Horror Alltag: Kiyoshi Kurosawas "Tokyo Sonata" ist auf DVD erschienen
Der japanische Regisseur Kiyoshi Kurosawa ist vor allem für seine hintergründigen Horrorfilme bekannt, die sich nie so weit ins Genrehafte hineinbewegen, dass sie den Resonanzboden realer Verhältnisse hinter sich lassen. Mit "Tokyo Sonata", 2008 in Cannes auf einer Parallelschiene prämiert und nun in der ehrwürdigen britischen DVD-Reihe Masters of Cinema mit schönen Extras (Making-of, Booklet, Interviews) erschienen, bewegt er sich im Feld des Sozialdramas, doch die kühl-diagnostischen Blicke auf die moderne japanische Leistungsgesellschaft könnten ebenso gut einem seiner unheimlicheren Filme entstammen.
Ryuhei (Teruyuki Kagawa) verliert seinen Posten als leitender Angestellter einer Firma, wagt es aber nicht, seiner Familie von dieser Entwicklung zu erzählen. Um seine Position zumindest im Privaten zu wahren, täuscht er deshalb tagtäglich vor, weiter zur Arbeit zu gehen, verbringt seine Zeit jedoch in Parks und Bibliotheken. Kurosawa entwirft das Bild einer in Umtriebigkeit erstarrten Stadt, in der Effizienzdenken und Konformismus noch im familiären Umfeld seine Spuren hinterlassen. Die Talente der Kinder werden übersehen. Ein jeder lebt sein falsches Leben und träumt im Stillen von einem Neubeginn. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.7.2009)