Dumm sind immer die anderen

5. Juli 2009, 23:52
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    foto: uip

    Ein Outfit, das nach Anerkennung schreit: Brüno alias Sacha Baron Cohen versucht im gleichnamigen Film, in Amerika Fuß zu fassen.

Ein Österreicher, der fast so berühmt wie Hitler werden will: "Brüno", der neue Film von Sacha Baron Cohen, entlarvt den sinnentleerten Medienzirkus mit entwaffnender Blödheit

Wien - Erfolg ist eine unberechenbare Größe. Wem es allerdings gelingt, über einen längeren Zeitraum mit lauten, grellen und geschmacklosen Auftritten aufzufallen, dem ist zumindest die Aufmerksamkeit der Medien sicher. Brüno, ein Übertreibungskünstler des globalen Entertainments, ist dafür ein ausgezeichnetes Beispiel: Als Ex-Model und Host einer Fashion-Sendung aus Österreich - in Wahrheit die jüngste Inkarnation des britischen Komikers Sacha Baron Cohen - agiert er genau an der Schnittstelle, an der die Unterschiede zwischen Künstlichkeit und realen Verwerfungen verschwindend klein werden.

In Medienguerilla-Manier nimmt er sich bestimmter TV-Formate an, um sie maßlos zu übersteigern, und zeigt gerade dadurch ihre innere Leere auf. Im nunmehrigen Langfilm Brüno - wie der kasachische Extremreporter Borat ist auch Brüno eine Figur, die aus Cohens Da Ali G Show stammt - geht das etwa so: Bekannte Hollywoodgrößen wie die Pop-Sängerinnen Paula Abdul oder La Toya Jackson - Letztere wurde aus Pietätsgründen wieder aus dem Film entfernt - werden zu einer Fake-Show geladen, bei der sie auf dem Rücken eines mexikanischen Arbeiters sitzend Fragen beantworten müssen. Eine Konstellation, bei der die Gäste nur verlieren können.

Noch vor Brünos ostentativ zur Schau gestellter Homosexualität ist dies wohl der subversive Kern der Figur: die Art und Weise, wie er seine Gäste dazu bringt, selbst die dümmsten Fragen noch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit zu beantworten. Niemand will sich vor laufender Kamera als Spielverderber erweisen. Cohens Team hat ein ausgeklügeltes System entwickelt, um Prominente zum Mitspielen zu bewegen. Seriöse Briefe, auf denen Fake-Internetseiten auf den Hintergrund der Show verweisen, legen den Köder aus. Bevor die Aufzeichnung beginnt, entschuldigen sich die Produzenten für den Moderator, verweisen aber auf die hohe Quote, die er daheim bringt.

Für den Film Brüno, wie Borat unter der Regie von Larry Charles gedreht, dürfte sich dieses Vorgehen weiter kompliziert haben. Cohens Popularität ist mittlerweile wohl einfach zu groß, denn etlichen Szenen fehlt der dokumentarisch-anarchische Überraschungsgeist früherer Auftritte. Am Beginn steht die fiktive Kündigung des Moderators, nachdem er in Mailand als lebender Kleiderständer auf den Laufsteg getorkelt ist. Maßlos in seiner Selbstüberschätzung ist er nicht lange enttäuscht, sondern bricht nach Amerika auf, um der "nach Hitler berühmteste österreichische Superstar" zu werden.

Maximale Ambitionen

Brüno entwickelt sich in der Folge zur satirischen Nummernrevue durch die Untiefen des US-Entertainment-Betriebs. Gemeinsam mit dem ihm verfallenen Assistenten Lutz (der Schwede Lutz Hammarsten) sucht er den Ruhm zunächst auf traditionellen Wegen, indem er eine eigene Show auf die Beine stellen will. Doch wenn er nicht schon daran scheitert, dass bei ihm maximale Ambition auf minimales Talent trifft, dann erregen seine kaum verborgenen sexuellen Vorlieben im prüden Amerika Unmut.

Natürlich erweitert Cohen in dieser Hinsicht wieder einmal die Skala dessen, was bisher unter "Bad Taste" firmierte. Die Dildo-Maschine, die ihn wie ein treuer Hund überallhin folgt, ist da noch am harmlosesten. Brüno lässt sich Haare in Intimzonen epilieren, er hat mit einem verstorbenen Milli-Vanilli-Mitglied pantomimisch Oralverkehr oder windet sich verloren im Swinger-Club.

