Sacha Baron Cohen im Porträt

Aufklärung in Tarnkleidung

8. Juli 2009, 20:23
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    foto: reuters/nicholson


    Der britische Komiker Sacha Baron Cohen, einmal privat.

     

     

"Brüno" ist die jüngste Kunstfigur des britischen Satirikers. Von Beginn an zielte sein anarchischer Humor darauf, Scheinmoral und gut versteckte Ressentiments zu offenbaren

Warum es gerade Österreich ist, das der britische Komiker Sacha Baron Cohen als Hintergrund für seinen flamboyanten Modeguru Brüno gewählt hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Als professionellen Satiriker, der mit seinen Figuren immer wieder kulturelle Besonderheiten grotesk übersteigert, dürften ihn die spielerischen Qualitäten eines deutsch-englischen Kauderwelschs besonders gereizt haben. Die Möglichkeit, politische inkorrekte Späße über verheerende Seiten der österreichischen Vergangenheit zu treiben, hat Cohen, der schon als kasachischer Reporter Borat mit antisemitischen Klischees offensiv verfahren ist, sicher noch zusätzlich motiviert.

Cohen, 1971 in London geboren, entstammt einer jüdisch-orthodoxen Familie - seine Mutter kommt ursprünglich aus dem Iran - und studierte in Cambridge Geschichte (Dissertationsthema: die jüdische Mitwirkung an der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung). Wer angesichts dieses Bildungswegs meint, Cohen habe sich von seinen Anfängen entfernt, irrt: Denn von Ali G an, seiner ersten Verkörperung, mit der er 1998 im Fernsehen debütierte und die 2000 zur eigenen Show erweitert wurde (Da Ali G Show), hat seine Komik - bei aller Dreistigkeit - auch eine aufklärerische Note.

Ali G ist ein britischer Proletarier, der die Kennzeichen minoritärer Jugendbewegungen ins Extrem treibt: Eigentlich handelt es sich dabei um die Codes der Chav-Kultur sowie jener pakistanischer Immigranten und des Gangsta-Raps. Schon bei dieser ersten Rolle hagelte es Proteste, Cohen, hieß es, bemühe rassistische Klischees. Doch die Kunstfiguren des Komikers kreisen nie um sich selbst, sondern werden erst in der Konfrontation mit anderen wirksam. Die Verkleidung erlaubt es Cohen, in Interviews mit Personen des öffentlichen Lebens scheinbar unverrückbare Überzeugungen infrage zu stellen und damit Doppelmoral und Interessenspolitik zu entlarven.

2002 wagte Cohen mit dem Film Ali G Indahouse erstmals auch den Sprung ins Kino. Der große Erfolg kam allerdings erst mit der anarchischen Doku-Comedy Borat, in welcher der aufrichtig rassistische TV-Journalist in die USA reist und dort mit seinen reaktionären Ansichten auf überraschend großes Verständnis trifft. Der Film spielte 260 Millionen Dollar ein, seitdem ist Cohen auch eine starke Marke im Filmgeschäft: Brüno wurde wochenlang mit hohem Marketingaufwand promotet.

Interviews als Sacha Baron Cohen sind rar: "Ich bin ein Privatmensch", sagt der Brite, der zurückgezogen mit der australischen Schauspielerin Isla Fisher und Tochter Olive lebt. "Meine Figuren können ruhig berühmt sein, aber ich versuche, ein normales Leben zu führen." Mit Brüno scheint nun aber auch ein Weg zu enden: Die Figuren der Ali G Show sind alle erschöpft - und mit ihrem Ruhm fällt es in Zukunft wohl auch Cohen immer schwerer, Menschen hinters Licht zu führen. (kam / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.7.2009)

 

Kommentar posten
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Jacob Löwenstein
10
29.7.2009, 15:58
Heavyweather
00
11.8.2009, 23:22

jaja...jeder Hollywood Film ist phöse Propagandi...
Und alles nur um die Jugend zu versauen.

das Internet ist aber eine noch größere Verschwendung wenn dann solche Seiten entstehen.

mathias poeschko
00
13.7.2009, 19:17
warum österreichisch?

weil man uns gut verarschen kann! weil wir ein selbstbild haben, das uns immer wieder auf den kopf fällt!

eva lindt
 
00
30.7.2009, 13:45
geh bitte

viele juden mögen österreich eben nicht besonders. es KANN auch ganz einfach sein.

peter schmidt
 
01
10.7.2009, 22:17
also obwohl er als komiker nicht an monty phyton usw. rankommt

hat er doch ein gefühl dafür eine figur bis ins detail auszugestalten.

und ich muss agen ich treffe mittlerweile jeden tag ali gs (vor allem hernalser hauptsstraße, 17. und 16. bezirk) borats (10.bezirk usw) und auch brunos (wienzeile 6. 5. bezirk) zuhauf. er zeichnet die figuren doch irgendwie liebevoll nach.

Samantha Mulder
00
10.7.2009, 14:37
Österreich

"Warum es gerade Österreich ist, das der britische Komiker Sacha Baron Cohen als Hintergrund für seinen flamboyanten Modeguru Brüno gewählt hat, darüber lässt sich nur spekulieren."

