Bruce Springsteen

Einen Donauwalzer auf der Cadillac Ranch

06. Juli 2009 16:32
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    Foto: newald

    Höchste Spiellaune: "The Boss" begeisterte in Wien.

Wahrheit ist Arbeit - Bruce Springsteen arbeitete am Sonntag drei Stunden lang im Wiener Prater

Mit einem üppigen Programm quer durch alle Karrierestationen begeisterte der 59-jährige Rockstar - restlos.

***

Wien - In London gab es zum Einstand London Calling. Von The Clash. Nachdem aus Wien nicht so coole Musik kommt, eröffnete Bruce Springsteen sein Konzert am Sonntag mit dem Donauwalzer. Immer noch eine gute Wahl, es hätte mit Falco's Vienna Calling ja auch richtig hässlich werden können. Nachdem Springsteen den rund 40.000 Fans zu dieser am Akkordeon vorgetragenen musikalischen Grußkarte die Goderln gekrault hatte, fiel die Band in ein ruppiges Jackson Cage ein, das vor allem dazu diente, den Sound einmal grob zu justieren.

Es folgte Badlands, und an dieser Stelle hatte die elfköpfige Band bereits breit Aufstellung genommen. Auch das Saxofon, das Probleminstrument der den "Boss" begleitenden E Street Band, durch das der Atem von Clarence Clemons strömt, dem Big Man dieser Big Band, wurde erstmals auffällig.

Das muss man mögen. Wie auch die E Street Band als solche. Denn in ihrer Größe, die vom reichlich gespielten Klavier über dick Percussions zur fetten Orgel und über das Saxofon zu den Backgroundsängern reicht, kredenzt sie eigentlich immer ein bisserl zu viel von allem. Man würde Springsteen wirklich gerne einmal mit einem schlanken Trio oder Quartett erleben. Aber Stadionrock verlangt in der Einschätzung des 59-jährigen Rockers eben ein musikalisches Breitwandformat.

Cinemascope gab es bei langsam einsetzender Dunkelheit auch im Bühnenhintergrund. Während Springsteen die Geschichte von Outlaw Pete erzählte, wurden Bilder des Monument Valley an die Leinwand projiziert, erratische Felsen im Norden Arizonas, dann turmhohe Kakteen: Kurz: Sehnsuchtsbilder, für die der ewige WorkingClass-Hero aus New Jersey zeit seiner Karriere den Soundtrack liefert.

Im harten Rock jaulte die Geige, es wimmerte die Pedal-Steel-Gitarre, und mit seinem Hang zur großen Geste schlug der an dieser Stelle bereits komplett nassgeschwitzte Hauptdarsteller im Stile von Pete Townsend mit rotierendem Arm die Saiten.

Das kam an, das Publikum war längst überzeugt. Vor allem durch die Full-Contact-Show von Bruce, dessen Jeans bereits im zweiten Song von sehnsuchtsvollen Händen begrapscht worden waren. Und so manches Bad in der Menge sollte noch folgen. Diese sicht- und spürbare Lust und Spiellaune übertrug sich auf das Stadion. In Working On A Dream, dem Titelsong seines aktuellen Albums, den Springsteen erstmals auf einer Unterstützungsveranstaltung für Barack Obama gespielt hatte, fiel er in die Rolle des Predigers, der hier und jetzt ein "House of Happiness and Music" samt in Aussicht gestellter "Sexual Healing" errichten wollte. Da wogten die Publikumsarme wie ein Kornfeld zustimmend im Wind. Der Bruce, der is' a Bursch, und wir sind alle eine große Familie. Ein Volksfest.

Spätestens bei Because The Night, einer ungewöhnlich harten Interpretation des gemeinsam mit Patti Smith geschriebenen Klassikers, zog die Veranstaltung dann auch atmosphärisch nach. Endlich dunkel! Und als später, während die Band Publikumswünsche erfüllte, bei Proud Mary der Vollmond übers Stadiondach aufstieg, war's nur noch kitschig.

Der hemdsärmelige Kraftlackel- und Kumpelrock, der sich in der bekannt kantigen Spielart des Boss ebenso äußerte wie in reichlich gegebenen Umarmungen, war auf die höchste Ebene der springsteenschen Kunst gehoben. Für den Gassenhauer Waiting For A Sunny Day legte er erstmals die Akustische an - und sich selbst wieder in Publikumshände: Ja, sogar den Kopf durfte man dem Boss tätscheln.

