Linzer Bischof verweigerte Hostie: Exkommunizierte "Bischöfin" Mayr-Lumetzberger griff trotzdem zu
Linz - Die Aufregung verstehe sie "überhaupt nicht". Eine "Lappalie" sei das Ganze gewesen, und "es war sicher keine bewusste Provokation", beschwichtigt Christine Mayr-Lumetzberger im Gespräch mit dem Standard. Doch was für die exkommunizierte "Bischöfin" so gar nicht der Rede wert ist, sorgt innerhalb der - ohnehin krisengebeutelten - Diözese Linz für neuerlichen Ärger. Mayr-Lumetzberger erschien vor zwei Wochen zu einem Gottesdienst in ihrer Linzer Heimatpfarrer St. Peter in ihrer Bischofsrobe: Schwarzes Kleid und eine Kette mit einem großen Kreuz um den Hals, was dem Diözesanbischof Ludwig Schwarz missfiel, woraufhin er der Persona non grata der heimischen Kirche die Kommunion verweigerte. Die streitbare "Bischöfin" griff daraufhin kurzerhand selbst in den Kelch und schnappte sich eine Hostie.
Schiffsweihe
Rein kirchenrechtlich hatte Bischof Schwarz aber völlig kor- rekt gehandelt: Mayr-Lumetzberger ließ sich am 29. Juni 2002 auf einem Schiff bei Passau gemeinsam mit sechs anderen Frauen von dem argentinischen Vagantenbischof Romulo Braschi zur Priesterin weihen. Der Vatikan erklärte diese Weihe für ungültig. Da Mayr-Lumetzberger die Nichtigkeit ihrer Weihe nicht anerkannte, wurde sie am 22. August 2002 exkommuniziert, was die Kirchenrebellin 2003 aber nicht von einer geheimen Wahl zur Bischöfin abhielt.
Vonseiten der Diözese wollte man am Donnerstag keine weitere Stellungnahme abgeben. Mayr-Lumetzberger sieht sich im Recht: "Die Kommunion steht mir zu. Die Exkommunikation lehne ich seit sieben Jahren ab. Ich habe nichts getan. Mein einziges Vergehen gegen das Kirchenrecht ist, dass ich eine Frau bin."
In ihrem Zivilberuf ist das ehemalige Mitglied der "Benediktinerinnen des Unbefleckten Herzens Mariä" Lehrerin. Der Ursprung für ihren Einsatz für ein Frauenordinariat dürfte in frühester Kindheit liegen. In ihrer "Berufungsgeschichte" schreibt sie: "Gemeinsam mit meinen Geschwistern spielte ich immer wieder Messe. Geduldig schnitten wir mit einer Nagelschere aus Backoblaten Hostien, die dann in einem Eierbecher aufbewahrt wurden. Mein Bruder wollte immer den Pfarrer spielen. Als Bub reklamierte er die Rolle des Pfarrers für sich ..." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 10.7.2009)