Prominente Kleriker unterstützen Mussavi

5. Juli 2009, 18:09

Geistliche bezeichnen die Wahlen und die Regierung von Mahmud Ahmadi-Nejad als ungesetzlich

Teheran - Der offiziell unterlegene iranische Präsidentschaftskandidat Mir-Hossein Mussavi erhielt am Wochenende Unterstützung von hohen Geistlichen. Eine prominente Klerikervereinigung aus Ghom, einem spirituellen Zentrum des Iran, hat sich hinter Mussavi gestellt und in einer Erklärung die Wahlen und die Regierung von Mahmud Ahmadi-Nejad als ungesetzlich bezeichnet. Die "Vereinigung der Forscher und Lehrer Ghoms" fordert zudem die Freilassung der inhaftierten Demonstranten. Die Erklärung ist eine Niederlage für den religiösen Führer Ali Khamenei, der alle Proteste im Iran untersagt hat. Am Wochenende ist Mussavi dennoch in die Offensive gegangen: Auf seiner Webseite wurden Dokumente veröffentlicht, die die Fälschung der Präsidentschaftswahlen belegen sollen.

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Teheran - Der bei den Wahlen am 12. Juni offiziell unterlegene Präsidentschaftskandidat Mir-Hossein Mussavi ist am Wochenende in die Offensive gegangen und hat auf seiner Website einen 24-seitigen Bericht mit dokumentierten Wahlfälschungen veröffentlicht. Er beschuldigt Anhänger von Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad unter anderem des Stimmenkaufs, außerdem seien Millionen überzähliger Stimmzettel gedruckt worden.

Gleichzeitig verschärft die radikale Rechte ihren Ton gegen Mussavi, der seit einer Woche nicht mehr öffentlich aufgetreten ist. Hossein Shariatmadari, Berater der religiösen Führung und Chefredakteur der Zeitung Keyhan, des Sprachrohrs der Neofundamentalisten, beschuldigte Mussavi unverblümt, ein ausländischer Agent zu sein. Er sei Teil der "fünften Kolonne", die das islamische System im Iran stürzen wolle.

Weiterhin gelingt es dem Regime jedoch nicht, die oppositionellen Stimmen zum Schweigen zu bringen. "Tapfer im Krieg und tapfer im Frieden: Wir sind die iranische Nation" , lautet die neue Parole bei Jugendlichen und Frauen. Aber auch eine Gruppe von religiösen Führern in Ghom hat sich auf die Seite von Mussavi gestellt und in einer Erklärung die Wahlen und die Regierung von Ahmadi-Nejad als "ungesetzlich" bezeichnet. Expräsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani hat sich mit Angehörigen von in den vergangenen drei Wochen verhafteten Regimegegnern getroffen. Von den prominenten Verhafteten gehörten etliche der Regierung von Expräsident Mohammed Khatami an. Dieser hat nun die Vorgänge nach dem 12. Juni offen als "Putsch" bezeichnet.

Bei den Anhängern der Oppositionsbewegung gehen die Versuche der Regierung, die Einheit wieder herzustellen, ins Leere. Die nachträglichen Stimmüberprüfungen nimmt niemand ernst. Die Wahlzettel, die vor laufenden Kameras ausgezählt wurden, waren nicht einmal gefaltet - und die verwunderten Iraner und Iranerinnen fragen sich, wie sie in diesem Zustand in die Wahlboxen hineinkamen. Man spricht offen von einem "schlecht inszenierten Theater".

"Vergessene" Wahlboxen

Dass in der Bibliothek der Universität Shiraz am Montag mehrere ungeöffnete Wahlboxen in einer Ecke gefunden wurden, macht die Sache für das Regime auch nicht gerade besser. Man hatte Journalisten eingeladen, die neue Bibliothek zu besichtigen, und dabei wurden die versiegelten Wahlurnen entdeckt. Ein Journalist machte Fotos und veröffentlichte die Bilder auf seiner Internetseite.

Der Regierungschef sieht nicht wie ein strahlender Wahlsieger aus. Ahmadi-Nejad wirke um Jahre gealtert, sagen Iraner, die seine Fernsehauftritte verfolgen - die seltener geworden sind. Man hat den Eindruck, dass die angeblichen Wahlgewinner sich verstecken, als würden sie sich schämen.

Zeitungen mit leeren Spalten

Die Medien unterliegen nach wie vor einer strengen Zensur. Für die Zeitungen ist es inzwischen fast normal, dass sie mit einigen leeren Spalten erscheinen. Das passiert, wenn in letzter Minute in der Druckerei ein Teil der Berichte auf Anordnung der Behörden herausgenommen wird, ohne Möglichkeit - oder vielleicht auch Willen - sie noch zu ersetzen.