Spät, aber doch, nahm die Band Atempausen. Einen Tag nach dem "Geburtstag" Amerikas, spielte er auf Wunsch 4th Of July, Asbury Park (Sandy). Eine Ballade mit stimmungsführendem Akkordeon. Bald folgte eine getragene Version von The River, beendet wurde der Abend vorerst mit Born To Run.

Einfach, aber super

Im Zugabenblock wurde die Cadillac Ranch heimgesucht, das Jersey Girl angeschmachtet, bei Dancing In The Dark brav dem Titel entsprochen und zum finalen Twist And Shout die letzten Endorphine ausgeschüttet. Jubel und Ekstase. Springsteens Gassenhauermusik mag etwas gleichförmig und einfach sein, an einem Abend wie diesem spricht das Ergebnis jedoch eindeutig für ihn. (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 07.07.2009)

 

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Club-der-dichten-Toten
21.07.2009 14:29

Bin leider am 5.7. in der Früh auf Urlaub geflogen und konnte daher nicht ins Stadion gehen.

Hab mich im Februar über diesen mir damals schon bekannten Umstand aber nicht lange geärgert, sondern mir im März zwei Karten für das Konzert am 11.7. in Dublin gekauft.

So hab ich die schöne Irland-Rundreise mit einem (bis auf's Wetter) wirklich perfekten Konzert abgeschlossen. Die RDS-Arena hat auch den Vorteil, dass sie hinten offen ist, der Sound daher wahrscheinlich um einiges besser rüberkommt.

Juan de Velasco
08.07.2009 10:50
Kleine Zeitung

manchmal fragt man sich ja schon.

http://www.kleinezeitung.at/nachricht... 5/index.do
(man beachte das Datum: 5.7.09, 22:54!!)
ich finden den Standard-Artikel auch nicht besonders, Presse und Kurier m.E. nach besser - aber ich dachte, die Zeiten, in denen man über etwas schreibt, wo man gar nicht war sind vorbei - da hat die Kleine Zeitung den Vogel abgeschossen (ich glaub, die haben noch keinen Internet-Anschluss). Ein kleines Beispiel - man stelle sich vor, wenn so bei wichtigeren Themen recherchiert wird...

chris hell
07.07.2009 22:45

Traurig,dass wir hier 750 zeichen kriegen,um unserer freude luft zu machen u herr fluch eine menge mehr, um seine altbekannte miesmacherei zu verbreiten.Kann begriffe wie "ewiger working class hero" oder "kumpelrock" in verbindung mit dem boss schon nicht mehr hören.das sind dieselben leute,die über die stones ständig von "rock-opas" sprechen.fluch setzt wohl begeisterung von massen mit bauernfängerei gleich und hat klar die essenz von bruce´s arbeit verfehlt.Idee:der standard kann sich doch sicher ein paar musikjournalisten leisten,die ihm ab und an mal einen profunden artikel verfassen.ich denke da mit schaudern an den fluch-review des neuen albums,in dem er praktisch nur die titel kommentierte u wohl wenig auf den text lauschte.

thunder road
07.07.2009 22:22

Der "Gassenhauer" heißt übrigens Waiting ON a sunny day. So von wegen recherche!

1 Wolfgang 1
07.07.2009 20:51
Leute

vergesst diesen Schreiberling, der sich nur wichtig machen will, lest lieber den Tartarotti im Kurier. Musikemphehlung dazu: Anfangen mit Jackson Cage, dann Independence Day (alternativ I wanna marry you oder drive all night) und nachher zum Aufwachen Born in the USA - hab's grad probiert, wirkt super! :-)

nix für ungut, lieber derstandard.at, aber das war wirklich ein Fehlgriff!

Manfred MacGyver
08.07.2009 16:22

hab mir gestern seit langem mal wieder "drive all night" angehört...unglaublich! 8 minuten dieselbe melodie und es wird nicht fad...

Pepe - was IST denn eine Supratendenz..?
 
08.07.2009 19:23

Stolen Car sei Ihnen auch empfohlen; sowie across the border.

Pepe - was IST denn eine Supratendenz ?
 
08.07.2009 12:52
Aufstehen mit

Ties that bind, dann out in the street und 2 hearts;)

1 Wolfgang 1
09.07.2009 10:01

guter Tagesanfang! :-)

Pepe - was IST denn eine Supratendenz..?
 
