Obamas russische Zwickmühle

05. Juli 2009 18:24

Die beinharten Verhandler in Moskau stehen einer neuen US-Außenpolitik im Weg

Für Präsident Barack Obama könnte die Begegnung mit der russischen Führung in Moskau zu einer Nagelprobe seiner Präsidentschaft werden. Dabei geht es weniger um konkrete Verhandlungsinhalte - ein neuer Abrüstungsvertrag, der umstrittene US-Raketenschild, der Umgang mit dem iranischen Atomprogramm, Spannungen mit Georgien und der Ukraine - als um den Ton in den Gesprächen.

Obama hat einen neuen Stil in der Außenpolitik versprochen und dies bereits eingelöst. Seine Kairoer Rede hat das Potenzial, die Beziehungen des Westens zur islamischen Welt - und die politische Kultur in Nahost - grundlegend zu verändern. Seit seinem Amtsantritt haben die USA viel ihres Ansehens und ihrer Glaubwürdigkeit, die unter George W. Bush so fahrlässig aufs Spiel gesetzt wurden, wieder zurückgewonnen. Das hat trotz Finanzkrise ihren Einfluss in der Welt gestärkt.

Mit Amerikas Verbündeten fällt der Obama-Regierung der Umgang leicht. Bei ihren Feinden wie Kim Jong-il oder Mahmud Ahmadi-Nejad herrschen auch klare Fronten: Da seine ausgestreckte Hand ins Leere geht, kann Obama wenig anderes tun als Bush.

Am kompliziertesten ist die Suche nach einer neuen Außenpolitik gegenüber Russland. Dmitri Medwedew und Wladimir Putin sind Gegner und Partner zugleich und - wie Obama im Vorfeld seines Besuches zu spüren bekommt - beinharte Verhandler.

Legt er in Moskau zu viel Nachgiebigkeit an den Tag, dann wird ihm dies sogleich als Schwäche ausgelegt. Dann könnten Erinnerungen an John F. Kennedys Gipfeltreffen mit Nikita Chruschtschow 1961 in Wien wachwerden, als das unsichere Auftreten des jungen US-Präsidenten die Sowjets zur späteren Stationierung der Atomraketen auf Kuba verleitete.

Diesmal ist es zu viel Vernunft, die dem US-Präsidenten zum Verhängnis werden könnte. Obama will den Raketenschild nicht, sehr wohl aber ein neues Atomwaffenabkommen. Doch wenn er das eine für das andere wegverhandelt, wie Medwedew es ihm nahelegt, dann gibt er eine Trumpfkarte auf, die er für andere Fragen - etwa ein russisches Ja zu einer härteren Gangart gegenüber dem Iran - noch benötigen könnte. Kehrt er hingegen ohne Ergebnis heim, was derzeit recht wahrscheinlich erscheint, dann schmälert das die globale Sicherheit genauso wie seine eigene Erfolgsbilanz.

Allerdings: Allzu leichtfertige Zugeständnisse würden Obama noch mehr schaden - vor allem zu Hause. Dort hängt die Durchsetzung seiner nächsten großen Vorhaben wie Gesundheitsreform und Klimagesetz davon ab, ob schwankende demokratische Abgeordnete Obama respektieren oder sogar fürchten. Der Eindruck außenpolitischer Schwäche reduziert daher die innenpolitische Schlagkraft. So ging es einst dem Konsenspolitiker Jimmy Carter, mit dem Obama von boshaften Kritikern bereits verglichen wurde.

Das ist ungerecht und irreführend. Bei den iranischen Massenprotesten hat Obama aller Kritik zum Trotz mit seiner vorsichtigen Sprache der iranischen Opposition einen guten Dienst erwiesen. Und Stärke hat er etwa bewiesen, als er die Befreiung des vor Somalia entführten US-Schiffskapitäns Richard Phillips anordnete.

Aber US-Präsidenten stehen schnell unter Druck, eindeutige moralische Positionen gegen die Kräfte des Bösen zu beziehen und die verfügbaren Druckmittel der Weltmacht auch einzusetzen. Mit der korrupten, autoritären und international oft unverantwortlich agierenden Führung in Moskau würde eine solche Haltung handfeste Fortschritte praktisch unmöglich machen.

