"Brüno" und Wien-Tourismus

"Es gibt sicher schädlichere Dinge"

8. Juli 2009, 20:40
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    foto: standard / corn

    Der gebürtige Tiroler Norbert Kettner (42) ist seit 2007 Direktor des Wiener Tourismusverbandes.

     

     

Wiens Tourismus-Direktor Norbert Kettner hat kein Problem mit "Brüno" - Der Film werde dem Image der Bundeshauptstadt nicht schaden

Diese sei in der Gay Community ohnehin überaus beliebt, sagte er zu Petra Stuiber.

Standard: Glauben Sie, dass "Brüno" Auswirkungen auf Österreichs Tourismus haben wird?

Kettner: Nein. Wien und Österreich sind ja nur ein Side-Aspekt. In "Brüno" geht es um Homophobie, Homophilie und alle Arten von Klischees und Vorurteilen gegenüber Homosexuellen.

Standard: Wenn sich aber Alfons Haider in britischen Medien als "Vorbild für Brüno" outet, bringt er Österreich ja damit sehr wohl ins Gespräch.

Kettner: Aus Sicht der Tourismuswirtschaft hat er jedoch perfekt geantwortet, indem er klar gesagt hat, dass dieses Bild, das Brüno zeichnet, nichts mit dem wahren Österreich und dem wahren Wien zu tun hat. Wenn sich aufgrund des Medien-Hypes um diesen Film und seine Klischees mehr Menschen für uns als Urlaubsdestination interessieren, soll es mir recht sein.

Standard: Aber es kann Ihnen doch nicht recht sein, dass Wiens Image zwischen Sisi-Kitsch, Schwulen-Klischees, Kellerverlies-Witzen und Nazi-Land mäandert?

Kettner: Alle Klischees stimmen und stimmen nicht. Das Gesamtbild einer Stadt ist in den seltensten Fällen von den eigenen Anschauungen geprägt, sondern meist von medialen Bildern. Die Zuspitzung von Botschaften bringt immer Klischees mit sich.

Standard: Was halten Sie persönlich vom Film?

Kettner: Ich habe ihn noch nicht gesehen, er ist bestimmt etwas zum "Fremdschämen", wenn man sieht, wie die Leute reihenweise auf Cohen als Brüno reinfallen. Und schon aus diesem Grund will ich nicht Teil einer kalkulierten Erregung sein. Wenn ich mir anschaue, wie empört Kasachstan auf Borat reagiert hat - damit wurden genau jene Klischees bestätigt, die im Film behauptet wurden. So naiv muss man einmal sein, dass man in diese Provinzialismusfalle tappt.

Standard: Sie könnten ja den Medien-Hype nutzen, um die Stadt als Tourismus-Mekka für Homosexuelle zu präsentieren.

Kettner: Genau das würde nicht klappen. Wir sind Wien, nicht Mykonos. Wien ist bei der homosexuellen Zielgruppe, die der Wien Tourismus seit 1997 umwirbt, wegen anderer Dinge sehr beliebt. Zu uns kommen schwule und lesbische Paare mit sehr hohem Einkommen, die sich vor allem für Kultur interessieren und im Schnitt um dreißig Prozent mehr ausgeben als die meisten anderen Besucher. Wien ist die Stadt Sigmund Freuds, eine Stadt der Brüche, das macht uns so interessant. Nicht das Mekka der Party-Generation.

Standard: Aber die größte Party Wiens, der Life Ball, hat wohl auch seinen Appeal für diese Klientel?

Kettner: Durchaus. Das hat einiges befördert. Man darf nicht vergessen: Wien ist nach London die zweitbeliebteste Städte-Destination in der deutschen Gay Community.

Standard: Also ist ein Film wie "Brüno" dem Image weniger abträglich als etwa fremdenfeindliche Wahlslogans?

Kettner: Es steht mir nicht zu, hier zu politisieren. Aber es gibt sicherlich hunderte Dinge, die schädlicher sind als der Film, den ich mir übrigens ganz sicher anschauen werde. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.7.2009)

 

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15 Postings
Philippe
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Ich muss sagen, Herr Kettner hat mich schwer beeindruckt. Der Wiener Tourismusverband scheint mit ihm einen Glücksgriff getan zu haben.

Bon Scott
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das ist wieder typisch ...

das wegen sowas eine diskussion losbricht. kann man das nicht einfach mit humor nehmen oder haben tatsächlich leute angst das diese version von österreich war sein könnte?

Walter KURTZ
 
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Wieso Wien, Bruno ist doch Kärntner?

Antel10
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Das BZÖ...

arbeitet eh schon an der Aberkennung von Brünos Staatsbürgerschaft. Nur der Petzner muss parteiintern noch umgestimmt werden...

unterschichtskind auf dem weg nach oben
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na, weil für die Qualitätsmedien (standard&presse+ den kleinen Elitef~~~ im 7ten bzw. 13ten Bezirk) Österreich nach der Wiener Stadtgrenze aufhört und alles darüber hinausgehende nur im negativen Kontext (=provinziell&primitiv) zur Abgrenzung relevant bzw. interessant ist.

Prof. Dr. Abdul Nachtigaller
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oder wie das oft formuliert wird, wien und die bundesländer.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
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ich kenn zwar die Brüno-Legende nicht,

würde es aber für sehr plausibel halten, wenn er sich nicht getraut hätte, sich im heimatlihn Klognfuat zu outen und dafür die relative Anonymität der Großstadt bevorzugt hätte.

Ne Si
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dieses bild hat sehr

wohl mit östererich zu tun hr. haider.vielleicht nicht zusammen, obwohl dem anderen haider auch der starke hang zu jungen burschen nachgesagt wurde,aber in zwei personen aufgeteilt leider sehr wohl.

dritter mann
 
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Ich denke,

man sollte nach diesem Interview Norbert Kettner noch öfter befragen. War bisher offensichtlich viel zu bescheiden im Hintergrund und hat nach meinem Dafürhalten das Potenzial der zwar stillen, aber nicht zu unterschätzenden Stimme der Vernunft plus eines sehr feinen Witzes. Molto simpatico!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
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... un dpolitisches Geschick auch noch.

aber wahrscheinlich genau DESwegen ist er kein Politiker.

:->

MarkusG.
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Wenn der Mann den Film noch nicht gesehen hat, warum gibt er vor, zu wissen, dass es im Film nicht um Österreich, sondern "um Homophobie, Homophilie und alle Arten von Klischees und Vorurteilen gegenüber Homosexuellen" geht?

Dr. Lari and Mr. Fari
 
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Es gab in den letzten Wochen einen riesigen Wust

na gutem und weniger gutem Infomaterial in x-beliebigen Medien.

Ar Mutschgerl
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Ali G. Show?

Brüno gibt es nicht erst seit dem Film.

lydia brunch
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@markusg

vielleicht liest er zeitungen?

mutmaßt
la brunch

MarkusG.
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Schön, dass er Zeitungen liest. Nur: Bis zuletzt gab es eine Veröffentlichungssperre zu dem Film. Selbst die Leute, die den Film gesehen haben, durften nichts darüber schreiben. Wenn jemand nun ausdrücklich sagt: "Film X handelt davon, aber sicher nicht davon.", und dann hat er ihn noch gar nicht gesehen, zweifle ich einfach an der Glaubwürdigkeit der Person.

Ich will damit nichts gegen den Film selbst sagen und wie andere Leute in den Foren aus verletztem Nationalstolz herummäkeln, von mir aus kann sich der Herr Cohen über Österreich so viel lustig machen, wie er will. Wenn es ein Land verdient hat, dann unseres.

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