Ronaldo und die Real-Wirtschaft

7. Juli 2009, 18:21
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Real Madrid pumpt Rekord­sum­men in neue Stars. Dahinter dreht sich ein Motor aus Marketing-, Sponsoring- und Selbst­ver­wirklichungs-Motiven

Madrid - Das Schöne und Gute hat seinen Preis. Wie der spanische Rohschinken aus der Feinkostabteilung die abgepackte Konkurrenz aus dem Kühlregal alt aussehen lässt, so muss sich Montagabend auch der eine oder andere Fußballer ranzig vorgekommen sein. Cristiano Ronaldo, teuerster Fußballer der Welt, wurde vor 80.000 Fans zur Schau gestellt. Sein Marktwert von 94 Millionen Euro entspricht etwas mehr als 20 Martin Stranzls, immerhin mit 4,5 Millionen Euro Ablöse teuerster österreichischer Fußballer. Was die beiden Spieler unterscheidet, lässt sich nicht auf Übersteiger, Frei- und Kopfstöße reduzieren. Cristiano Ronaldos Wert liegt im Marketing und Sponsoring-Konzept der Madrilenen begründet.

Die Marke Ronaldo

5.000 Ronaldo-Dressen in 16 Stunden. Das Trikot mit der Nummer Neun, um 80 Euro zu haben, ist der neue Renner in Madrid. Real und Ausrüster Adidas hoffen, dass Ronaldo an die Zahlen des Engländers David Beckham herankommt, der in seiner ersten Saison beim spanischen Rekordmeister mehr als 300.000 Trikots verkaufte und allein damit schon für Millioneneinnahmen sorgte. "Der Gedanke hinter dem Transfer ist, durch neue Sponsoren und Merchandising-Artikel das investierte Geld wieder zurück zu bekommen", sagt Marketing-Experte Reinhard Grohs von der Universität Wien, "und wie schon der Transfer David Beckhams 2003 gezeigt hat, können auch neue Märkte wie zum Beispiel Asien erschlossen werden." Was Sport-Sponsoring anderen Werbeformen voraus hat, ist die Möglichkeit Konsumenten in einem Moment emotionaler Begeisterung anzusprechen. Es wird eine Sache unterstützt, die den Menschen wichtig ist, dadurch kann sich das Image eines Unternehmens ändern. Die in den Fußball gepumpten Gelder, fließen aber nicht immer nur aus Sponsoring-Überlegungen. "Viele dieser Investitionen sind Einzelleistungen finanzstarker Personen, für welche die Selbstverwirklichung eine wichtige Rolle spielt. Dieser Drang nach Steuerung auf lokalem Niveau ist oft ökonomisch nicht ganz nachvollziehbar", so Grohs.

Real entmündigt Barcelona

Ein Vorhaben ist Real-Präsident Florentino Perez bereits geglückt. Niemand spricht von Barcelona. Der Meister, Cup- und Champions League-Sieger ist derzeit nur die Randnotiz der Madrider Schlagzeilen. 215 Millionen Euro für die vier neuen Spieler Ronaldo, Kakà, Benzema, Albiol und Trainer Manuel Pellegrini. Real hat noch nicht genug. Das Objekt der Begierde spielt in Deutschland und kommt aus Frankreich.

Zinedine Zidane hat einen Plan. Der französische Weltmeister lebt auch nach seiner Zeit bei den „Galàcticos" in Madrid und dient Perez als Berater und PR-Rammbock. Zum Ohr des Real-Präsidenten hat er es nicht weit. Dort ist der Name seines Landsmanns Frank Ribery bereits gesickert. Nur der FC Bayern ziert sich noch, fordert 100 Millionen Euro Ablöse und trotzt einem 64-Millionen-Euro-Angebot, die beiden niederländischen Nationalspieler Wesley Sneijder und Arjen Robben als Draufgabe. Eine Forderung, der Real auch aufgrund der Transferhierarchie (Ronaldo 94, Kaka 63 Millionen Euro) wohl nicht nachkommen wird. Bis zum Trainingslager ab 16. Juli will der deutsche Rekordmeister Klarheit schaffen. Ribery hat bereits ein Bekenntnis abgelegt. In einem Interview mit der französischen Sportzeitung L'Equipe beteuerte er: "Ich will weg. Es wird Real oder nichts." Schalten die Bayern auf stur, tut Ribery es ihnen gleich. Eine Blase am Fuß zwang den Franzosen beim Training in München aus den Schuhen, zur Behandlung würde sich Madrid anbieten. (Simon Hirt, derStandard.at, 7.7.2009)

  • Ronaldo und Präsident Pèrez - Zwei Darsteller teilen sich eine Bühne.
    foto: epa

    Ronaldo und Präsident Pèrez - Zwei Darsteller teilen sich eine Bühne.

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    Cristiano Ronaldo soll Reals Schönheit wieder Sichtbar machen.

  • Dr. Reinhard Grohs unterrichtet an der Universität Wien und Salzburg sowie den Fachhochschule in Eisenstadt und Salzburg. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind Sponsoring, Eventmarketing und Quantitative Marktforschung.
    foto: daniel hoppe

    Dr. Reinhard Grohs unterrichtet an der Universität Wien und Salzburg sowie den Fachhochschule in Eisenstadt und Salzburg. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind Sponsoring, Eventmarketing und Quantitative Marktforschung.

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