Die bekannten Journalisten - mit Ausnahme von konservativen Autoren - schreiben keine Kommentare mehr. Eine Andeutung zu Nordkoreas Diktator oder Venezuelas Präsident kann genügen, um Journalisten in Schwierigkeiten zu bringen. Dementsprechend wenig interessieren sich die Menschen für die Zeitungen, die Kioske der Hauptstadt präsentieren sich verwaist.

Fast alle Journalisten wurden direkt oder indirekt aufgefordert, sich zu den Wahlen zu äußern. Es gibt eine Liste der Unbeugsamen, die nicht mit ausländischen Sendern reden und keine Kommentare abgeben dürfen. Den Iranern selbst bleiben die Informationen der Farsi-Sender von BBC und Voice of America. Obwohl sie oft gestört werden, kann man sie weiter über variierende Satellitenkanäle empfangen.

Weiterhin gibt es eine starke Präsenz von Basiji-Milizen auf den Straßen. Bei Dunkelheit stehen sie in Teheran und anderen großen Städten wieder an allen Punkten, wo sich Menschen sammeln könnten. Beobachter sprechen davon, dass viele den Blickkontakt mit Passanten scheuen: Man sehe ihnen an, dass sie mit ihrer Rolle nicht glücklich seien. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 6.7.2009)

Kommentar posten
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Perry Rhodan1
00
Die Welt ist mit euch

Freedom for Iran

Dark Angel
00
Weiter mit dem Widerstand!

Die ganze Welt blickt auf Euch! Nicht aufgeben, alle Macht dem Volk!

blubblub
51
USA gibt Israel grünes licht für Militärangriff gegen Iran

http://www.zeit.de/dpa/2009/... 723572.xml

Bis vor kurzen haben mich noch alle gerotstrichtelt als ich erwähnte das im Iran bald Krieg herrschen wird.
Wird jetzt nicht viel anders sein mit den Stricherln, wahrscheinlich wird mans erst dann glauben wenn die ersten Truppen dort sind..

Timagoras
 
01
10.7.2009, 01:28
ja,

der angriff auf den Iran steht wohl unmittelbar bevor - die zeichen sind eindeutig.



zum genau 476. mal in den letzten 8 jahren ;o)

Hasenpfötchen
42

ich nehme Ihnen ein viele Stricherl ab, wenn ich nun schreibe, daß ich einen Angriff Israels befürworte.

blubblub
20
danke :)

Jetzt aber
04
lassen wir einmal beiseite, dass ich anhand der vorhandenen informationen zu tiefst davon überzeugt bin, dass es massiven wahlbetrug gegeben hat

ich kann nicht verstehen, wie - außer man ist totalitärer -egime-fetischist - man die gegenwärtige regierung im iran ernsthaft verteidigen kann. selbst wenn es keinen wahlbetrug gegeben haben sollte, gilt me für demokratien folgendes (der iran ist keine solche, deshalb versteh ich nicht, wieso man ihn verteidigt):

a) demokratie ungleich dikatatur der mehrheit. d.h., wenn ich anderer meinung bin als die mehrheit, darf ich das sagen, ohne angst haben zu müssen, dafür in den häfen zu wandern und/oder zb gefoltert zu werden.
b) menschenrechte (welcher art auch immer, ist zu diskutieren) können nicht gegenstand relativistischer spekulationen sein. sie sind wie man so schön sagt "unteilbar" (nicht gefoltert zu werden ist zb ein menschenrecht).

blubblub
91

Bin auf keinen Fall ein Regimebefürworter.
Aber das sind andere Kulturen. Da gehts einfach anders zu. Das ist dort so.
Genauso wie Frauen in bestimmten Ländern keinerlei Rechte haben. Wenn du den Männern in solchen Ländern was von gleichstellung erzählst sehen sie dich fragend an und lachen dich aus.

Es ist natürlich nicht ok wie gegen Demonstranten vorgegangen wird.
Aber das ist nicht nur im Iran so. Beim G20 Gipfel wars ähnlich. Da wurden verhältnismäßig mindestens genauso viele Demonstranten verletzt. Und das obwohl Gordon brown kein Diktator ist.
Man kann es somit nicht nur aufs Regime schieben das es bei Demos tote und verletzte gibt.

Und auch in der USA ist es gang und gebe das man mit Folter an Geständnisse kommt..

