Wie gestalten wir das Morgen?

16. Juli 2009, 11:54
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100 katholische Frauen aus ganz Österreich und Südtirol erörtern Zukunftsstrategien zum verantwortlichen Leben

Unter dem Motto "Verantwortlich leben – Heute gestalten wir das Morgen" wird sich die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfb) im Arbeitsjahr 2009/10 mit Zukunftsstrategien beschäftigen. Als Auftakt dazu setzen sich die Mitglieder der diözesanen Leitungsteams der kfb bei ihrer traditionsreichen Sommerstudientagung mit diesem Thema auseinander.

Rund 100 Frauen aus ganz Österreich und Südtirol erörtern noch bis 17. Juli in Wien bei Vorträgen, Diskussionen und in Workshops vielfältige Aspekte der Zukunftsgestaltung. Bibelworkshops werden in den Tagen ebenso angeboten wie gemeinsames Bio-Faires Essen und Vorträge.

Bei der Podiumsdiskussion "Wie gestalten wir das Morgen?" am Mittwoch rieten die Fachfrauen auf dem Podium zur Bewusstseinsbildung, zur Stärkung des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten, forderten Ermutigung zu Eigeninitiativen und zu Visionen genauso wie die Entwicklung einer Kultur des Widerstands oder die Bereitschaft zum solidarischen Handeln.

Die niederösterreichische Bäuerin Maria Vogt, Mitarbeiterin von Via Campesina , einer internationalen Vereinigung von landlosen LandarbeiterInnen und KleinbäuerInnen, plädierte für eine Stärkung der Eigenmacht. "Jede Frau sollte davon überzeugt sein, dass sie aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen durchaus auch eine Expertin ist, die Utopien für ihr Leben entwickeln kann." Wenn viele gemeinsam kleine Schritte setzen, dann kann etwas bewegt werden, ist Vogt überzeugt. Wichtig sei es, WeggefährtInnen, BündnispartnerInnen zu finden, solidarisch zu sein, die Handlungen in den Alltag zu integrieren und immer wieder zu evaluieren.

Entscheidend sei auch eine gut überlegte Wahlentscheidung, um die Politik zu beeinflussen. "Initiieren sie in jeder Frau den Glauben, dass sie selbst Veränderung bewirken kann, wenn sie verantwortlich lebt", empfahl Monika Kalcsics der Katholischen Frauenbewegung. Die Gestalterin von Hörfunksendungen im ORF – 2005 mit dem Herta Pammer Preis der kfbö für frauenspezifische, entwicklungspolitische Berichterstattung ausgezeichnet - ist davon überzeugt, dass jeder Mensch bei sich selbst mit notwendigen Veränderungen beginnen muss. Diese kleinen Schritte einzelner Personen können Größeres auslösen und das oft herrschende Ohnmachtsgefühl verdrängen.

Die Moderatorin der Diskussion, "Welt der Frau"-Chefredakteurin Christine Haiden erinnerte an den Ausspruch einer Gärtnerin: Alles wächst von Unten.

Weibliche Rollenstereotype überwinden

Für Elisabeth Freytag, Leiterin der Abteilung für EU, Nachhaltigkeit und Umwelt im Lebensministerium und Gendermainstreambeauftragte des Ministeriums, sind jedoch für das eigene bewusste Handeln politische Rahmenbedingungen, wie z.B. die Gestaltung des öffentlichen Verkehrs, unerlässlich. Sie sieht in der Überwindung von Rollenstereotypen eine große Herausforderung für die Katholische Frauenbewegung, denn Frauen würden – oft auch als Folge von der Erziehung - falsche Ausbildungswege einschlagen und sich noch immer für schlecht bezahlte Jobs entscheiden. Auch darin seien die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen begründet.

Neue Arbeitsbewertung

Für die Vorsitzende des Österreichischen Gewerkschaftsbundes im Burgenland, Sylvia Gartner, ist allerdings auch die Bewertung der Arbeit ein Grund für Einkommensunterschiede. Denn heute würde körperliche Arbeit höher bewertet als soziales Engagement. Für sie ist der Einsatz für Verteilungsgerechtigkeit genauso eine wichtige Zukunftsstrategie wie der Kampf um soziale Absicherung, z.B. durch ein Grundeinkommen. Gartner forderte einen Umdenkprozess in der Wirtschaft und Arbeitswelt. Nicht länger sollte alles der Wirtschaft untergeordnet werden, vielmehr müsse der Mensch im Mittelpunkt stehen. (red)

Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs
13. – 17.Juli 2009
Kolping Wien-Zentral, 1060 Wien, Gumpendorfer Straße 39

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Katholische Frauenbewegung Österreichs

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    foto: einladung kfboe
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