Senkt "Google Chrome OS" die überzogenen Preise für Windows?

9. Juli 2009, 08:34
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Als Einfallstor für die Attacke auf Microsoft wählte Google Netbooks aus

Es ist keine wirkliche Überraschung: Google wird mit einem eigenen Betriebssystem, Chrome OS, Windows Konkurrenz machen. Und das Einfallstor für die Attacke auf den Hauptfeind sind Netbooks, die billigen Mini-Notebooks, wie gemacht für die grassierende Krise.

Lokale Rechenleistung wird sekundär, Internettempo primär

Die Entwicklung zeichnete sich mit unserer Hinwendung zum Web ab. Ein Computer, der nicht ständig online ist, erscheint heute beinahe nutzlos, so sehr sind Arbeits- und Lebensgewohnheiten mit dem Netz verbunden. Lokale Rechenleistung wird sekundär, Internettempo primär: Darauf bauen die leistungsschwächeren Netbooks auf. Auf paradoxe Weise kehren wir zu einem Computing-Modell der 70er-Jahre zurück: Das Netz, die "Wolke" (damals: der Mainframe), ist der Computer, und wir benützen ihn mithilfe eines "Terminals", das in erster Linie für exzellente Verbindung und Darstellung (Display) sorgen muss.

Google trieb dies zuerst mit dem Angebot von Online-Software voran, die über den Webbrowser benutzt wird, statt sie auf dem PC zu installieren. Dann drängte es sich mit "Android" in den Handymarkt, weil Handys zunehmend zu unserem wichtigsten, weil persönlichsten Terminal für "Cloud-Computing" werden. Vor neun Monaten setzte es sich mit dem Browser Chrome auf dem PC-Desktop fest. Und jetzt eben sorgt es noch für ein einfaches, schnelles Betriebssystem, dessen Hauptaufgabe es ist, den PC so rasch als möglich ins Netz zu bringen.

Konkurrenz verbessert Produkte

Was bedeutet das für Konsumenten, für Unternehmen? Erstens gilt tatsächlich, was alle Unternehmen mit zusammengebissenen Zähnen bei solcher Gelegenheit offiziell von sich geben: Konkurrenz verbessert Produkte und senkt den Preis. Insbesondere, da Google Chrome OS vermutlich gratis sein wird, während Windows-Preise bisher aufgrund des Fast-Monopols überzogen sind.

Es kommt eben alles im Leben zurück: Seinerzeit bescherte uns Netscape den ersten brauchbaren Internetbrowser zu einem vergleichsweise akzeptablen Preis - Microsoft drängte ihn durch den Gratis-Explorer aus dem Markt.

Eine weitere Panne wie mit Windows Vista könnte künftig für Microsoft bleibenden Schaden anrichten

Egal, ob sich Google wie bei vielen seiner Produkte (außer bei Suche und damit verbundenen Online-Werbung) nur ein paar Prozente Marktanteil holt oder sich substanziell auf Netbooks verbreiten kann: Microsoft und Apple werden gewaltige Anstrengungen unternehmen, um ihre eigenen Angebote zu verbessern. Eine weitere Panne wie mit Windows Vista könnte künftig für Microsoft bleibenden Schaden anrichten.

Für Unternehmen (vor allem auch für die vielen Organisationen im öffentlichen Bereich, die ihre IT mit weniger Geld betreiben müssen als Konzerne) öffnet es die Möglichkeit, auf billigere, webbasierende Strukturen umzusteigen. Man denke dabei nur an die Ausstattung und Lizenzkosten für eine Million Schülerinnen und Schüler und mehr als 120.000 Lehrerinnen und Lehrer mit PCs.

Aber Googles Schritt wird auch auf viel Skepsis stoßen: Kritiker werden befürchten, dass sich Google damit weiteren Zugang zu persönlichen Daten beschafft, quasi ein Google-Spion auf jedem Computer. Google wird hier viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, um solche Ängste zu entkräften.(Personal Tools, Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 9. Juli 2009)

  • Windows-Preise gelten aufgrund des Fast-Monopols als überzogen - Bild: Microsoft-Boss Steve Ballmer

    Windows-Preise gelten aufgrund des Fast-Monopols als überzogen - Bild: Microsoft-Boss Steve Ballmer

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