"Aus unserer Sicht ist das kein Vandalismus"

28. Juli 2009 18:23
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    Foto: kampolerta

    Guerilla Gardener machen sich die Finger schmutzig, um die Stadt schöner zu machen

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    Ihre Waffen sind Gummistiefel, Saatbomben und Schaufeln

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    Die Gruppe Kampolerta hat zum Beispiel Rollrasen auf Autodächern ausgebreitet,...

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    ...leerstehende U-Bahn-Aschenbecher begrünt...

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    ...oder Blumentröge in Gemeindebauten wiederbelebt

Guerilla Gardener setzen auf Saatbomben und Moosgraffiti - So wie die Gruppe Kampolerta aus Wien, der Feind sind grauer Beton und vermüllte Straßen

Wenn die Mitglieder von Kampolerta ihre Bomben werfen, gibt es im besten Fall bunte Blütenexplosionen. Denn die Waffen der 24 Botanik-Partisanen sind Samen, Erde und Schaufel. "Stadt und Natur müssen sich nicht ausschließen", sagt Sergio, ein Kampolerta-Mitglied. Das Kollektiv aus LandschaftsarchitektInnen will neue Sichtweisen auf den öffentlichen Raum ermöglichen und betätigt sich daher unter anderen als Guerilla Gardener. Seit Anfang der 70er-Jahre sind "wilde Gärtner" in Großstädten unterwegs und bekämpfen das triste Grau aus Beton, Müll und Parkplätzen mit der Kraft der Natur. Die Aktionen sind nicht immer legal, denn eigentlich darf nur wer eine Genehmigung der Stadt hat, auf öffentlichen Plätzen etwas anpflanzen. Mittlerweile organisieren sich die Gruppen mit Hilfe des Internets.

Die Blume im Gemeindebau

"Aus unserer Sicht ist das kein Vandalismus", sagt Michael, Gründer der Gruppe, während des monatlichen Jour fixe in einer begrünten Baulücke im 17. Wiener Gemeindebezirk, bei dem neue Pläne für kommende Aktionen geschmiedet werden. Eine Verschönerungsakation haben die LandschaftsarchitektInnen zum Beispiel im Schöpfwerk durchgeführt. Unter dem Motto "Mauerblümchen" haben sie ehrenamtlich die vernachlässigten Betonbeete neu bepflanzt. "Wir wollten die BewohnerInnen dazu animieren, selbst die Initiative zu ergreifen und den Raum vor ihrer Haustür zu nutzen", sagt Lena. Die Initiative ist von den Schöpfwerk-AnrainerInnen gut aufgenommen worden, die Gemüsepflanzen wurden weiter gehegt, gepflegt und geerntet.

Neben Häusern sind die Mitglieder von Kampolerta auch auf Straßen und in den Öffentlichen Verkehrsmitteln aktiv. Im Zuge des Projekts "Phönix" habe sie die nun ungenutzten Aschenbecher in der Wiener U-Bahn mit Blumen bepflanzt. Ein andermal haben sie Rasen auf Autodächern ausgerollt. Dadurch wollten sie thematisieren, dass immer mehr Fläche für Parkplätze genutzt wird, und es immer weniger Grünfläche gibt. "Der Unterschied zu Community Gardening, also der Pflege eines gemeinsamen Gartens ist, dass Guerilla Gardening unterschwelliger ist und wir meistens nicht um Erlaubnis fragen", sagt Michael.

"Alle wollten Bomben haben"

In Berlin ist zum Beispiel gerade "Moos-Graffiti" unter den grünen Guerillas beliebt. Dazu wird eine handvoll Moos in den Mixer geben, zwei Tassen Buttermilch oder Joghurt, ein halber Teelöffel Zucker und Wasser beigemischt. Mit der Flüssigkeit können Nachrichten auf Gebäude geschrieben werden. "Kampf dem tristen Beton ja, aber nicht auf Kosten der Bausubstanz", sagt Lena. Die Kampolertas wollen verschönern, nicht zerstören. Im Prinzip ist Renate aber von der Idee begeistert: "Da kann man zu einer Art grünem Christo werden. Verhüllen mit Moos."