Weil der Film für den amerikanischen Markt gemacht wurde, und Österreicher sind für Amerikaner der Prototyp des schwul-dekadendten Europäers.

bunter wimpel
00
22.7.2009, 20:37

wie wo was? denken sie an arnold schwarzenegger?

Doc_Renbert
01
11.7.2009, 12:07
Österreicher sind für die meisten Amis...

....der Ahnolt (von dem es die meisten nicht mal wissen) und die Trapp Familie......aber sicher nicht der Prototyp für den dekadenten Schwulen - wie kommst Du da drauf ?

christoph hofbaur
610
warum gerade oesterreich?

weil die absolute unfaehigkeit verantwortung fuer seine geschichte zu uebernehmen, kombiniert mit dem komplex bis vor hundert jahren ein grossreich gewesen zu sein, das heutzutage zur vollkommenen geopolitischen irrelevanz zerfallen ist, natuerlich ganz interessante soziologische abartigkeiten bewirkt, die cohen gezielt parodiert.

BerndDasBrot
 
01

gut gesagt, aber ich glaub nicht dass dass dem cohen so bewusst ist.

Anarchon
00
11.7.2009, 20:31
Das denke ich schon ...

... immerhin ist er "Historiker". Zumindest hat er sich dabei mehr gedacht als bei Kasachstan; nehme ich an. ;-)

ma baker
01

du meine güte, jetzt haben sie aber auch jede plattitüde strapaziert.

Silvio Santos
47
Warum gerade Österreich?

Vielleicht finden es manche Menschen ausserhalb von Österreich nicht so ganz alltäglich wie wir, daß ~ 50% der Bevölkerung in einem Bundesland gewisse Parteien wählten?

Nitram1988
00
Ich warte auf einen neuen Charakter für die Ali G Show.

gelegentlich heiter
11

Ich liebe ihn!

Sanguinius
05
Der Typ ist ein Oscar Wilde im Geiste. Gefällt mir sehr gut. Weiter machen.

msm
32
Der Vergleich hinkt gewaltig

Oscar Wilde, nicht seine sexuelle Veranlagung, glänzte durch Witz und Humor, Cohen will hingegen durch Konfrontation um jeden Preis auffallen. Wäre er selbst schwul, ergäbe sich ein Sinn für seine Untergriffe, so aber erkennt man eher eine geistige Selbstbefriedigung, rauh gesagt, die Onanie eines kranken Hirns der Regie, die dahinter steckt

Sanguinius
00

Zugegeben, er ist brachial in der Art seines Humors, da fand ich bei Oscar Wilde mehr zum Lachen, aber genau wie er entlarvt Cohen, nur halt auf seine Art, eine verlogene Gesellschaft.

msm
00
Genauer lesen

Ich schrieb ...eines kranken Gehirns der Regie
Wilde verfasste und zitierte selbst, ohne Einflüsterung, ohne Ghostwriter

Sanguinius
00

Seins ma net bös, aber die Figur stammt von Cohen. Ich glaub viel von dem was er da im Film von sich gibt, wird schon auch von ihm stammen. Und krank..naja.. find ich nicht. In 50 Jahren stößt sich an sowas niemand mehr, da wir ja imemr mehr abstumpfen udn DIESE art von Humor oder was auch immer, das einzgie ist womit man noch provozieren kann. Erschreckend finde ich nur wie viel wahres er damit ans Licht bringt (Rassismus, Homophobie etc...)

msm
00
10.7.2009, 01:09
Warum sollte ich Ihnen bös sein?

Ihre Vermutung, dieses Larifari stammt von Cohen, nun der Glaube bleibe Ihnen erhalten. Ohne Zweifel ist viel Wahres dahinter, das bestreite ich auch nicht. Nur mit Wilde verglichen, stammt ja nicht von mir, gibt es gravierende Unterschiede. Wilde sprach, handelte und argumentierte Selbst, hielt sich an kein vorgegebenes Manusskript. So abgestumpft sind wir doch nicht, dies nicht zu erkennen?

Doc_Renbert
00
11.7.2009, 12:12
wilde lebte aber auch .....

vor über hundert Jahren...heute hätte er andere Mittel genutzt.

sonst: lesen sich sich gerne? man merkt es...... :-)

msm
20
11.7.2009, 22:51
Nun, das ist sogar mir bekannt

Ich schrieb ja auch: Der Vergleich mit Wilde hinkt gewaltig
Sie lesen wohl nicht sehr genau, erinnert mich an Irgendwen

Doc_Renbert
00
12.7.2009, 18:14
warum vergleichen Sie dann dauernd ?

Ich lese schon genau - nur schlafe ich nach ca. 10% ihrer Inhalte immer fröhlich ein.
Weil Ihr Versuch überlegenen Wortwitz im Sinne Ihres "Helden" zu verbreiten leider kläglich scheitert.

Hinkt der Vergleich mit Cohen schon, bedarf es in Ihrem Fall bereits einen Rollstuhl mit eckigen Rädern um ihn weiterzubewegen.


Zumindest hier.

msm
00
13.7.2009, 05:52
Das merkt man

Und erklärt auch, warum Sie nicht genau lesen.
Da dürften selbst Versuche in Mäeutik nicht weiter helfen.

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