Training für "Bürgerreporter"

8. Juli 2009, 10:37
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Die seit langem propagierte Theorie der "Gegenöffentlichkeit" ist online Realität. Über Qualität lässt sich streiten, aber Training für "Citizen Journalists" wird zunehmend wichtig.

Viele professionelle Journalisten würden sich wohl um Teilnahmeplätze für ein Training mit Bob Woodward, einem der beiden legendären Watergate-Reporter, bewerben - nur hält der Bestsellerautor keine Seminare ab. Den "Citizen Journalists" genannten Amateurkollegen wird hingegen diese Chance jetzt online geboten, in einem Trainingsvideo von Youtube für Bürgerreporter.

Tipps berühmter Journalisten

In dem Ausmaß, wie aus Medienkonsumenten Medienmacher werden, wachsen auch Schulungsangebote, um Qualität und Verlässlichkeit der Berichte zu heben. Das "Reporters' Center" von Youtube ist nur eine der jüngsten Initiativen in diesem Feld. 34 Trainingsvideos geben Tipps berühmter Kollegen wie von Woodward oder CBS-Anchor Katie Couric, andere bringen handwerkliches Training.

iReporter

Von kommerziellen Medien bis zu Universitäten oder Non-Profit-Organisationen gibt es inzwischen ein reichhaltiges Trainingsangebot, allerdings vorwiegend auf Englisch. Die BBC beendete eben ein einjähriges Pilotprojekt Your Story, bei dem BBC-Journalisten mit Amateuren zusammenarbeiteten. "Jede Geschichte, die wir sonst nicht gehabt hätten, ist für uns ein Erfolg", sagt BBC-Projektleiterin Nina Robinson. Auf CNN erhalten "iReporter" knappe Anleitungen zu "story telling" und richtigem Einsatz von Foto, Video und Audio. 353.561 iReports sind weltweit auf CNN-Websites erschienen, 883 schafften es in das reguläre TV-Programm. Knight Citizen Network, ein "Selbsthilfeportal für Bürger und traditionelle Journalisten" bietet ein reichhaltiges Menü an Material zum Selbststudium.

In Afrika unterstützt die EU die seit Herbst 2008 laufende dreijährige Initiative Citizen Journalism in Africa, die Teilnehmer dazu ausbildet, für Organisationen der Zivilgesellschaft sachlich fundiert berichten zu können.

Konzept der Gegenöffentlichkeit

Zwar in Onlineform eine junge Entwicklung, habe Citizen Journalism lange Tradition, sagt Rudi Renger, Professor der Abteilung für Journalistik an der Uni Salzburg. "In der autonomen und alternativen Medienarbeit der 70er- und 80er-Jahre war das Konzept der Gegenöffentlichkeit zentral", sagt Renger zum Standard. "Engagierte Privatpersonen gründeten Zeitungen, Zeitschriften, Piratenradios und Videogruppen, um Themen zu behandeln, die von großen Medien totgeschwiegen wurden. In Weblogs lebt das alles wieder auf", sagt Renger.

Eines dieser - relativ kurzlebigen - Alternativmagazine wäre heuer 20 Jahre alt geworden, das vom früheren Profil-Herausgeber Peter Michael Lingens gegründete MyWay, für das junge Leute zum Mitschreiben aufgefordert wurden. Der ORF-Sender Ö3 bedient sich seit 15 Jahren Bürgerreporter, wenn auch in einem eingeschränkten Feld: 16.000 registrierte "Ö3ver" versorgen die Verkehrsredaktion mit Infos, streng nach journalistischen Kriterien: "Wo, in welche Richtung, was, warum". (Helmut Spudich/ DER STANDARD Printausgabe, 8. Juli 2009)

  • Tipps von Reporter-Legende Bob Woodward und vieles mehr: "Citizen Journalists" lernen Handwerk online von einer Vielzahl von Anbietern von Youtube bis zu Non-Profit-Organisationen wie dem Knight Citizen News Network.
    foto: youtube

    Tipps von Reporter-Legende Bob Woodward und vieles mehr: "Citizen Journalists" lernen Handwerk online von einer Vielzahl von Anbietern von Youtube bis zu Non-Profit-Organisationen wie dem Knight Citizen News Network.

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