Wenn sich in Amerika Homosexuellenverbände darüber echauffieren, verfehlen sie jedoch auf ähnliche Weise Cohens Humor wie die Anti-Defamation-League, die sich über Borats vorgetäuschten Antisemitismus besorgt zeigte. Cohen arbeitet stets auf offensive Weise mit Stereotypen. Der kasachische Reporter mit dem einseitigen Weltbild war dennoch die ergiebigere Figur, weil er eine Form des Einverständnisses mit seinem Gegenüber zuließ. Mit dem rückständigen Fremden ließ es sich ungenierter über die eigenen Vorurteile sprechen. Brünos Homosexualität erschöpft sich dagegen recht bald in Gesten der Provokation, die irgendwann alle ein wenig ähnlich ausgehen. Er ist nicht nur weniger komisch, sondern auch weniger relevant.

Erst als Brüno als äußerten Schritt seines Karriereplans sich seine Homosexualität von einem Priester austreiben lassen will - und sich dabei als ziemlich resistent erweist - , entlarvt er die unheimlicheren Seiten der Homophobie. Davor soll ihm schon eine Nahost-Reise mehr politisches Profil zu verleihen - beziehungsweise vergleichbare humanitäre Aktivitäten von Stars persiflieren. Die Szene, in der er am israelisch-palästinensischen Verhandlungstisch über den Unterschied zwischen Hamas und Hummus debattiert und anschließend ein Friedenslied anstimmt, gehört gewiss zu den komischsten des Films.

Jüdischer Humor

Dies sind auch jene Momente, in denen Cohens eigene jüdische Wurzeln durchscheinen, die in die aufklärerische Stoßrichtung seines Humors hineinragen. Sie mögen auch der Grund sein, warum er den dümmlichen Mode-Experten mit einer österreichischen Herkunft versehen hat. Sie spielt im Film zwar kein allzu prominente Rolle, erlaubt es aber, ein konsonantenreiches Kauderwelsch zu sprechen, in das sich auch immer wieder kleine Seitenhiebe auf die Nazi-Vergangenheit des Landes verstecken - und sei es nur, dass er von einem bestimmten Körperteil als seinem Arschwitz spricht. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe, 06.07.2009)

 

 

 

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helge schneider
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13.8.2009, 13:48
der herr hat den film scheinbar auh nicht gesehen,

"Intimzonen epilieren" kommt im ganzen film net vor, anal bleichung ist die einzige kosmetik an der brueno uns teilhaben laesst.


und der film ist so was von lustig -
can your baby operate heavy machinery?
is your babie familiar with dead or dying animals ?
could ur baby lose 10 pounds for next week ?

Darth Gy
00
10.7.2009, 11:42
wegen cover des heutigen rondo

wo bleibt das "brüno-yourself" bitte?

zensur bei der "fma betrugsverdacht" vertuschung
 
00
alle die sich (persönlich) angegriffen fühlen, werden

(eventuell) sehen, dass hier eine überhöhung von extremen bzw. eine verhöhnung der gastdarsteller durch sich selbst statt findet.

ich finde es schon sehr bedenklich, wenn man sich persönlich so sehr angegriffen fühlt, obwohl man in diesem film gar keine rolle inne hat.

F.B.
 
00
10.7.2009, 10:44
allerdings

wenn sich jemand derart empört zeigt und angesprochen fühlt sollte mal darüber nachdenken

Dr. Muffel
42
Verdummt werden sie alle, heutzutage...

Zu meiner Jugendzeit lauschten wir Leonard Cohen und lachten über Monty Python.

Heute lässt man sich bedudeln von Christina Stürmer und findet Noam Cohen lustig.

Das nenn ich dann "Leidkultur".


Naschgul
00

Und zu Ihrer Jugendzeit gab's keinen einzigen Erwachsenen, der Monty Python schrecklich und dumm fand? Keinen, der gesagt hat "Früher war alles besser, da haben wir über den Peter Alexander gelacht"?

honsikversteher
10
29.7.2009, 23:39
Sie sind einfach ALT.

Rigglerobber
00
27.7.2009, 19:58

ein sicheres Zeichen, dass sie langsam senil werden, wenn Sie die gute alte Zeit so verklären... Sie können gleich Platz nehmen neben Waldorf und Statler...

Timagoras
 
15
innerlich uralte menschen erkennt man am

"früher war alles besser"
und am
"in unserer jugend hatten wir noch richtige werte, aber heute geht ja alles den bach runter" ;o)

abgesehen davon:
nicht alle jugendlichen hören oder mögen Christína Stürmer.

und damals in meiner schulzeit konnten die meisten mitschüler mit Leonard Cohen nix anfangen, lachten dafür aber über Otto und Bud Spencer.

so what?

honsikversteher
00
29.7.2009, 23:40
vergessen sie nicht das allseits beliebte "das ist keine musik"