Im Gegensatz zu vielen anderen Guerilla Gardening-Gruppen gehen Kampolerta jedoch selten heimlich vor. Die PassantInnen sollen miteingebunden werden. Daher wurden im Juni im fünften Wiener Gemeindebezirk sogenannte "Seed Bombs" auf der Straße gebastelt und musiziert. Seed Bombs bestehen aus Lehmerde, Kompost und Samen. Die Masse wird mit Wasser angerührt, geformt und getrocknet. Wenn Regen dazu kommt, sprießen die Samen. "Das schaut ein bisschen wie Weihnachtskekse aus", sagt Lena. Die BewohnerInnen des fünften Bezirks waren neugierig, meint Lena: "Es herrschte reger Andrang, alle wollten Bomben haben."

Sein Viertel selbst gestalten

Zentraler Organisationspunkt der Guerilla Gardener weltweit ist das Internet. Die meist besuchte Seite ist GuerillaGardening.org und wird vom 32-jährigen Londoner Richard Reynolds betrieben. Er ist seit fünf Jahren als Guerilla tätig und hat mit "Guerilla Gardening. Ein botanisches Manifest" die Standardlektüre zum Thema vorgelegt. Darin beschreibt er die Geschichte der Bewegung und gibt Tipps, wie man das eigene Viertel am besten selbst umgräbt. Man müsse keinen eigenen Garten besitzen, wenn man gärtnern will, meint Reynolds. "Ich warte nicht auf eine Genehmigung. Ich grabe überall, wo ich gärtnerisches Potential sehe", bringt er es auf den Punkt. Ein Guerilla Gardener bemühe sich deshalb nicht um die Erlaubnis des Landbesitzers, da er/sie niemandem schadet. "Wozu also eine Erlaubnis einfordern, die womöglich nicht erteilt wird", argumentiert Reynolds.

Ein Blick auf die Homepage zeigt: Im Kampf gegen die Verwahrlosung und Tristesse ihrer Viertel kennen die GärtnerInnen keine Grenzen ihrer Kreativität. Da blühen Sonnenblumen auf Verkehrsinseln, brache Flächen werden mit Blumenzwiebeln "vermint" oder es wachsen Zucchinis auf Baustellen. Die Motive fürs wilde Gärtnern sind unterschiedlich. Einigen geht es um politische Aussagen, sie pflanzen zum Beispiel Disteln auf Golfplätze, Brennnesseln in Parks von Wirtschaftsunternehmen mit schlechtem Ruf oder stören Gentechnik-Freilandversuche durch heimliches Zwischensäen von natürlichen Pflanzen. Anderen geht es um die Verschönerung ihres Stadtteils, Meinungsfreiheit oder Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Nachbarschaft zu stärken.

Gegen den Hunger

Die erste dokumentierte Geschichte eines Guerilla Gärtners stammt aus dem England des 17. Jahrhunderts und hat sozialpolitische Hintergründe. Der verarmte Stoffhändler Gerrard Winstanley ging mit zivilem Ungehorsam gegen den Hunger vor und forderte zum illegalen Bepflanzen von brachliegender Fläche auf. Das Prinzip ist auch heute noch gültig: Wer sein eigenes Obst und Gemüse anbaut ist unabhängig von Lebensmittelpreisen und kann selbst bestimmen, wie gesund er oder sie sich ernährt. Bevorzugt werden hier aber die Plätze, die von den Autoabgasen entfernt liegen. In den westlichen Städten geht es weniger um Überlebensstrategie, sondern um "eine symbolische Geste, um den Beweis, dass ein Leben unabhängig von landwirtschaftlichen Konzernen möglich ist", schreibt Reynolds.

