Aida auf der Baustelle

9. Juli 2009, 19:32
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Kräne spielen eine tragende Rolle knapp vor Probenbeginn bei den Bregenzer Festspielen

Bregenz - "Ob das bis zur Premiere wohl fertig wird?", lautet die häufigste Frage von Festspielkiebitzen. Schaut ja auch aus wie eine Baustelle, das Bühnenbild zu Giuseppe Verdis "Aida". Fragmente, wohin man schaut. "Wie ein realer Ort soll unser Bühnenbild aussehen, ein Ort voller Leben, als hätten die Trümmer seit Jahrtausenden hier im See gelegen", sagt Regisseur Graham Vick.

Zwei Kräne bringen Ordnung in den Trümmerhaufen. Die Maschinen tun ihre Dienste nicht wie üblich beim Auf- und Abbau, sondern sind Teil der Inszenierung. "Der große Kran hat drei oder vier Fahrten pro Abend, der kleine drei", erzählt Roland Bühler sichtlich stolz. "Cappy", wie Bühler von seinen Kollegen gerufen wird, ist seit zehn Jahren Maschinenführer bei den Festspielen und für Aida einer von vier Kranfahrern.

Wie Marionettenspieler bewegen die Männer Bühnenteile in der Luft. "Auf der Baustelle kommt es auf Geschwindigkeit an, bei uns geht es um Präzision", erklärt Bühler den Unterschied zum richtigen Leben. Tonnenschwere Kulissenteile werden zusammengesetzt und wieder geteilt: "Das schwerste Teil ist die Maske, an einem Kran hängen zwölf Tonnen, am anderen sieben." Die Teile des Kopfes zu einem Ganzen zu vereinen, sei Millimeterarbeit. Größer ist für Bühler aber die Herausforderung beim Hieven einer "Wasserleiche", da gehe es schließlich um einen Menschen, "nicht nur um einen Kratzer an einem Kulissenteil".

Die Anspannung wird durch eine privilegierte Perspektive ausgeglichen. "Von oben auf die beleuchtete Bühne zu schauen, ist unglaublich. Wie ein Märchen aus 1001 Nacht." Bühlers Lieblingsszene ist das Schlussbild. Aida und Radames, das tragische Liebespaar schweben gemeinsam in die Ewigkeit. In einem Boot, das dank Kran zum Luftschiff wird. Sehr ergreifend sei das, "ich bin mir sicher, dass da mindestens die Hälfte der Zuschauer weinen wird".

Freuen über das originelle Productplacement darf sich der Hauptsponsor, der deutsche Kranbauer Liebherr.

Premiere des Spiels auf dem See ist am 22. Juli, bis 23. August wird Aida fast täglich gespielt. 81 Prozent der Aida-Karten sind bereits verkauft. (Jutta Berger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.7.2009)

 

  • Bregenzer Aida: Präzisionsarbeit mit Kränen
    foto: bregenzer festspiele

    Bregenzer Aida: Präzisionsarbeit mit Kränen

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