Bigfoots "ökologische Nische" definiert

8. Juli 2009, 16:57
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    "Wir verstecken uns aus gutem Grund": Der Fund eines toten Bigfoot in Georgia vor einem Jahr - bald darauf als Schwindel entlarvt - zog Interessierte aller Art an.

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    Die vermeintliche Mundpartie des 2008 "gefundenen" toten Bigfoot - tatsächlich war es ein erfundener. Die Verantwortlichen des Schwindels zeigten sich später geständig.

Eine Fake-Studie soll Wissenschaftern als Mahnung dienen, Daten vor der Verarbeitung sorgfältig zu überprüfen

Zur Unterstreichung seines Arguments alle Mittel einzusetzen, die man zur Verfügung hat, ist klug. Mittel einzusetzen, die man nicht zur Verfügung hat, ist gewagt. Doch Mittel, die es gar nicht gibt ... das grenzt schon ans Geniale. Zu einem solchen Mittel ist nun Bigfoot, der Wappenhominide der Kryptozoologen, geworden (wobei der Korrektheit halber angefügt werden muss, dass es die auch als Sasquatch bekannte Spezies mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nicht gibt - eine hundertprozentig ausschließende Aussage kann rein formal nicht getroffen werden). Auf jeden Fall hatten US-Biologen keinen Bigfoot zur Hand, als sie mittels Berechnungen des Bigfoot-"Vorkommens" in Nordamerika auf die Fehleranfälligkeit einer in der Ökologie gerne genutzten Methode hinwiesen: des Ecological Niche Modelling (ENM).

ENM ist eine relativ neue Methode in der Ökologie, die sich seit einigen Jahren jedoch wachsender Beliebtheit erfreut. Sie dient der quantitativen Erhebung des Vorkommens einer Spezies - und der Erstellung von Prognosen, die Forscher unter anderem zu Themenkreisen wie Bioinvasionen, Klimaveränderungen oder auch der Planung von Schutzgebieten dienen. Kurz gesagt werden dabei Daten über regionales Auftreten einer bestimmten Spezies (vor allem durch Sichtung) mit solchen über die Beschaffenheit dieser Region kombiniert, um das Profil der "ökologischen Nische" zu definieren.

Von der Nische in die Breite

Das Konzept der ökologischen Nische wird bald 100 Jahre alt sein, hat sich seit den Anfängen aber von einem eher simplen Verständnis zu einem komplexen Abstraktum weiterentwickelt, zu dessen Beschreibung nicht weniger als ein n-dimensionaler Hyperraum bemüht werden muss. Es ist nicht einfach die "Funktion" eines Lebewesens in seinem Lebensraum (und schon gar nicht bezeichnet der Begriff einen konkreten Ort), sondern ein vielschichtiges Wechselspiel an Bedürfnissen dieses Lebewesens, der Rahmenbedingungen, die ihm zur Verfügung gestellt werden, und der Größe des Toleranzbereichs, in dem es existieren kann. Jeder Faktor - zum Beispiel die chemische Zusammensetzung des Bodens, die Meereshöhe, das Vorkommen von Raub- oder Beutetieren - macht eine Dimension aus. Alle zusammen definieren die ökologische Nische ...

... welche dafür aber relativ ortsungebunden ist, und das ist die eigentliche Leistung von ENM: So kann zum Beispiel von einem wissenschaftlich erschlossenen Gebiet auf ein noch unerforschtes extrapoliert werden (z.B. in Regenwaldgebieten). Es kann prognostiziert werden, wie stark sich die Veränderung einer Dimension auf eine bestimmte Spezies auswirkt - beispielsweise die nur noch auf wenigen Inseln vorkommenden Brückenechsen (Sphenodon), die von einer klimawandelbedingten Erhöhung der Durchschnittstemperatur existenziell gefährdet wären. Oder wie gut sich ein vorhandener "Nischenraum" dafür eignet, von einer neu eingewanderten Art erobert zu werden - wichtig für Vorsorgemaßnahmen gegen Bioinvasoren. Oder ganz simpel: Es lässt sich bestimmen, wo es am sinnvollsten ist, für bestimmte Spezies Schutzgebiete einzurichten, wenn sie anderswo verdrängt werden.