09.07.2009 15:08

Wer dann nicht wach ist, dem helfen auch kein 10 Kaffees ;)

Juan de Velasco
07.07.2009 19:36
Konzert_rückblick

Für einen umfassenden Konzert-Rückblick aus Fan-Sicht kann ich übrigens
http://www.backstreets.com/news.html
empfehlen - von Fans für Fans.

Bin jahrelanger Boss-Fan und ich kann nur sagen: das Konzert in Wien war wirklich toll (hat mir besser als ´03 gefallen). Im Unterschied zu anderen Künstler-Klassikert wird Bruce nicht runzelig (Stones), unbeweglich bis langweilig (Dylan). Auch kommen die Songs der 2. Generation (nach ´95) mindestens genauso gut an wie die Alten. Mich beeindrucken die letzten Alben, vor allem der Vielfalt (Tracks, Rising, Devils, Seeger, Magic) wegen. Bruce liebt das Leben und gibt sich nicht selbstzerstörerischen Exzessen anderer Superstars hin. Keep on Rockin´, Take hold Thunder Road

bloody nine
 
07.07.2009 17:22
der herr schachinger

hat gesagt, nein, das springsteen-konzert mach i net, des is o*sch. jetzt halt halt der herr fluch müssen.
hat sich dacht, schreibma an klassischen hyperintellektuellen existenzialistisch angehauchten standard-verriss. dann hat er gesehen dass es ca 39.000 von 40.000 besuchern extrem gefallen hat, und hat den vorgeschriebenen verriss weggschmissen weil er sich nimmer getraut hat.
drum hat er dann auch bis am übernächsten tag für diesen zachen aufsatz gebraucht....

EauRouge
08.07.2009 10:01
*LOL*

nocomment1
07.07.2009 15:45
ein netter, unterhaltsamer abend ist ja heutzutage auch schon was wert.

ich schau mir lieber patti smith nächste woche an, da ist vermutlich weniger show dabei.

Slowbodan Bosniakovic
 
07.07.2009 18:02
in my children times i always climbed on the stones!

Oddevold1
07.07.2009 14:20

war nie ein fan vom boss, aber seit sonntag bin ich bekehrt. hat einfach nur spaß gemacht, die musik war einmalig, der typ ist eine naturgewalt.

hatte selten so viel vergnügen daran, jemandem beim arbeiten zu beobachten.

nonwave .
07.07.2009 15:27

"hatte selten so viel vergnügen daran, jemandem beim arbeiten zu beobachten"

[humorvolle Bemerkung mit "Pornodarstellerin" hier einfügen]

Wollkönigin
07.07.2009 19:08

Vom Alltag am Set professioneller Pornoproduktionen wissen Sie anscheinend wenig ...

Bigmouth
07.07.2009 20:33

Sie schon? Erzählen´s ein bißl.

Wollkönigin
07.07.2009 21:33

Der Bericht über Bruce Springsteen in Wien ist leider das falsche Forum dafür.

nonwave .
07.07.2009 19:24

ich so:"...Vergnügen, jemanden beim Arbeiten zu b e o b a c h t e n"

Sie so: "Vom Alltag am Set professioneller Pornoproduktionen wissen Sie anscheinend wenig ..."

Generell finde ich es aber spannend, dass hier zu jeder noch so offensichtlich absurden Meldung irgendjemand um die Ecke kommt und bierernst im "Sendung-mit-der-Maus"-Style mit erhobenem Zeigefinger den Erklärbär macht.

An dieser Stelle nutze ich dann auch gleich mal die Gelgenheit, um auf die Großartigkeit der Ron Jeremy-Autobiographie hinzuweisen.

Wollkönigin
09.07.2009 13:10
Schätzchen,

dazu sind die Foren da.

nonwave .
09.07.2009 13:59

Mausezahndihasiputzi,

dann nehm ich das mal so zur Kenntnis, ok? ;-)

stefano armandi
07.07.2009 13:23

artikeln wie diese sind den hauptgrund warum ich meine abo zum standard vor 2 monate nicht renoviert habe... ein pseudointellektuelle niveau um 20 euro pro monat. Aber ich bin echt froh, wien hat es beweißt eine bessere stadt zu sein wo menschen von verschiedene länder und kulturen zusammen glücklich sein können. Die arrogante Wiener sind eine Minderheiten, viele von denen arbeiten beim standard.

Wollkönigin
07.07.2009 19:10
Die Provinz lebe hoch, hoch, hoch!


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