Timagoras
 
10
10.7.2009, 01:34
"Wenn du den Männern in solchen Ländern was von gleichstellung erzählst sehen sie dich fragend an und lachen dich aus. "


dann waren Sie offensichtlich noch nie im Iran und haben sich noch nie mit iranischen menschen unterhalten.

blubblub
01
10.7.2009, 07:46
habe damit nicht unbedingt den iran gemeint

ich sprach allgemein davon dass es nicht zielführend ist anderen ländern unsere regierungsformen aufzudrücken.
Klar sind 'alle Menschen gleich'. Aber sie haben andere Gewohnheiten, andere Menthalität, essen was anderes. Und sie müssen selbst draufkommen was in ihrer Region, mit ihrer Religion und mit ihrer Menthalität am besten funktioniert.

Timagoras
 
10
10.7.2009, 17:06
"habe damit nicht unbedingt den iran gemeint"


wenn'S irgendwelche "naturvölker" auf Borneo oder im Amazonasgebiet meinten, dann hat das aber mit dem thema nichts zu tun.
Iraner sind auf jeden fall nicht die "wilden exoten", als die Sie sie hier hinzustellen versuchen!

blubblub
01
10.7.2009, 19:39

ich versteh nicht wie sie drauf kommen das ich iraner irgendwie hinstellen wollte, weder positiv noch negativ.
Es sind definitiv andere Völker und sie haben andere Sitten. Und das ist auch gut so.

Ich hab nie behauptet das 'wir' besser sind, das haben sie sich aus ihrer eigenen Nase gezogen.

Ich unterstelle ihnen ja auch nicht dass sie was gegen naturvölker aus Borneo oder Amazonasgebiet bewohner haben. Meiner Meinung nach haben diese in vielen bereichen sogar mehr ahnung vom Leben als wir.

Es hat sehr wohl mit dem Thema zu tun. Wenn sie Punkt a) und b) von 'jetzt aber' lesen, dann sind das Themen die nicht nur mit dem Iran in Verbindung stehen.

Aber ich glaube meine Gedanken sind zu weitreichend für sie..

Timagoras
 
10
11.7.2009, 11:10
"Aber ich glaube meine Gedanken sind zu weitreichend für sie.."


ganau so ist es.

Timagoras
 
10
10.7.2009, 01:33
"Aber das sind andere Kulturen. Da gehts einfach anders zu."


was für präpotentes kulturchauvinistisches gequatsche!

die menschen im Iran sind doch keine wilden exoten, "bei denen" es halt so oder so "zugeht"!

die Iraner sind ein hochzivilisiertes kulturvolk, das wesentlich mehr mit den meisten Europäern gemein hat, als Ihnen lieb sein dürfte.



blubblub
01
10.7.2009, 19:42

Lesen sie noch mal.
Ziehen sie meine Meinung nicht gleich ins Negative.
Es ist gut so, dass es auch andersdenkende Völker gibt. Und wir haben das auch so zu akzeptieren.
Das hat nichts mit 'besser' oder 'schlechter' zu tun.

Es ist aber eine Tatsache dass es sowohl im Iran, als auch in China oder vielen teilen der Welt, überall etwas anders zugeht und andere Sitten gebräuchlich sind.

Jetzt aber
00
du musst dich entscheiden, drei felder sind frei...

?????!!!

sorry, aber ich versteh jetzt nixx mehr.

sie schreiben:

"Aber das sind andere Kulturen. Da gehts einfach anders zu. Das ist dort so. "

und weiter:

"Aber das ist nicht nur im Iran so. Beim G20 Gipfel wars ähnlich. etc."

was jetzt: gehts im iran anders zu als bei uns, weil das einfach andere kulturen sind? oder gehts bei uns genau so zu wie bei den anderen kulturen?

wer sind jetzt die bösen?

DerMitÜ
03
Bemerkenswert wie Sie es immer wieder aufs Neue schaffen, so viel Nonsense in ein Posting zu packen

Haben Sie überhaupt irgendeine Ahnung von der Geschichte, Gesellschaft und Kultur des Iran oder posten Sie einfach wirres Zeug, weil Ihnen grad fad ist? Was heißt ihr andere Kulturen?!

Über den Vergleich zwischen G20 Gipfel und den Protesten im Iran brauchen wir wohl gar nicht reden. Der ist sowieso sinnfrei.

