Wahlergebnis

Präsidentenpartei PAN verliert

6. Juli 2009, 19:51

PRI stellt fast die Hälfte der Abgeordneten - Grün-Erfolg wegen Eintreten für Todesstrafe

Mexiko-Stadt - Die mexikanische Regierungspartei PAN hat bei den Parlamentswahlen eine herbe Niederlage erlitten. Die Partei der Nationalen Aktion kam nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen nur auf knapp 28 Prozent. Sieger war die jahrzehntelang dominierende Partei PRI (Partei der Institutionalisierten Revolution), die demnach auf über 36 Prozent der Stimmen kam, wie die Wahlbehörden am Montag mitteilten. Dritte Kraft im Parlament wird die Partei der Demokratischen Revolution (PRD), die bisher die zweitstärkste Fraktion gestellt hatte. Sie kam auf über 12 Prozent der Stimmen.

Nach Berechnungen des Fernsehsenders Televisa wird die PRI im neuen Parlament mit 246 Deputierten von insgesamt 500 Abgeordneten vertreten sein. Gemeinsam mit den Grünen, die diesen Angaben zufolge dann 14 Sitzen erhalten hat, würde sie über die absolute Mehrheit verfügen. Calderóns PAN fiel nach diesen Angaben von bisher 206 auf 140 Sitze zurück. Der Sieg der PRI wurde noch durch Erfolge bei Gouverneurswahlen in sechs Bundesstaaten vergrößert. Die Kandidaten der PRI gewannen fünf von sechs Gouverneursposten.

"PRI des 21. Jahrhunderts"

Die PAN hatte bei der Parlamentswahl vor drei Jahren mit ihrem Präsidentschaftskandidaten Felipe Calderón zwar eine Mehrheit in der Deputiertenkammer erreicht, war aber dennoch bei den Reformvorhaben stets auf die Zustimmung der PRI angewiesen. PRI-Chefin Beatriz Paredes sprach von einem großen Erfolg und betonte, die alte Machtpartei PRI habe sich geändert. "Hier kommt nicht die (alte) PRI zurück", erklärte sie. "Die PRI des 21. Jahrhunderts ist dabei, zu gewinnen."

Der Erfolg der Grünen (Partido Verde Ecologista de Mexico - PVEM) ist nach Ansicht von Analysten vor allen auf deren Eintreten für die Todesstrafe angesichts der ausartenden Kriminalität zurückzuführen. Die Unfähigkeit der Politik, die Gewalt im Land einzudämmen, hatte wesentlich den Wahlkampf bestimmt und dazu geführt, dass das Vertrauen der Mexikaner in die politische Klasse weiter gesunken ist. Die Wahlbeteiligung lag bei 43 Prozent. Zusätzlich brachten über fünf Prozent der Wähler ihren Protest zum Ausdruck, indem sie einen weißen Wahlzettel abgaben.

Präsident Calderón rief nach Bekanntwerden der Ergebnisse alle Parteien zur Zusammenarbeit auf, um die Probleme des Landes zu lösen. Er bot den neuen Abgeordneten eine Zusammenarbeit zum Wohle des Landes an und forderte sie auf für die Stärkung der Demokratie einzutreten. Die 500 Deputierten des des mexikanischen Kongresses werden ebenso wie die Bürgermeister des Landes stets nur für drei Jahre gewählt. Die Zwischenwahl zur Mitte der Legislaturperiode gilt auch als ein Test für die Politik des Präsidenten, der dann noch weitere drei Jahre regiert. (APA/dpa)

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13 Postings
Nightstallion
01
Die PVEM

haben die europäischen grünen Parteien übrigens – richtigerweise – wegen des Eintretens für die Todesstrafe von jeglicher weiterer Kooperation im Rahmen der weltweiten Grünen ausgeschlossen.

byron sully
00

auch wenn ich mir einen PRD-sieg gewünscht hätte, aber von den beiden größeren übeln hat das noch verhältnismäßig kleinere gewonnen, denk ich.

Kunibert K
01
PRI, PAN, PRD

Ist schon der Unterschied zwischen PRD und den beiden anderen grossen Parteien PAN und PRI sehr gering, so ist er zwischen PAN und PRI überhaupt nicht vorhanden. Politisch-ideologisch meine ich.
Der Wahlsieg der PRI ist wohl darauf zurückzuführen, dass sich angesichts der Wirtschaftskrise viele Mexikaner an die vermeintlich "guten, alten Zeiten" der PRI-Herrschaft erinnerten.

byron sully
01
hab das gefühl,

daß politisch-ideologisch die PRI ein bißchen weniger konservativ und neoliberal ist als die PAN. aber die unterschiede sind vermutlich wirklich nicht allzu groß.

nachtschatten
00
1.11.2009, 16:18
konservativer ist eher die pri

neoliberaler evtl. pan. aber in mexiko unterscheidet eigentlich kaum einer zwischen diesen beiden parteien.

Strukturelle Integrität
01
ach, wunderbar diese namen

auch wenn sie nur leere hülsen sind, gefallen mir namen wie 'institutionalisierte revolution' oder 'demokratische revolution' oder sogar 'nationale aktionspartei' besser als die namen unserer parteien. sie haben einen hauch des versprechens einer besseren zukunft, die unseren parteinamen (auch bzö) einfach fehlt.
ich denke an wiener aktionismus partei, oder rebellionspartei tirol...

peter schmidt
 
01
also ich war auch immer der meinung

das die partei der institutionellen relolution ein echtes highlight der namensgebung war.

auch noch schön ist der "leuchtende pfad" in der langfassung als partido Comunista del Perú – por el Sendero Luminoso de José Carlos Mariátegui

ich hätte die jetzt wahrscheinlich nicht gewählt aber jedenfalls der schönste parteiname.

hupf_in_gatsch
00

naja, aber "institutionalisierte revolution" ist ja eigentlich ein widerspruch in sich selbst, oder?

Frico
00
http://de.wikipedia.org/wiki/Part... titucional

Sollte auch heisse: "Institutionelle Revolution". Da hat sich die Redaktion des Standard bei der Übersetzung "ein wenig" geirrt.

Strukturelle Integrität
00
eben

und ich denke dass sich die partei dieses widerspruches ebenso bewusst ist, aber auf diesen namen verzichten?

py rx
00

indeed!

Ava Tar
22
"Erlöse aus dem Ölexport gingen zurück"

soweit ich mich erinnere hat die mexikanische Schüssel-Grasser-Variante auch den staatlichen Ölkonzern verhökert...

und als alles, was nicht niet- und nagelfest war, verhökert war, da präsentierten sie sich dann als "Sicherheitspartei"

fehlt nur noch eine derbe Landschönheit als Innenministerin ;o)

Vicente Fernández
00
Ganz so ist das denke ich nicht...

PEMEX, der staatliche Erdölkonzern wurde nicht verhökert. Er befindet sich nach wie vor im Besitz des Staates Mexiko. Die Rückgänge aus den Exporten (allein das impliziert das weiterhin der Staat daran partizipiert - also nicht verkauft wurde) gehen auf die geringere Nachfrage und kurzfristig niedrigere Preise zurück. Was sehr wohl im Laufen ist, ist eine gewisse Liberalisierung der Erdölindustrie (PEMEX hat derzeit ein Monopol).

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