"Mein Freund aus Faro": Doppelte Täuschung

8. Juli 2009, 21:49
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Von Identities ins reguläre Kino: "Mein Freund aus Faro", das Spielfilmdebüt der deutschen Autorin und Regisseurin Nana Neul - Dazu: die weiteren Kinostarts

Mel ist ein burschikoser Typ: Nicht allein die kurzen Haare und die Shirts und Hosen, auch Gesten, Bewegungen, Interaktionsweisen sorgen dafür, dass man selbstverständlich meint, einen aufgeweckten jungen Mann vor sich zu haben. Jenny dagegen sieht aus wie ein Bilderbuchmädchen mit Schmollmund und langen blonden Zöpfen.

Als sie Mel eines Nachts buchstäblich vor die Füße fällt, ist beiderseitig Interesse geweckt. Der Umstand, dass Jenny es offenbar mit einem Portugiesen und nicht mit einem Deutschen zu tun hat, macht die neue Bekanntschaft für sie gleich noch reizvoller.

Aber Mel (Anjorka Strechel) steht nicht für Miguel, sondern für Melanie. Und die falsche portugiesische Identität ist nicht das einzige Täuschungsmanöver, das Mel initiiert. Gegenüber ihrer Familie hat sie gerade erst einen Arbeitskollegen aus Faro als ihren Freund ausgegeben. Und bald verwickelt sich Mel mehr und mehr in ihren Erfindungen und deren Konsequenzen.

Mein Freund aus Faro, kürzlich bereits bei Identities in Wien zu sehen, bekommt nun einen regulären Kinostart. Das Spielfilmdebüt der deutschen Autorin und Regisseurin Nana Neul kreist ähnlich wie etwa Lucía Puenzos XXY um die Schwierigkeiten, die gesellschaftliche Normen für jene produzieren, die ohnehin schon ausreichend damit beschäftigt wären, für sich selbst herauszufinden, wer sie sein können und wollen.

Wo XXY einnehmend fragmentarisch blieb, wird Neuls Film mit der doppelten Verstellung allerdings erzählerisch eher überfrachtet, der ganze Strang um den echten Portugiesen nicht wirklich nachvollziehbar. Das Spiel der Hauptakteure und manche Szene entschädigen aber doch für einiges. (irr / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.7.2009)

 

Mode, Mord und wilde Mädchen
Die weiteren Kinostarts der Woche
 
Der berühmteste Fake-Österreicher, Moderator und Fashion-Victim Brüno, ist nun auch im abendfüllenden Format zu bewundern: Der britische Komiker Sacha Baron Cohen vollführt einen Parcours der tolldreisten Peinlichkeiten, der ihn nach Amerika und in den Nahen Osten führt (siehe die Themenseite).

Der französische Altmeister Claude Chabrol dreht unermüdlich Film um Film - in Kommissar Bellamy, einem als Krimi getarnten Gesellschaftsstück, hat er erstmals mit Gérard Depardieu zusammengearbeitet.

Regisseurin Sylvie Verheyde hat in Stella ihre eigenen Kindheitserinnerungen zu einem so lyrischen wie gesellschaftspolitisch relevanten Film aufbereitet - mit dabei, in einer seiner letzten Rollen, Guillaume Depardieu - siehe dazu die Filmbesprechung. (kam)

 

 

  • Mädchen, Junge, Mädchen? Komplikationen der ersten Liebe.
 
    foto: dv8-film

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