Reddogg
 
20

Bzgl. des G20-/G8-Gipfels-Vergleich warum ist der Sinnfrei? Schmerzen die Knüppelschläge etc. von britischen/deutschen Polizisten, sogenannten Sicherheitskräften weniger, als die bei den iranischen?
Was ist mit dn chinesischen? Oder gar ganz andere Länder?
Ihrer Meinung nach ist wohl ein Unterschied ob jemand im "Westen" demonstriert gegen unsere "Demokratien" oder ob man z.B. im Nahen Osten FÜR die "westl. Demokratie" protestiert...
Bei beiden werden/wurden, Autos angezündet, Häuser gingen in Flammen, Steine wurde geworfen etc. Warum haben z.B. die brit. oder deutschen Sicherheitskräfte das Recht, manche würde sogar von Pflicht sprechen, diese Demonstranten zu "knüppeln" und andere Sicherheitskräfte nicht. Doppelte Standards?

gert poelzl1
01

ich würde gerne wissen, wie hoch der Ausländeranteil bei diesen Basiji-Milizen beträgt.

Hat davon jemand eine Ahnung ?

Weh Ess Deh
00
Ahnungen ja...

...aber keine nachprüfbaren Informationen von unabhängiger Seite. Demonstranten schrieben, dass auch Araber (Libanesen, Syrer) dabeigewesen seien, allerdings ist die Zahl der iranischen Basiji so hoch, dass die Frage auftaucht, wozu man die gebraucht hätte.
Vonseiten der Demonstranten wird vorgebracht, dass Iraner nicht auf ihre Landsleute schiessen würden, weshalb man die Ausländer, die in Ausbildungscamps gerade "bei der Hand gehabt" hätte, vorgeschickt hätte. Allerdings, wie gesagt, da das Regime ja alle normalen Nachrichtenstationen behindert hat, sind unabhängige Berichte nicht aufzufinden.

waterlily
11

Anfangs ist das Gerücht umgegangen, dass relativ viele Hisbollah-Leute unter die Basijis gebracht wurden, zuletzt hörte ich, dass das ein Gerücht war, das daraus entstanden ist, weil die Basijis nicht in ihrer Heimatregion eingesetzt wurden und somit viele Basijis z.B. aus dem Süden (mit entsprechend anderem Akzent und teilweise auch größerem Einfluß aus dem arabischen Sprachraum) in Nord- und Zentraliran angetroffen wurden. Weiss auch nicht, was davon wirklich stimmt und somit auch nichts über den Ausländeranteil.

waterlily
12

Das nenne ich Solidarität:

http://www.youtube.com/watch?v=2xfoWW3bhV8

Weh Ess Deh
00
Man muß ja dem Khatami und dem Ahmadi eines lassen...

...mit der Wahlfälschung haben sie den absoluten Rekord nicht brechen können:

Diesen hält Mobutu Sese Seko, der Große Führer Zaires (Gott hab ihn unselig), von Frankreich und den USA unterstützt (womit ich auch klarmachen will, dass ich nicht einseitig beobachte), der folgendes geschafft hat:

Mobutu war der einzige Kandidat, die Wähler hatten zwei Kreise zum Ankreuzen zur Auswahl: Grün für Hoffnung und rot für Chaos: Mobutu gewann folgendermassen: 10,131,699 to 157 (99,9999449% Zustimmung für grün und Mobutu).

Der hat nichts dem Zufall überlassen.

Hab ich jetzt nur wegen der Merkwürdigkeit gepostet.

boerney
117
Bei diesen teilweise etwas schlichten Postings ...

... zu erkennen an ihrer roten Färbung (Bewertung) sehe ich mich gezwungen, mal etwas klarzustellen.

Wenn eine Mehrheit der Bevölkerung eines Landes die ausgeübte Politik ablehnt, sich aber aus bekannten Gründen nicht durchsetzen kann, so sehe ich es durchaus als legitim an, diese Menschen von ausserhalb zu unterstützen.

Man kann schlecht die Meinung vertreten, dass uns die Sache nichts angeht. Würde in unserem Land gefoltert, gemordet und geprügelt, würde ich jede Einmischung von ausserhalb begrüßen!

Und auch ich kenne einige Iraner in unserem Land: Und diese sind zutiefst betroffen über die Dinge, die dort passieren ...

Fröhlich sein hilft
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Müssten wir nur noch 2 Dinge klären:

1.) Ist es eine Mehrheit?
2.) Was wie stark wird abgelehnt?

ad 2.) mit "wie stark" ist gemeint, in welchen Rahmen; in Österreich wird auch viel abgelehnt.

ad 1.) und 2.):
was passiert in Iran wirklich? Was ist mit Neda geschehen? Was ist mit den Ausländer, die verhaftet wurden?

Meiner Meinung ist es nicht so einfach, wie es dargestellt wird.

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