Der Zirkus folgt auf Michael Jackson

6. Juli 2009, 19:09
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Mehr als eine Milliarde Menschen könnten am Dienstag im Fernsehen die Trauerfeier für Michael Jackson verfolgen, wird geschätzt - In Los Angeles befürchtet man Verkehrschaos

Für die Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel in Los Angeles wird die Gedenkfeier für Michael Jackson zur Qual. 48 Buslinien werden am Dienstag umgeleitet werden müssen, da die Menschenmassen rund um das Staples Center kein Durchkommen möglich machen werden.

17.500 Karten gab es für das um 10 Uhr Ortszeit beginnende Spektakel (ab 18 Uhr live im ORF), 1,6 Millionen Fans haben sich beworben. Die logische Folge: Zehntausende Menschen werden rund um den Veranstaltungsort erwartet, obwohl weiträumig abgesperrt werden soll. Wer kein Ticket hat, so raten die Veranstalter seit Tagen schon, möge doch im Internet oder im TV die Tributveranstaltung verfolgen. Was mehrere hundert Millionen Zuseher machen werden, wie erwartet wird.

"Sie werden nur in der brütenden Hitze auf der Straße stehen mit einer Menge anderer Leute ... aber nicht in Hörweite des Staples Center", warnte der Vize-Polizeichef Jim McDonnell die Fans. Großbildschirme soll es vor der Sportarena nicht geben, ebenso wenig eine Beerdigungsprozession. Doch das genaue Programm bleibt unklar, Veranstalter und Familie schweigen über Details.

Beisetzung am Morgen

Der Mann, um den sich alles dreht, könnte schon seine letzte Ruhestätte gefunden haben, wenn die Fans im Staples Center sitzen. Bereits am Morgen soll er auf einem der Forest Lawn Memorial Parks beigesetzt werden, berichten Medien. Die Familie verhandle noch über Einzelheiten mit der Friedhofsverwaltung, verkündete Polizeisprecher McDonnell.

Zwei dieser Memorial Parks gibt es in Los Angeles - einer liegt in den Hollywood Hills, der andere in Glendale. Beide sind bekannt für Grabstätten der Toten aus der Unterhaltungsindustrie. In den Hollywood Hills wurde erst kürzlich David Carra-dine beigesetzt, auch Telly Savalas und Lee Van Cleef sind dort begraben. In Glendale liegen beispielsweise Sammy Davis Jr., Humphrey Bogart und Walt Disney in ihren Gräbern.

Deren genaue Lage wird jedoch wie jene der anderen verstorbenen Berühmtheiten geheim gehalten. Sehr zum Verdruss von Friedhofstouristen und "grave hunter", die Webseiten wie findagrave.com konsultieren, um die Gräber ihrer Idole aufzuspüren.

Die Memorial Parks sind ohnehin keine simplen Friedhöfe. Drei Kirchen finden sich auf dem weitläufigen Gelände in Glendale ebenso wie Repliken von Michelangelo und eine Glaskopie von Leonardo da Vincis Letztem Abendmahl. Statt mit Grabsteinen werden die Gräber nur durch flache Metallplatten markiert. Die Anlage, die jährlich 70.000 Menschen anlockt, gleicht eher einer bukolischen Grünanlage auf sanften Hügeln denn einer Beerdigungsstätte. Kein Wunder, dass hier auch viele Hochzeiten stattfinden.

Ruhestätten anderer Art sind in Downtown Los Angeles schwerer zu finden. Rund um das Staples Center sind die Hotels nahezu ausverkauft. Gerade waren 50.000 Fans japanischer Comics und Animationsfilme zur Anime-Expo in der Stadt, nun folgen die Jackson-Fans und der Zirkus. Sprichwörtlich. Denn die "Ringling Brothers" starten ihr fünftägiges Gastspiel - unabhängig von Jackson. Die langjährige Tradition, am Dienstag um halb vier Uhr morgens Ortszeit in einer Parade samt Elefanten von der Union Station, dem Bahnhof, zum Staples Center zu marschieren, wollen sie beibehalten. (Rita Neubauer aus Los Angeles, DER STANDARD Print-Ausgabe, 07.07.2009)

 

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    Fans trauern vor dem Haus der Familie Jackson in Los Angeles. Die offizielle Trauerfeier am Dienstag könnte zu einem der weltweit meist gesehenen TV-Ereignisse werden.

  • Ein Popkönig als allumfassender Geldbringer: Vor dem Staples Center wird selbstgemachte Limonade an Mann und Frau gebracht.

    Ein Popkönig als allumfassender Geldbringer: Vor dem Staples Center wird selbstgemachte Limonade an Mann und Frau gebracht.

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