Der Guerilla Gardener hat zwei Feinde: Mangel und Verwahrlosung", schreibt Reynolds. Die AktivistInnen wollen vor allem auch verantwortungsvoller mit der Erde umgehen - Gartenarbeit sei ein Schritt in die richtige Richtung. Die Mitglieder von Kampolerta bleiben dabei realistisch. Die Baulücke, in der sie ihre Sommertreffen abhalten, wird 2010 wieder geschlossen. "Das ist so in einer Stadt, Wohnungen werden gebraucht. Aber es ist gut, wenn solche Flächen zumindest temporär begrünt und genutzt werden können", sagt Lena. (Julia Schilly, derStandard.at, Juli 2009)

Weitere Informationen

Kampolerta
GuerillaGardening.org
GrüneWelle.org

Salon Blümchen

Der kleine Garten in der Hernalser Hauptstraße 63 ist ein gutes Beispiel für die Verteilung von öffentlichem Raum: Unter dem Namen "Salon Blümchen" wird der Garten von der Stadt Wien als temporäre Freifläche bis Anfang 2010 zur Verfügung gestellt.

Salon Blümchen in Hernals

 

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Posting 1 bis 25 von 263
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EmG3
30.07.2009 13:49
Also

wenn der auf mein Auto steigen würde und da Rasen drauflegen würde, dann kommt der nicht mehr weit... Höchstens eingerollt in den Rasen irgendeinen hügel runter.

Sonst sind die Aktionen eigentlich super.

rechtscheipfehler
30.07.2009 14:53

aus unserer sicht wäre das keine nötigung und körperverletzung sondern fachgerechte ballastentsorgung.

bob langer
29.07.2009 18:27
prinzipiell

ist das was ich mache kein vandalismus

wenn es die anderen so sehen, ihr problem

wie einfach die welt sein könnte.....

wemo
 
29.07.2009 17:00
Ja, schön,

ich hatte das Glück in einem manchmal recht 'verwahrlosten' kleinen Garten aufzuwachsen; da merkt man, was alles so von selber wächst.
Aber gegen ein bisschen Nachhelfen ist gerade in der Großstadt gar nichts einzuwenden; so lange es keine Thujen und Essigbäume sind. Wenn die Anrainer das Gemüse gar weiter pflegen und ernten, umso besser.

DasLebenIstSchwerUndDannStirbtMan
29.07.2009 20:21

ja, thujen sind eindeutig anti-pflanzen.

und tagetes.... die find ich unglaublich hässlich.

schön ist ein bisschen wildwuchs, mit ringelblumen, löwenmäulchen, kräutern etc.

alles nur kein "unkrautfreier" rasen mit thujenhecken

skidoo23
30.07.2009 11:13
Tagetes

mag man mögen oder nicht, sie sind jedoch eminent wichtig im biologisch-organischen Gartenbau, weil sie Gemüsepflanzen vor Nematoden schützen.

DasLebenIstSchwerUndDannStirbtMan
30.07.2009 19:42

genauso wie ringelblumen... die mir persönlich auch viel sympathischer sind.
ich pflanz von denen zb. immer ein paar zu den tomaten ins kisterl.

skidoo23
31.07.2009 12:51
Ich glaube

dass es nicht die Pflanzen an und für sich sind, die man ablehnt, sondern eher was man damit assoziiert. Da gehören halt Tagetes dazu, weil man denkt sofort an Biederkeit und Spitzendeckchen oder schnurgerade Beetumrandungen und bei Thujen an die Grün-Kaputt-Baumarktgärten. Aber früher als sie in Parks oder Friedhöfen einzeln als Lebensbäume gepflanzt wurden hat sich niemand daran gestossen. Ich pers. hatte große Vorurteile gegen Tulpen, aber mittlerweile pflanz ich sie selber, sowohl Wildtulpen als auch Züchtungen und ich hab Gefallen daran gefunden.
P.S. Ringelblumen sind super, wenn man sie im Garten einmal hat säen sie sich immer von selber aus und man kann auch Tinktur und Salbe damit herstellen.

wemo
 
08.08.2009 09:12
Mhm, die Thujen

nerven ja hauptsächlich in der bekannten Darbietungsform dieser schrecklichen 'lebenden Zäune' wo vor lauter präzisem Schnitt wirklich nichts mehr lebt. Vor ein paar Jahren sind einiger dieser armen 'Kreaturen' serienweise abgestorben; Selbstmord wg Unglück?

