Crossover, massentauglich bis exotisch

7. Juli 2009, 16:55
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Qashqai+2 und Murano: Nissan kategorisiert beide als Crossover. Ersterer passt perfekt in die Zeit, Letzterer trotz aller Qualitäten eher weniger.

Vom Erfolg des Nissan-SUV mit dem unmöglichen Namen war Nissan Österreich selbst wohl am meisten überrascht. Man hört, sie könnten noch mehr verkaufen, wenn sie mehr geliefert bekämen. Der Qashqai gehört aber trotzdem zu den Topsellern im Geländewagen-Segment hierzulande. Ein zweiter Platz – hinter dem Nona-Ersten VW Tiguan – und ein Marktanteil in der Klasse von knapp acht Prozent laut Neuzulassungsdatenbank Eurotax-Idat ringt doch Respekt ab.

Zuletzt schob Nissan nun die "Plus zwei"-Version des Qashqai nach, und der zweite Namensteil sagt eigentlich schon alles: Im Kofferraum sind zwei zusätzliche Sitzplätze versteckt. Diese machen den Soft-SUV aus zwei Gründen zu einem Familienauto: Erstens können auf dem Weg zu Sportplatz/Theateraufführung/Sommerfest die zwei Nachbarsgschrappen auch mitgenommen werden. Menschen über 1,60 Größe passen nicht auf die Hinterbänke.

foto: werk
Der Nissan Qashqai+2.

Zweitens ist der Qashqai+2 insgesamt ein größeres Auto als die Basisversion, und zwar um stattliche 21 Zentimeter. Damit war im Kofferraum Platz für das Reiseklappbett des Kindes sowie das Kinderwagengestell. Und zwar hintereinander. Die Rücksitzbank ist in Längsrichtung verschiebbar – was eigentlich bei Autos dieser Klasse heutzutage Usus sein sollte.

Sonst punktet Nissan mit Gadgets: Ein Radio mit Bluetooth-Schnittstelle (das ist der Energiefresser-Modus im Handy) ist serienmäßig, ebenso eine Rückfahrkamera. Braucht man alles nicht wirklich, aber wenn man es hat: nett.

Relativ familienfreundlich auch der Verbrauch des Renault-dCi-Motors mit zwei Litern Hubraum und 150 PS, den der Testwagen verbaut hatte. Damit verhungert man mit Vollbesetzung nicht auf der rechten Spur, er säuft einen aber auch nicht arm. Der Testverbrauch pendelte sich auf knapp acht Liter pro hundert Kilometer ein. Es gäbe aber auch noch einen insgesamt günstigeren 1,5-Liter-Turbodiesel mit jedoch nur 105 PS im Angebot.

foto: werk
Der Nissan Murano.

Knapp vor dem eher nüchtern gehaltenen Qashqai stand der Nissan Murano für einige Tage zum Testen an. Steigt man in diesen Groß-SUV ein, wirkt es wie eine Zeitmaschine. Das Design des neuen Frankojapaners mit dem italienischen Glasinsel-Namen stammt aus Kalifornien. Dementsprechend steht er da: Üppig sind die Lederwäsche wie auch die Motorleistung. In Wagen wie diesen ist von allem irgendwie zu viel da, aber das fühlt sich, wenn man die Sache ganz egoistisch betrachtet, äußerst angenehm an. Der Wagen ist eine wahre Reisekutsche, weniger auf Geländegängigkeit denn auf Komfort ausgelegt (beide getesteten Modelle, Qashqai wie Murano, laufen bei Nissan unter dem Etikett "Crossover", nicht "4x4"). Im Innenraum hört man kaum Motoren oder Reifenabrollgeräusche. Die Ruhe wird auch nicht durch Nickbewegungen beim Schalten gestört, denn das automatisierte Getriebe schaltet stufenlos.

