Bis September - Obama plant Atom-Gipfel - Wieder leichte Erdbeben in L'Aquila - Mit Video
L'Aquila - Die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen und Russlands (G-8) haben am zweiten Tag ihres Gipfeltreffens ihre Beratungen wieder aufgenommen. Auf der Tagesordnung steht am Donnerstag im italienischen L'Aquila zunächst eine gemeinsame Sitzung der G-8-Staaten mit den bedeutendsten aufstrebenden Schwellenländern der Erde. Zu den sogenannten G-5 gehören Brasilien, Indien, China, Mexiko und Südafrika. Auch dabei wird es vor allem um Klimafragen gehen, aber auch um die Lage der Weltwirtschaft.
Lula witzelte mit Obama
Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat seinem US-Kollegen Barack Obama am Rande des G-8-Gipfels in Italien ein Trikot der brasilianischen Fußball-Nationalmannschaft als Geschenk überreicht. Dabei nutzte er am Donnerstag genüsslich die Gelegenheit, Obama an das Spiel Brasiliens gegen die USA beim Confederations Cup am 28. Juni erinnern: Zwar lag das US-Team zur Halbzeit 2:0 in Führung, am Ende gewannen die Brasilianer aber 3:2.
"Yes we can", sagte Lula da Silva wiederholt und gab mit diesem Wahlkampfslogan Obamas offenbar seine Gedanken während des brasilianischen Rückstands wider. Obama nahm die kleine Stichelei sportlich und erklärte, ihm gefalle das von den Nationalspielern signierte Trikot. "Sehr gut. Ich mag es", sagte Obama.
Ergebnisse des ersten Tages
Zum Abschluss des ersten Tages des G-8-Gipfels in Italien haben sich die Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen und Russlands gegen die Gewalt im Iran nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen gewandt. Mit Blick auf den Atomkonflikt mit dem Iran forderten die Staats-und Regierungschefs Teheran am Mittwoch auf, auf die Angebote zur Beilegung des Streits einzugehen. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy sagte, man habe dem Iran bis Ende September Zeit, eine Lösung im Atomkonflikt zu finden.
Bis zum G-20-Treffen mit den Schwellenländern in Pittsburgh am 24. und 25. September seien Mitglieder der Gruppe bereit, Verhandlungen eine Chance zu geben, sagte Sarkozy am Mittwoch nach Gesprächen mit seinen G-8-Amtskollegen in L'Aquila. "Wenn es bis dahin keine Fortschritte gibt, werden wir Entscheidungen treffen müssen." Mögliche Sanktionen seien nicht in der Gipfelerklärung der G-8-Staaten zu Iran erwähnt worden - "aber der Geist ist da". Weitere Strafmaßnahmen müssten vom UNO-Sicherheitsrat beschlossen werden, unterstrich er.
G8 besorgt wegen Iran
Sarkozy sagte, der laut offiziellen Angaben wiedergewählte iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad werde im August seinen Amtseid ablegen und eine Regierung bilden. Bis September gebe es dann einen Monat Zeit. "Es ist an ihnen, die Entwicklung der Dinge zu bestimmen." Die Regierung in Teheran weigert sich bisher, wie von den UNO gefordert die Urananreicherung auszusetzen. Der Westen wirft dem Iran vor, unter dem Deckmantel eines Programms zur Energiegewinnung heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Der Iran weist dies zurück.
Die Gipfelteilnehmer äußerten sich ernsthaft besorgt über die Lage im Iran nach den von Gewalt begleiteten Massenprotesten nach der Wahl, wie aus einer entsprechenden Erklärung hervorgeht. Insbesondere wird die Verhaftung von Journalisten und ausländischen Bürgern angesprochen. Ausdrücklich wenden sich die G-8-Staaten auch gegen die Leugnung des Holocaust durch Ahmadinejad.
Nordkoreas Atomtest verurteilt
Die acht führenden Industriestaaten haben auch den jüngsten Atomtest Nordkoreas sowie die Raketenversuche verurteilt. Das Verhalten Nordkoreas "stellt eine Gefahr dar für Frieden und Stabilität in der Region und drüber hinaus" dar, hieß es in der Erklärung. Sie forderten die kommunistische Regierung in Pjöngjang auf, sich an die UNO-Resolutionen zu halten und wieder zum Dialog über das Atomprogramm des Landes zurückzukehren.
Obama plant Atom-Gipfel
US-Präsident Barack Obama plant für März kommenden Jahres ein Spitzentreffen zur atomaren Sicherheit. Das Treffen solle in Washington stattfinden, bestätigte der Berater der US-Regierung, Mark Lippert, am Mittwochabend. Es sei ein weiterer wichtiger Schritt in Obamas Politik gegen eine Weiterverbreitung von Atomwaffen. Hintergrund sei, dass Obama die terroristische Bedrohung mit Hilfe von
Atommaterial für die unmittelbarste und dringendste für die
Weltsicherheit halte, sagte Mark Lippert vom Nationalen Sicherheitsrat
der USA bei einer Telefonkonferenz.
Hauptziel des Gipfeltreffens ist es
demnach, Atommaterial zu sichern, das gestohlen werden könnte. Zudem
soll die internationale Zusammenarbeit beim Kampf gegen den Handel mit
diesen gefährlichen Gütern und dem entsprechenden technologischen
Know-How verbessert werden. Der US-Präsident hatte Anfang der Woche bei seinem Besuch in Moskau ein solches Gipfeltreffen angekündigt. Mit seinem russischen Kollegen Dmitri Medwedew hatte er sich auf eine Verringerung der Atomarsenale beider Länder verständigt.
Wieder leichte Erdbeben
Drei leichte Erdbeben in der Stärke zwischen 2,1 und 2,4 haben am Donnerstag die Region des G-8-Gipfels im italienischen L'Aquila erschüttert. Nach Angaben lokaler Medien ereigneten sich die Erdstöße um 1.54, 3.10 and 3.33 Uhr. Berichte, wonach die Staats- und Regierungschefs bei Erdstößen ab einer Stärke von 4,0 per Hubschrauber nach Rom ausgeflogen werden, wurden offiziell nicht bestätigt.
Am 6. April waren bei einem verheerendem Erdbeben in L'Aquila rund 300 Menschen gestorben, mehr als 52.000 wurden obdachlos. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte den Gipfel daraufhin kurzfristig von Sardinien nach L'Aquila verlegt. Er wollte damit angeblich ein Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen am Ort setzen. (APA/AP/Reuters/AFP)