Außenminister ist auch Siedler - Ultranationalist will sich aus Verhandlungen heraushalten
Tel Aviv - Israels ultra-rechter Außenminister Avigdor Lieberman hält sich nach eigenen Worten wegen eines möglichen Interessenkonflikts aus den Verhandlungen über jüdische Siedlungen heraus. Als Bewohner der Siedlung Nokdim im Westjordanland könne er verdächtigt werden, Fortschritte in Gesprächen zu behindern, um nicht aus seinem Haus vertrieben zu werden, sagte Lieberman nach israelischen Medienberichten am Montag in Jerusalem.
Der 51 Jahre alte Vorsitzende der ultra-nationalen Partei Yisrael Beitenu (Unser Haus Israel) setzte sich damit gegen wachsende Beschwerden in Israel zur Wehr, er sei kein "voll funktionstüchtiger Außenminister". Kritiker werfen der neuen rechtsgerichteten Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vor, dass drei Außenminister parallel agierten. Statt Lieberman führe beispielsweise der als moderater eingeschätzte Verteidigungsminister Ehud Barak die Gespräche mit der US-Regierung über die jüdischen Siedlungen. Auch Präsident Shimon Peres, der eigentlich nur ein vorwiegend repräsentatives Amt bekleide, schalte sich immer wieder in die tagesaktuelle Politik ein.
Lieberman spielte auch Spannungen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy herunter. Sarkozy hatte nach israelischen Medienberichten Ministerpräsident Netanyahu dazu gedrängt, Lieberman durch die in Europa und den USA angesehene Ex-Außenministerin Tzipi Livni zu ersetzen. "Manchmal sagen Leute Dinge, die sie später bedauern, sogar ich selbst", zitiert die "Jerusalem Post" Lieberman. (APA)