Standard-Interview

"Alternative zum Computer und zur Disco"

7. Juli 2009, 18:47

Karl Hanzl zeichnet für das Schwechater Jugendsportkonzept verantwortlich. Er will im Kindergarten auch die Eltern erziehen, will den Schulunterricht ergänzen, will Vorbilder liefern

Standard: Immer mehr Klubs übersiedeln aus Wien zur Sport-Vereinigung Schwechat, zuletzt folgten die Post-Basketballerinnen den Volleyballerinnen. Was hat Schwechat, was Wien nicht hat?

Hanzl: Wien konzentriert sich stark auf Fußball und Eishockey. Abgesehen davon, hängt im Wiener Sport viel von einzelnen Personen ab, von im positiven Sinn Besessenen wie Peter Kleinmann. Sie sind Glücksfälle, aber auch sie können ihren Sport in Wien kaum zu einer Institution machen. Schwechat bietet langfristige Perspektiven.

Standard: Heißt was?

Hanzl: Der Spitzensport liefert die Vorbilder. Aber der zweite, wichtigere Bereich ist der Breitensport. Schwechat ist seit fünfzehn Jahren die einzige Stadt Österreichs mit einer zusätzlichen Turnstunde für alle Volksschüler. Die SVS kooperiert auch mit den Kindergärten, den Haupt- und Mittelschulen. Vorbilder sind wichtig, damit die Kinder Lust auf Sport bekommen, aber gute Sportlehrer sind genauso wichtig, damit die Kinder die Lust am Sport behalten.

Standard: Das klingt nach ziemlich hohen Kosten.

Hanzl: Die Kosten sind relativ, nämlich relativ niedrig. Die zusätzliche Sportstunde für alle Schwechater Volksschulkinder kostet 150.000 Euro im Jahr, diese Investition rechnet sich auf jeden Fall.

Standard: Und was kann diese eine Stunde bringen?

Hanzl: Wir haben in einer großen Untersuchung nachgewiesen, dass sich der Sport positiv auf die Lungenfunktion der Kinder und Jugendlichen auswirkt. Wir gehen davon aus und wollen bald auch belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen mehr Sport und weniger Alkoholismus, weniger Nikotinsucht, weniger Fettleibigkeit gibt. Kinder und Jugendliche bekommen mit dem Sport in der Freizeit eine Alternative zum Computer und zur Disco.

Standard: Wenn das alles wirklich so einfach funktioniert - wieso kopiert das niemand?

Hanzl: Das Konzept ist kein Geheimnis. Aber die Städte, die uns das nachmachen wollten, haben es nicht durchgehalten. Sie sehen den mittel- bis langfristigen Nutzen nicht. Dabei legen wir einen Grundstein für Generationen.

Standard: Wie kommen Sie darauf?

Hanzl: In den Kindergärten erziehen wir nicht nur Kinder, sondern auch Eltern. Wenn die sich null bewegen und reinstopfen, was Gott verboten hat, geben sie das denkbar schlechteste Vorbild ab. Aber wir haben die Eltern dazu gebracht, dass sie ihre Kinder regelmäßig am Nachmittag beim Sport abliefern. So wird Sport als Teil des Tagesablaufs und als völlig selbstverständlich begriffen.

Standard: Wie gehen Sie mit völlig unsportlichen Eltern um?

Hanzl: Wir haben alle Kinder beim Sport fotografiert, für jedes Kind ein schönes Heftchen produziert. 98 Prozent der Eltern sind gekommen, um das Heftchen abzuholen. Wir haben ihnen erklärt, wo das Kind seine Stärken, wo es Nachholbedarf hat und wie der Sportverein helfen kann. So blieben uns fast sechzig Prozent der Kinder erhalten, sie betreiben mit unserer Hilfe auch in ihrer Freizeit Sport.

Standard: Und die Lehrer haben nicht rebelliert, als sich der Sportverein eingemischt hat?

Hanzl: Früher ging's in der Volksschule um Lesen, Schreiben, Rechnen. Wir haben den Lehrern nicht dreingeredet, haben immer wieder Vorschläge gemacht. Die Lehrer haben uns als Ergänzung, nicht als Störung kennengelernt. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE, 8.7. 2009)

Zur Person
Der Wiener Karl Hanzl (56) ist seit 16 Jahren in der Stadtgemeinde Schwechat für Jugendsport zuständig. Er war Volleyballer, ist Vizepräsident des Volleyballverbands und SVS-Obmann.

joseba beloki
00
"wien konzentriert sich aufs eishockey"

das kann nur als bitterböser witz gemeint sein.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.