Dass er die Gratwanderung zwischen Idealismus und Pragmatismus beherrscht, muss Obama erst beweisen. In Moskau hat er viel Gelegenheit dazu. (Eric Frey/DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2009)

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tramtatam
08.07.2009 13:14
bitte benennen Sie den Kommentar am besten um!

in frey´s russische Zwickmühle.
Obama hat keinerlei Probleme, wie es scheint.

Danke.

Josef Grahner
08.07.2009 09:59
...und international oft unverantwortlich agierenden Führung....

Ist jemand in der Redaktion, der dem Kommentator sagen könnte, dass der Krieg im Irak nicht gerade ein Beispiel "international verantwortlichen Handelns" war?

Er könnte dankbar sein, wenn wenigstens diese Wissenlücke geschlossen wird.

whacky.rabbid
06.07.2009 18:04
Obama genießt VORSCHUSSLOHRBEEREN, bis die USA ihre Glaubwürdigkeit zurückerlangt habe dauert es noch!!!

Ein reiner Köpfewechsel allein, wird die muslimische Welt wenig beeindrucken, TATEN nicht WORTE sind vonnöten um den tiefen Fall der US Glauwürdikeit unzukehren, deren Fall bestenfalls aufgehalten wurde und nicht mehr!

Ausser Worten ist bis jetzt nichts von der USA gekommen und das ist eindeutig zu wenig um als Richtungswechsel aufgenoimmen zu werden!

limonade
06.07.2009 17:01
werter herr frey..

..die sovietunion gibt es nun schon seit geraumer zeit nicht mehr und der kalte krieg ist auch vorbei.sie scheinen zu viel mit dem lendvai zusammen zu sitzen.

Jene Grüne Straßenkatze
06.07.2009 16:02
...

Aha, die Kubakrise wurde also nicht durch die Stationierung von amerikanischen Atomwaffen in der Türkei ausgelöst, sondern dadurch, dass man in den Verhandlungen nachgiebige erschien.

Also wieder die gute alte "zeigt dem Ivan die Knute, was anderes versteht er nicht"-Schiene. Damit reiht sich Eric Frey wieder mal direkt in die Tradition des Stürmer ein.

Vielleicht kann mich irgendwann jemand aufklären, was dieser Staberl für Neoliberale eigentlich in einer Zeitung, die einen relativ aufgschlossenen Ruf hat, zu suchen hat.

Bruno Flex
06.07.2009 15:09
Auch wenn Herr Frey sich offenbar

nach der schlichten Gut-und-Böse-Moral des Kalten Krieges zurücksehnt - oder aus dieser Simplifizierung nicht herausfindet: die Welt ist komplizierter geworden. Die meisten Leute merken das sogar.

Hafner
06.07.2009 13:48
Schon lange her ...

... dass die Russen ein anderes Land überfallen haben.

Mucosaprolaps
06.07.2009 15:13

Wie lang ist Georgien her?

tramtatam
08.07.2009 00:00
auch in Georgien nicht: Confessio est regina probationum.

Saakaschwilli sagte in einem Interview mit der spanischen Zeitung El Pais zu dem Krieg in Süd-Ossetien:

"das einzige was ich bedaure, dass wir nicht schon früher angefangen hatten"

und noch einiges mehr!

Quelle: georgische Zeitung "Georgian Times" (in englisch)

http://www.geotimes.ge/index.php... wsid=17124

natürlich sind solche unverblümte Äusserungen nicht der Rede wert in führenden westl. Qualitätszeitungen, da der geneigte Leser bereits aus Tages-Schlagzeilen anders informiert ist - und es soll auch dabei bleiben, nicht wahr?

Hafner
06.07.2009 16:34
Wenn ich mich ganz leise erinnern darf ...

... dann gab es dort einen von den USA initiierten (wahrscheinlich so nicht gewollten) Genozid, aufgrunddessen die Russen einmarschiert sind.
Anschließend wurden wir tagelang von der sogenannten freien westlichen unvoreingenommenen unabhängigen und objektiven Presse über die tatsächlichen Hintergründe belogen.
Einige Staaten forderten die Aufnahme Georgiens in die NATO (auch der EU-Beitritt wurde andiskutiert).
Georgien ist ein gutes Beispiel für die unglaublich hinterhältige USAmerikanische Außenpolitik, der jeder Diktator und Mörder recht ist, wenn er nur "unser" Schwein ist.

papst benedikt
06.07.2009 15:23

tuns hier nicht geschichtsfälschen ;-)

Mucosaprolaps
06.07.2009 17:27

Wieso geschichtsfälschen?

