Ich nicht

9. Juli 2009, 16:54
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Gerade wollte ich in die Tasten hauen, von wegen erste Kindersitze-Testerfahrungen, da erreichte mich in der Redaktion die Nachricht von zu Hause

Wurm zum ersten Mal eigenständig aus dem Gitterbett geklettert. Runtergefallen. Kopfüber. Schon wieder Riesenbeule, Nasenbluten. Glücklicherweise ist sonst nichts passiert, wenige Minuten später war der kleine Stuntman wieder quietschfidel. Die sofort angesetzte Röntgenuntersuchung im AKH hat auch ergeben, dass alles in Ordnung ist. 

Der Schreck sitzt mir aber noch immer in den Knochen. Freunde und Kollegen trösten mich: "Das gehört dazu." Die Fatalisten unter ihnen sagen: "Das war noch gar nichts." Mag sein. Aber mir fällt es noch immer schwer, über Gefahren für mein Kind zu sprechen. Meine Frau schaltet den Fernseher aus, wenn in einem fiktiven Film ein Baby von Unheil bedroht wird. Als ich mich unlängst mit Mr. Autokindersitz darüber unterhalten hatte, welches Fabrikat nun das geeignetste wäre, fing er immer wieder von "Unfall", "Aufprall", "wie Sandsäcke um den Nacken des Babys" und "getöteten Kindern" an. Mir wurde ganz anders. 

Klar, der Kindersitz ist eine Sicherheitsvorkehrung, die im Falle des Falles einem Baby das Leben retten kann. Doch den Umgang mit solchen Themen, im Bewusstsein um die große Verantwortung für den hilflosen, kleinen Wurm, ist die Challenge. Das ist wohl der schwierigste Part der Elternschaft, denke ich, nach nun dreizehn Monaten Erfahrung. Es soll Leute geben, die sich nach der Bezugfarbe für einen Autokindersitz entscheiden. Ich nicht. (Leo Szemeliker/DER STANDARD/Automobil/10.7.2009)

  • Irgendwann ist der Moment da, an dem die Gitterstäbe nicht mehr hoch genug sind.
    foto: web/derstandard.at

    Irgendwann ist der Moment da, an dem die Gitterstäbe nicht mehr hoch genug sind.

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