In Mitteleuropa wird der teure Murano von seinem Exotendasein jedoch nicht loskommen, solange die einzige Motorisierung ein 256 PS starker V6-Ottomotor ist. So ein Gerät kauft man sich vielleicht als Liebhaber, und wird es auf dem Gebrauchtwagenmarkt nie wieder los. Ein Dieselmotor wurde für heuer noch angekündigt. (Leo Szemeliker/DER STANDARD/Automobil/3.7.2009)

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Nissan

  • Nissan Qashqai: benannt nach einem Nomadenstamm, überraschend beliebt in Österreich, jetzt extragroß.
    foto: andy urban

    Nissan Qashqai: benannt nach einem Nomadenstamm, überraschend beliebt in Österreich, jetzt extragroß.

  • Zweite Meinung:
+2. Das Kürzel sagt eh schon alles: Dies ist der Mehrwert-Qashqai. 21 cm länger als das Basismodell - und dennoch noch 31 cm kürzer als der (allerdings sehr viel noblere) Murano. Zwei zusätzliche Sitze, für alle Fälle, bei Nichtbedarf plan versenkt. Verlängerter Radstand, weil Länge läuft. 1,4 Meter langes Panoramaglasdach, um nochmal die genetische Herkunft zu untermauern - die Qashqai sind schließlich ein Turkvolk im Iran, lebt nomadisch, hat also meist freien Blick gen Himmel. Automatik und 2,0-Liter-Diesel (von Renault) werken tüchtig, erreichen aber bei weitem nicht die Souveränität, die im Murano herrscht. Eh klar: ganz andere Zielgruppe. (stock)
    grafik: der standard

    Zweite Meinung:

    +2. Das Kürzel sagt eh schon alles: Dies ist der Mehrwert-Qashqai. 21 cm länger als das Basismodell - und dennoch noch 31 cm kürzer als der (allerdings sehr viel noblere) Murano. Zwei zusätzliche Sitze, für alle Fälle, bei Nichtbedarf plan versenkt. Verlängerter Radstand, weil Länge läuft. 1,4 Meter langes Panoramaglasdach, um nochmal die genetische Herkunft zu untermauern - die Qashqai sind schließlich ein Turkvolk im Iran, lebt nomadisch, hat also meist freien Blick gen Himmel. Automatik und 2,0-Liter-Diesel (von Renault) werken tüchtig, erreichen aber bei weitem nicht die Souveränität, die im Murano herrscht. Eh klar: ganz andere Zielgruppe. (stock)

  • Nissan Murano: benannt nach einer Insel vor Venedig, wenig überraschend ein Exote in Österreich, auch in der neuen Version.
    foto: stockinger

    Nissan Murano: benannt nach einer Insel vor Venedig, wenig überraschend ein Exote in Österreich, auch in der neuen Version.

  • Zweite Meinung:
Von der Innen(bundeshaupt)stadt zur Wiener Badewanne - nein, nicht Neusiedler See, sondern Adria: Die Langstrecke ist im Murano echte Genussfahrt. In diesem Nissan geht es ähnlich nobel zu wie in Lexus RX, VW Touareg, Mercedes M-Klasse und Co; üppig Platz, auch fürs Kurzurlaubsgepäck; das komfortable Fahrwerk verweigert standhaft dramatische Seitenneigung; und der V6-Benziner ist nicht nur spurtfreudig, sondern hat uns mit zwölf Litern auf 100/km auch beim Verbrauch ziemlich positiv überrascht. Andererseits hat's der Murano bei aller Souveränität schwer gegen den Zeit(un)geist: Großer SUV, Benziner, Macho-Front - alles pfui heutzutage ... (stock)
 
    grafik: der standard

    Zweite Meinung:

    Von der Innen(bundeshaupt)stadt zur Wiener Badewanne - nein, nicht Neusiedler See, sondern Adria: Die Langstrecke ist im Murano echte Genussfahrt. In diesem Nissan geht es ähnlich nobel zu wie in Lexus RX, VW Touareg, Mercedes M-Klasse und Co; üppig Platz, auch fürs Kurzurlaubsgepäck; das komfortable Fahrwerk verweigert standhaft dramatische Seitenneigung; und der V6-Benziner ist nicht nur spurtfreudig, sondern hat uns mit zwölf Litern auf 100/km auch beim Verbrauch ziemlich positiv überrascht. Andererseits hat's der Murano bei aller Souveränität schwer gegen den Zeit(un)geist: Großer SUV, Benziner, Macho-Front - alles pfui heutzutage ... (stock)

     

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