Das "Let it be" aus den Bergen

7. Juli 2009, 11:07
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Laiendarsteller auf der famosen Steilhangbühne von Ursula N. Müller in Bromberg

Wilhelmine von Hillerns Heimatroman Die Geierwally hat sich seit seinem Erscheinen 1875 als robustes Emanzipationsstück gehalten. Dahingehende Bearbeitungen boomen, im Film, im Fernsehen, am Theater. Den Plot, in dem eine burschikose Hoferbin an den patriarchalen Strukturen in ihrem Bergdorf scheitert, haben Autor René Freund und Regisseur Hanspeter Horner deshalb zu Anfang der Sechzigerjahre angesiedelt. In einer Zeit, in der herrschsüchtige Großbauern krachen gingen.

Mit Widerstand hat auch "Höchstbauer" Stromminger (Daniel Pascal) nicht gerechnet. Seine Walpurga vulgo Geierwally (Bernadette Abendstein), will keinen reichen Bauern (Hakon Hirzenberger), sondern einen Bruchpiloten (Original: Bärenjoseph) zum Mann.

Auf der von Ursula N. Müller (und vielen Feuerwehrleuten) raffiniert bespielbar gemachten Steilhangbühne von Bromberg (samt gekacheltem Gebirgsbach!) scheint die sonst unheilvolle Verbindung von Natur und Theater wie von Zauberhand weggewischt: Das Team hat die Open-Air-Bedingungen auf berückende Art genützt, eine formidable Tonanlage installiert, die mit Zither- oder Beatles-Musik das Drama auch zu einem Panoptikum der 60er-Jahre macht. Die Schaulust ist groß - und wenn der Adler einfliegt, herrscht Totenstille. (afze, DER STANDARD/Printaugsabe, 07.07.2009)

>> Waldbühne Bromberg (NÖ), A2 Abfahrt Seebenstein, bis 18. 7. jeweils 20.30

Link:
www.waldbuehne.at

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    foto: alois rasinger
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