Klar, Amerikahasser wie du wollen jetzt partout auf den "Überfall auf den Irak" heraus und dass deshalb irgendwie Putin viel netter sein müsse ... das halt ich aber für etwas kurz gedacht.

papst benedikt
06.07.2009 19:36

erstens sind wir nicht perdu, zweitens bin ich kein amerikahasser drittens will ich nicht auf den irak krieg hinaus und viertens halte ich putin nicht für nett.
zum georgienkonflikt gibt es zwei klare zugänge:
einerseits gibt es die realität, die saakaschwili als aggressor ausweist und andererseits gibt es die unzähligen schönredeversuche westlicher politik und deren medien, die den partner georgien um jeden preis vor dem feind russland in schutz nehhmen müssen.

Hafner
06.07.2009 13:48
Trifft das nicht auch ...

... auf die USAdministration zu?
"Mit der korrupten, autoritären und international oft unverantwortlich agierenden Führung in Moskau .."

Mucosaprolaps
06.07.2009 15:13

FYI: Es gab Wahlen in den USA; George Bush hat diese verloren.

Homo Austriacus
06.07.2009 16:53
G W Bush HAT die Wahl verloren,...

und zwar eindeutig - gegen Al Gore, aber dank seiner Juristen und Verbündeten mittels Urteil des obersten Gerichtshofes auch eine teilweise Neuauszählung verhindert.

Wie demokratisch ist ein Land, wo sowas reingeht?

Hafner
06.07.2009 17:14
Nicht ganz so schlimm ...

... wie die Mullahs.

papst benedikt
06.07.2009 15:33

äh: wann hat denn george bush (jr.) die wahlen verloren?

Mucosaprolaps
06.07.2009 17:29

*seufz* Punkt für dich; McCain war's.
Trotzdem: Das System Bush, die Reps, haben verloren. Obamas Administration ist ein bisserl zu neu, um ihnen schon Korruption, Machtrausch und internationale Verantwortungslosigkeit vorzuwerfen. Im Vergleich zu Bush war Obamas Politik bisher eine Wohltat.

papst benedikt
06.07.2009 19:38

das sollten wir nach 8 jahren obama besser beurteilen können. ich beurteile zur zeit noch nichts, weil noch nichts sichtbar ist. ausser die bemühung um einen anderen ton. das ist das einzige, was obama bereits gezeigt und nicht nur angekündigt hat.

whacky.rabbid
06.07.2009 18:09
Obamas Administration ist eine Administration der alt-bekannten Gesichter!

Nahezu jeder außer Obama selbst WAR bereits einmal im Weisen Haus beschäftigt! Einige sind sogar Überbleibsel aus der Bush-Ära!

Wer von diesen Personen ist nun neu??

Hafner
06.07.2009 13:47
Obama will den Raketenschild nicht, sehr wohl aber ein neues Atomwaffenabkommen

Klar, das Land mit der größten und bestausgerüsteten konventionellen Armee wird mit der Abrüstung von nur Atomraketen immer stärker (weil dann der Wert der konventionellen Armee steigt).
Letztlich ist der Kampf gegen Atomraketen nur ein Kampf für mehr Stärke der US-Streitkräfte. Glaubwürdig wäre sie nur, wenn sie gleichzeitig konventionell abrüsten.
Wollen wir doch nicht vergessen, dass es die US-Amerikaner waren, die ..
- die ersten und bisher einzigen Atomwaffen einsetzen
- die in Europa für die Erstschlagsdoktrin (als erste Atomwaffen einzusetzen) standen
- deren Verbündete erstmals ein Atomkraftwerk bombardierten
- die als Erste den Krieg in den Weltraum trugen (SDI).
Ich glaub denen kein Wort, wenn sie von Frieden sprechen.

Mucosaprolaps
06.07.2009 15:14

Obama redet von einer atomwaffenfreien Welt; das passt nicht zu deinen bösartigen Unterstellungen und Kalter-Krieg-Beispiele.

whacky.rabbid
06.07.2009 18:10
Reden ist billig, hat er auch schon gehandelt?

Hafner
06.07.2009 16:30
Klar,

... und die Israeli sprechen von der Auflassung von Siedlungen im Westjordanland.
Es ist ärgerlich, für derart dumm gehalten zu werden.

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