"Frauenfeindliche" U-Bahn-Plakate

9. Juli 2009, 12:53
149 Postings

Kampagne für 24-Stundenbetrieb laut SPÖ mit "schmuddeligem Pin-Up-Sujet": "Sex sells als Konzept kann keine politischen Ideen ersetzen"

Wien - Eine jüngst von der Jungen ÖVP gestartete Aktion für durchgehenden U-Bahnbetrieb am Wochenende zeigt Breitenwirkung. Zwar nicht des eigentlichen Anliegens wegen, sondern wegen der Gestaltung der Plakate, die auf die Initiative via Facebook aufmerksam machen sollen - was gelungen ist.

Zeigte die Facebook-Gruppe der JVP noch am Mittwoch eine junge Frau in Hotpants und einem Schild mit der Aufschrift "24 h Verkehr am Wochenende" statt Oberbekleidung, hat man indes auch das männliche Pendant daneben gestellt - in üblichem Sommergewand und mit Leiberl. Auf einem weiteren Plakat schmachtet eine junge Frau einen jungen Mann mit den Worten an: "Wenn wir unseren Verkehr so planen, kommen wir nie in Fahrt..." an. Die beiden PappkameradInnen sollen bei den kommende Woche startenden Verteilaktionen aufgestellt werden. Vom dritten Sujet wird es 500 Miniplakate und 40.000 Flyer geben.

Er Oben ohne "zu arg"

Der Verweis des JVP-Obmanns Sebastian Kurz, man habe schließlich eine männliche und eine weibliche Pappfigur, scheint die Wogen um Sexismus-Vorwürfe nicht zu glätten. Auch nicht die Begründung, dass der Mann ein Oberteil anhabe, weil das muskulöse Modell in der Oben-Ohne-Variante mit Öl eingerieben "zu arg" gewirkt hatte. 

"Erinnert an schmuddelige Pin-Ups"

So übte Frauenstadträtin Sandra Frauenberger Kritik an der "sexistischen und geschmacklosen U-Bahn-Plakatkampagne": "Die Sujets erinnern an schmuddelige Pin-Ups in Kasernen-Spinden früherer Zeiten. Was hier zum Ausdruck kommt, ist frauenfeindlich und hat auf politischen Plakaten des 21. Jahrhunderts nichts verloren." "Sex sells" als Konzept könne keine politischen Ideen ersetzen, meinte Frauenberger.

Keine Überraschung

Wiens SP-Frauensekretärin Nicole Krotsch beschied, dass die Vorgangsweise die frauenfeindliche Haltung der ÖVP zeige. Die Kampagne beweise, dass diese "die Werte der Gleichberechtigung mit Füßen tritt." SP-Gemeinderätin Nurten Yilmaz unterstrich die Bedeutung der Integrität von Frauen und konstatierte: "Am besten wäre, die ÖVP entsorgt ihre missratene Kampagne." Laura Schoch, frauenpolitische Sprecherin der Sozialistischen Jugend, erklärte, nicht überrascht zu sein, dass die JVP Sexismus reproduziere und lebe. Und auch die Grüne Gemeinderätin Claudia Smolik konstatierte: "Die gestern vorgestellte, besonders plumpe Kampagne zielt nur darauf ab, billige Effekthascherei zu betreiben und ist klar sexistisch." 

"Lächerliche" Kritik

Die Wiener VP-Frauensprecherin Barbara Feldmann sprang Kurz hingegen zur Seite und bezeichnete die Kritik als "lächerlich": "Hier sieht man wieder, wohin die SPÖ ihre Energien lenkt." In den Augen der geschäftsführenden Landesleiterin der Wiener VP-Frauen, Theresa Philippi, habe man offensichtlich einen wunden Punkt der SPÖ getroffen und der Landesgeschäftsführer der JVP-Wien, Silvio Frankl, beschied der SPÖ ein schlechtes Gewissen: "Anders lässt sich ihre künstliche Aufregung nicht erklären."

Fotomädchen

Ein Schmankerl am Rande: Auch die Gratiszeitung "Heute", die unter anderem in der Wiener U-Bahn aufliegt, thematisiert die Plakate und hat Frauenbergers Kritik in der Ausgabe von Donnerstag veröffentlicht - und in der selben Ausgabe sucht man nach Fotomädchen (und nicht nach Burschen), die ihre "besten Bikinifotos" einschicken wollen. 50 Euro gibt's pro Einsendung. (red/APA)

 

 

  • Stein des Anstoßes: Pin-Up-Pose statt sommerlich gekleideter junger Frau.
    foto: jvp facebook

    Stein des Anstoßes: Pin-Up-Pose statt sommerlich gekleideter junger Frau.

Share if you care.