Tribüne geräumt

Uni-Reform trotz Protesten beschlossen

9. Juli 2009, 21:16

SPÖ-Jugend- und Studentenvertreter riefen "Nein zum UG"

Wien - Unter Protest von der Besuchertribüne aus wurde Donnerstag Abend im Nationalrat - mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP - die Uni-Reform 2009 beschlossen. Die Missfallenskundgebung der SPÖ-Studenten-, Jugend- und Schülerorganisationen VSStÖ, SJÖ und AKS dauerte freilich nur kurz: Nach einigen wenigen "Nein zum UG"-Rufen räumten die Ordner die Tribüne.

ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn sieht in der von ihm vorgelegten Reform einen "ganz wesentlichen Beitrag zur Qualitätssicherung an den höheren Schulen". Sie bringt u.a. ab 2011/12 eine Studieneingangsphasen und neue Regeln bei der Rektors-Kür. Hahn unterstrich besonders die neue Möglichkeit eines achtsemestrigen Bachelor-Studiums in Ausnahmefällen. Damit könne künftig auch auf die Lehrerausbildung die Bologna-Struktur angewendet werden. Dies werde auch in die Beratungen über die gemeinsame Lehrerausbildung einfließen.

SPÖ-Bildungssprecherin Andrea Kuntzl unterstrich den Beitrag der SPÖ zu dieser Reform: Gegenüber dem Hahn-Entwurf sei vieles geändert worden - es zeige sich deutlich die Handschrift der SPÖ: Nun sei keine Einschränkung der Autonomie der Unis, kein größerer politischer Eingriff, keine zu starke Einschränkung des budgetären Spielraums mehr zu befürchten und die Studienbedingungen würden verbessert.

Die Opposition war dennoch nicht zufrieden. Walter Rosenkranz von der FPÖ sieht die Autonomie der Unis hinsichtlich Finanzierung gefährdet und hält auch wenig von der Neuregelung der Rektorswahl. Rainer Widmann beklagte seitens des BZÖ, dass mit dem Senat das einzige wirklich demokratisch besetzte Gremium an den Unis in seinen Rechten eingeschränkt werde. Der Grüne Kurt Grünewald begrüßte zwar Teile der Reform, vermisste aber insgesamt ein Konzept für Bildung und Forschung. So gebe es mit den Reformen alle paar Jahre nur "Steinchen, die sich nicht zu einem Bild zusammenfügen". (APA)

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15 Postings
Kind von Traurigkeit
00
12.7.2009, 09:36
Wer hat uns verraten?

libertyisland
00
10.7.2009, 12:42
sagt die flö nicht immer

der vsstö wäre auf spö-parteilinie? bzw. würde die parteiplitik der öh aufzwingen wollen?
komisch, dass die immer lauthals protestieren (im gegensatz zur ag, die sich lieber das kopferl von der övp streicheln lässt...)

missa_solemnis
 
00
10.7.2009, 12:07

Die FPÖ hat vollkommen recht. Nehmt euch ein Beispiel an den Blauen! Bessere Artikel zum Thema Unis gibts auf www.unzensuriert.at!!!

paulchen_p
00
10.7.2009, 11:31
Videostellungnahme VOR der Demo

http://bit.ly/17pJdu

Sternchen100
01
10.7.2009, 10:18
Uni-Reformen nur um Kosten zu sparen, nicht um Qualität zu verbessern

Die Einführung des englischen Bachelors dient dorch nur dazu, eine billige "light"-Ausbildung zu versuchen und viele zum Master nicht mehr zuzulassen und damit Studienkosten zu sparen. Mit dem Bachelor kann man aber nichts machen, der ist beruflich gerade gut genug als Clopapier.

Der neue PhD (Forschungsdoktor) statt des alten, seriösen Doktortitels ist schon fast eine Habilitation, ohne Assistentenstelle an der Uni kannst den vergessen, so wie man den jetzt aufgemotzt hat, und Assistentenstellen gibt es so gut wie gar keine. Auch das dient im Grunde nur dazu, das Weiterstudium zu unterbinden und Kosten zu sparen.

PhD somit nur für finanziell Privilegierte, die selbst zudem auf eigene Kosten herumreisen und publizieren können.

Gerhard Schlacher
00
10.7.2009, 11:12
Gut getroffen...

Schöne Zusammenfassung der scheibchenweisen Beschneidung und Ökonomisierung unserer Universitäten.

Freu mich als Betroffener auch ganz besonders über die Möglichkeit neuer vierjähriger Bachelorstudien im Lehramt. Damit produzieren wir dann wunderbar kostengünstige (sowohl im Studium als auch im späteren Berufsleben) BA-AbsolventInnen für die Sekundarstufe 1. Was darunter leiden wird? Zum einen die Qualität der ohnehin teils bedenklich schlechten LA-Studien und in weiterer Folge die schulische Ausbildung unserer Kinder. Kein gutes Omen.

Naja, zumindest trägt die Reform eine solzialdemokratische Handschrift. Frag mich wirklich wie weit die SPÖ noch sinken kann.

Ich bin Böse
04
10.7.2009, 09:18
Bingo!

Der Senat ist das einzige wirklich demokratisch besetzte Gremium an den Unis.

So schön hat es noch kein Politiker ausgedrück, was er unter Demokratie versteht. Nämlich die unkontrollierte Oligarchie der Bonzen.

byron sully
04
10.7.2009, 00:19
der nächste akt

der zerschlagung des universitätswesens. wenn das so weitergeht, gibt es in 20-30 jahren keine unis mehr, sondern nur noch von großkonzernen organisierte private sklavenbildungsstätten.

Sternchen100
00
10.7.2009, 10:21

Sie müssen das bewährte System auf Biegen und Brechen amerikanisieren, wozu sind wir denn ein Klientelstaat der allmächtigen USA? Auch wenn deren Schul- und Ausbildungssystem schlecht, schlechter, am schlechtesten ist.
Der Staat braucht keine denkenden Bürger, sondern funktionierende und gewinnbringende Maschinen. Vor allem sollen die nicht-elitären Kreise nicht das Denken lernen.

Julius Pokorny
04
10.7.2009, 01:22

Was ja auch Sinn und Zweck der ständigen Interventionen der Industriellenvereinigung im Universitätsbereich ist, denen wir die Misere zu einem ganz großen Teil zu verdanken haben. Bildungsrückbau zugunsten der Produktion möglichst junger, formbarer, unpolitischer ArbeitnehmerInnen mit Jodeldiplom à la BA - das ist es, was diese Leute wollen. Dafür nehmen sie die Vernichtung der über Jahrhunderte gewachsenen europäischen Universitätsstrukturen in Kauf.

chrom
00
10.7.2009, 08:36

Wahre Worte!

Karl Heiden
01
10.7.2009, 00:16

Ob die neue ÖH-Vorsitzende von der GRAS, Sigrid Maurer, mit der Stellungnahme des Grünen-Sprechers, ihres Tiroler Landsmannes Kurt Grünewald, zufrieden sein wird? Wäre interessant, ihre Meinung hierzu zu erfahren.

friedrich wilhelm voigt
06

"trotz protesten beschlossen"? seit wann kümmert sich die regierung darum, was die bevölkerung will und was nicht?

Sternchen100
00
10.7.2009, 10:23

Leider hast du recht, wir leben in einer Diktatur des Geldes. Und die kauft sich die entsprechenden Politiker ein.

hcl
00
10.7.2009, 01:00

Das wird sie eines Tages, wenn das Volk zurückschlägt.

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