzt verteidigen sie einen Putsch als rechtmässig.

Wieso erinnert das nur an das Doppelsprech von 1984?

Hurra Deutschland!
71
11.7.2009, 14:57

Ein Präsident, der gegen die eigene Verfassung geputscht hat, wurde abgesetzt und nun herrschen wieder demokratische Verhältnisse. Das Volk jubelt auf den Strassen und die Linke in Europa macht mal wieder lange Gesichter. Ist das nicht schön?

Alf von Melmak
 
00
11.7.2009, 22:49
Das Volk jubelt auf den Strassen...


Und wie ist das Gefühl, wenn Sie wieder aufwachen?

edson arantes do nascimento
00
11.7.2009, 22:37
na, da sehnt sich wohl jemand nach den

tollen demokratischen zeiten unter einem pinochet oder videla!

..-..
03
11.7.2009, 17:01
ich verstehs echt nicht. woher haben sie ihre irrsinnige behauptung der präsident hätte die eigene verfassung geputscht? weil er mehr direkte demokratie zulassen wollte?

Horst Holger
21
11.7.2009, 23:07
anscheinend verstehens Sie es wirklich nicht

die Demokratie ist durch Grundsetze= Gesetze in jeder Verfassung eines demokratischen Landes verankert. Genau gegen diese Verfassung hat Zelaya verstoßen, was also logischerweise undemokratisch ist. Wozu also die Leute an die Wahlurnen wegen eines Referendums schicken,wenn das von Rechts wegen nicht vorgesehen ist. Chavez hart´s vrgemacht, was in einem antidemokratischen Land passieren kann: die Leute so lange an die Wahlurnen schicken, bis das Ergebnis irgendwann mal passt. Falls das immer noch nicht klappt, macht´s auch nichts: dann werden neue Gesetze üebr Dekrete durchgedrückt, da braucht es keine Volksabstimmungs dazu. Wollen Sie wirklich solche ZUständen in Honduras haben?

wider den rechten Kanaillen
03
11.7.2009, 15:03

So wie am 12. März 1938.

wider den rechten Kanaillen
03
11.7.2009, 14:51
Das Wort "Konfliktparteien" ist ein Euphemismus

Es müsste heißen: Der gewählte Präsident und die Vertreter der Militärdiktatur.

Auch wenn man der Militärdiktatur einen zivilen Anstrich geben will: Der gewählte Präsident wurde am Vorabend einer Volksbefragung mit vorgehaltener Waffe von Militärs verschleppt und ins Ausland geschafft.

Das sind die Vertreter der "Konfliktparteien". Man möge bitte nicht beide auf EINE Ebene stellen, so wie es die Wortwahl suggeriert.

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