DasLebenIstSchwerUndDannStirbtMan
31.07.2009 15:43

mir ists als kind mit den narzissen so gegangen wie dir mit den tulpen... in den 70er jahren hatten eigentlich alle nur die großblütigen narzissen- oft mit weißgelben blüten. die hatten so einen touch von plastikblumen.
ich find die kleinblütigen sorten viel schöner.

mit den tagetes hast du recht- ich verbind die mit schrebergärten und gartenzwergen- oder geschmacklosen mehrfärbigen blumenornamenten auf staubigen verkehrsinseln oder in parks. im gemüsebeet wird die wirkung vermutlich eine andere sein.

na als'dann
29.07.2009 16:14
...mit einem wort: lieb

frl.marty
29.07.2009 15:24

Rollrasen trocknet sofort aus und wird braun.
sieht maximal einen halben Tag lang lustig aus, dann wird's traurig.

Süffisant
29.07.2009 18:40

wie machen es die platzwarte bloss, dass die fussballfelder nicht braun werden (die fussballfelder sind naemlich auch immer aus rollrasen)....... hmmmmmmmmm........

frl.marty
02.08.2009 23:48

sie gießen ihn?!

TheVox
30.07.2009 13:17

Lackspray

a grünes stricherl
 
29.07.2009 16:56
muttu giessen!

die_eidechse
29.07.2009 14:08
kinder sind kinder, sind kinder,...

skidoo23
29.07.2009 16:59
Nimm dein Küberl,

rühr ein bissl Beton an, geh was zubetonieren und alles ist wieder gut.

Mirabeau
29.07.2009 16:54

Alte Zyniker sind alte Zyniker.

esgrüntsogrün
29.07.2009 13:35
Er näht das Ozonloch zu ...

...
pflanzt nen neuen Regenwald im Nuuh
stopft die Hungersnöte mit der Tofukanone
erklärt die ganze Welt zur Antiwalfangzone

Selbst die Neutronenbombe hat versagt
Hier ist als Lösung wirklich nur noch eins gefragt

Das was mir dazu einfällt
für die Rettung dieser Welt
Friedenspanzer

antichris
 
29.07.2009 14:57
*mitsing*

Lord Lurch
29.07.2009 13:07
Wie bei Graffiti

Wenns gut gemacht ist, ist es Kunst und Kultur. Wenns schlecht gemacht ist es Vandalismus und Sachbeschädigung. Aber leider sind 99% halt nicht gut.

ChesneyB
29.07.2009 15:22

Hängt auch davon ab, wo.

Meine Wenigkeit mit viel Senf
29.07.2009 13:03
Bester Guerilla-Gardenismus:

Nichts tun. Wir haben eh ein super Klima (noch), Bäume wachsen auf Brachflächen schneller als man schauen kann. Am Anfang sind's zwar meist Götterbäume, die nicht heimisch sind, aber inzwischen sind sowieso 50 % der Pflanzen Ausländer. (Auch die beliebte Kastanie übrigens.)

Die letzten drei Jahre herrscht offenbar auch ein gutes Klima für die Gemeine Waldrebe (eine Lianenart), die gerade alles zuwuchert, vom Zaun bis zum Hollunderbusch.

Also: einfach warten. Die Natur macht schon...

FFluXXuSS
29.07.2009 14:24
Bezogen auf Ragweed passt das nicht!

~25% der Allergien in den Staaten sind von Ragweed indiziert. Hierzulande fasst das Kraut auch durch die Erwärmung Fuß.
Also Ragweed bitte nicht pflanzen, außer man ist Menschenfeind.

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