Von Bigfoot ...

Die n Dimensionen der ökologischen Nische, dazu die rastermäßig durchführbare geografische Analyse ganzer Regionen mittels Satelliten- und anderer Hochtechnologie und die wachsende Zahl an Biodiversitäts-Datenbanken machen ENM zu einem wahren Fest der Datenverarbeitung. Mit unbestreitbar praktischen Ergebnissen - aber auch einer eingebauten Gefahr, und die liegt ganz am Anfang der Kette bei den Ausgangsdaten, also den Sichtungen. Um auf diese Anfälligkeit hinzuweisen, erarbeitete Jeff Lozier von der University of Illinois in Urbana-Champaign ein ENM, das - seien wir so kühn und nehmen an, dass es Bigfoot nicht gibt - von einem falschen Datensatz ausgeht: Bigfoot-Sichtungen.

Das Ergebnis war eine in sich völlig schlüssige Übersicht über potenzielle Bigfoot-Habitate in Kalifornien, Washington und Oregon; formal durch nichts von zahlreichen ernsthaften Studien, die ENM verwenden, zu unterscheiden. Eine der Schlussfolgerungen aus Loziers Fake-Studie lautet übrigens, dass der Bigfoot aufgrund des Klimawandels gezwungen sein wird, seine bisherigen Habitate in den bewaldeten Küstenregionen des amerikanischen Nordwestens zu verlassen und sich dafür in den Rocky Mountains auszubreiten.

Doch muss man in der Regel nicht bis zum Sasquatch oder den Großkatzen, die angeblich Großbritannien in wachsender Zahl besiedeln, gehen. Das Problem heißt falsche oder unvollständige Taxonomie: Spuren oder Sichtungen einer Spezies werden einer anderen zugeschrieben, werden in Datenbanken, die teilweise öffentlich zugänglich sind, gespeichert und unkritisch übernommen; userfreundliche Software erlaubt so manchem, der sich nicht ausreichend mit den Grundlagen befasst hat, ein ENM zu erstellen.

... zu Bearfoot

Die Botschaft, die Lozier & Co daraus ableiten, ist ebenso alt wie ungebrochen gültig: Wissenschafter, überprüft die Daten, von denen ihr ausgeht, ehe ihr sie verarbeitet und daraus Schlussfolgerungen ableitet. Aber auch ein zweites Ergebnis lieferte die Studie: Die Biologen führten nicht nur ein ENM von Bigfoot aus, sondern auch eines des Schwarzbären (Ursus americanus) - und stellten fest, dass diese praktisch deckungsgleich waren. Ihre Folgerung daraus: Sieht man von Hoaxes wie dem beim Bild links unten beschriebenen ab, dürften die meisten "Bigfoot-Sichtungen" wohl auf Begegnungen mit Schwarzbären zurückzuführen sein. (red)

LCMSMS2
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Feig, macht's das mit Marienerscheinungen ...

theEdge
 
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ENM = Heißluftgenerator

er t
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Endlich

braucht man nur mehr einen PC um feststellen zu könnnen ob es ein Tier irgendwo gibt. Frei nach Wilhelm Busch: Es kann nicht sein was nicht sein darf.

Weh Ess Deh
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Palmström,...

...etwas schon an Jahren...
:p

thepike
 
01
Bitte korrekt zitieren

Der Spruch stammt von Morgenstern, nicht von Busch!

Is eh alles wurscht!
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"Fake-Studie"

ROFL

i.m. ernst
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"Sieht man von Hoaxes wie dem beim Bild links unten beschriebenen ab, dürften die meisten "Bigfoot-Sichtungen" wohl auf Begegnungen mit Schwarzbären zurückzuführen sein."

... oder umgekehrt.

Frohsinns dicke Katze
 
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alle schwarzbaeren sind in wahrheit sasquatchs? bloed, dass es zuhauf bilder von dem als "baer" titulierten sasquatch gibt :)

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