Nick Tameer
00
22.7.2009, 23:09

Ich habe eher das Problem, dass mir viele junge Leute der Generation meiner Eltern zu gleichen scheinen. Bestenfalls versuchen sie unbeholfen, die Jugenzeit meiner Generation zu imitieren. Ich fühle mich nicht älter, sondern jünger als die meisten, was ich als recht bizarr empfinde, da es für mich doch eigentlich Zeit würde, auf ein würdevolles Alter zuzusteuern, was mir nicht vergönnt zu sein scheint.

mann
 
00
zwei ganze seiten im standard?

auf seite zwei und drei? weil österreich wieder mal in hollywood vorkommt? weil brüno schwul ist? ist das nicht ein klein wenig zuuu prominent?

kein missverständnis: cohen rocks! ganz grosse satire, aber für mich vor allem ganz, ganz tolles schauspiel. es ist schlicht unglaublich, borat, alig und brüno nebeneinander zu stellen und darin denselben sascha cohen zu sehen ... ganz abgesehen davon, dass er echt gscheit ist ...

aber in einer seriösen tageszeitung auf den seiten zwei und drei???

gelegentlich heiter
00
Großes Interventionstheater.

alvarosa
05
Sorry...

... aber um Österreich geht's in dem Film so gut wie gar nicht. Wer sich also einen "Blick in unsere Seele" oder einen Kassenschlager in Deutschland dank Ösi-Bashing erhofft, wird enttäuscht sein.

Lustig ist er aber trotzdem, selten so viel in so kurzer Zeit gelacht.
Und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Antisemit oder Homophober den Film ernsthaft lustig findet - jedenfalls nicht, wenn man ihn fertig schaut.

Samantha Mulder
01
Deutschland

Also, eines kann ich euch sagen, wenn der Film auch nur die Hälfte hält, was er an Österreicher-Witzen verspricht, wird er in Deutschland ein großer Erfolg.

martial
00

Warum denn das? Während in Österreich jedesmal eine kleine Selbstfindungs- und Identitätskrise einsetzt wenn irgendeine sportliche oder mediale Begegnung mit Deutschland stattfindet, ist die Hass-Liebe umgekehrt nicht ganz so stark ausgeprägt.

duke box
010

und wer erklärt denen die witze?

C.C.
00
ich frage mich

wie man sich solch einen film überhaupt ansehen kann.

der ganze ablauf in diesen film findet auch im hier und jetzt in jeder sekunde statt.

live finde ich alles viel lustiger und aufregender, wenn man es wahrnimmt und es sich dessen bewusst wird.

die sich den film ansehen - viel spaß!

F.B.
 
25
ich finde das absolut

genial wie sich ein teil der community hier als genau der teil offenbart den bruno parodiert

ernsthaft - ein paar menschen sollten sich hier genaustens ansehen was sie sagen und wie sie sich benehmen

ich finde das ganze sehr lustig und humorvoll ich finde es auch sehr interessant wie einige hier sich benehmen wie kleine kinder im zwist; ganz nach dem motto "du bist blöd! - stimm doch gar nicht du bist blöd!!"

und etliche xenophobe meldungen die hier abgelassen werden oder "patriotische" finde ich sind genau das was im film parodiert wird

wer sich beleidigt oder angesprochen fühlt durch bruno sollte mal darüber nachdenken warum dem so ist.

ekelhaft was hier zum teil für unfug preisgegeben wird

Ausgeflippter Lodenfreak
00

An alle die sich aufregen über SCB und den Film: Selbstverständlich ist er geschmacklos, selbstverständlich gibt er vor Rassismus, Homophobie, usw. anzuprangern und lebt aber genau davon und macht rassistische und homophobe Witze salonfähig. Aber je mehr ihr Euch aufregt, desto mehr macht ihr sein Geschäft.
Letztendlich will er verkaufen und die einzige Waffe die man als Konsument hat, ist die Brieftasche. Also nicht aufregen, sondern ignorieren und nicht kaufen.
Letztendlich ist der Film nur eine Schwulenkomödie. Wenn SCB in Interviews Klischees über Österreich von sich gibt, ist kein Unterschied dazu wenn die Rechten bei uns über Muzikant sprechen, beide wollen nur Aufmerksamkeit, wie viel sie davon ernst meinen ist völlig zweitrangig.

fullbright
04
Irgendwie schaut der aus wie der Mark Janko

mathias poeschko
00
13.7.2009, 22:13
nein

wie anthony kiedis, der sänger, der red hot chili peppers!

Timagoras
 
00

der Janko hat aber schönere beine ;o)

spitzenkandidat.2.0.
00

Brüno der Problembär?

Drexau
40
ich werde mir brüno sicherlich ansehen,

aber an einen haderer oder gar deix wird er wohl bei weitem nicht heran kommen, wenn es um die satire geht....

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