Vor Russland-Besuch

Medwedew fordert US-Zugeständnisse bei Raketenschirm

5. Juli 2009, 09:46

Moskau erwartet von Obama "Zurückhaltung und Kompromissbereitschaft"

Moskau - Kurz vor dem Besuch von US-Präsident Barack Obama in Moskau hat Russlands Führung eine Verringerung der russischen Atomwaffen erneut an ein Ende der US-Pläne für eine Raketenabwehr geknüpft. Solange Washington an dem in Polen und Tschechien vorgesehenen System festhalte, würden die russischen Streitkräfte ihre volle atomare Schlagkraft aufrechterhalten, sagte Präsident Dmitri Medwedew in einem Interview für italienische Medien, dessen Inhalt am Sonntag in Moskau veröffentlicht wurde. "Für uns hängen beide Dinge zusammen", sagte Medwedew im Vorfeld des amerikanisch-russischen Gipfeltreffens.

"Es ist notwendig, Zurückhaltung und Kompromissbereitschaft zu zeigen. Dann können wir uns auf ein neues START-Abkommen einigen und uns gleichzeitig darüber verständigen, wie wir mit der Raketenabwehr umgehen", erklärte der russische Präsident. Der 1991 noch zwischen der Sowjetunion und den USA geschlossene Vertrag über die Strategische Abrüstung (START-I) läuft im Dezember aus. Obama wird sich von Montag bis Mittwoch in Russland aufhalten. Die Führung in Moskau sieht in dem geplanten Raketenschutzschild, von dem Teile in Polen und Tschechien stationiert werden sollen, eine Bedrohung für Russland. Die USA wollen damit nach den Plänen der früheren Regierung von Ex-Präsident George W. Bush Raketenangriffe aus Ländern wie dem Iran oder Nordkorea abwehren.

Medwedew lobte die Dialogbereitschaft der neuen US-Administration bei der US-Raketenabwehr. Obamas Vorgänger Bush, der das System vorangetrieben hatte, sei in dieser Frage "sehr hartnäckig" gewesen. Auch Obama sagte in einem Gespräch mit russischen Medien, die bilateralen Beziehungen seien zuletzt "nicht so fest gewesen, wie sie sein sollten". Die USA wollten mit Russland "gleichberechtigt zusammenarbeiten", betonte er vor Antritt seiner Reise.

Zusätzliche Sanktionen gegen den Iran hat Medwedew als "kontraproduktiv" abgelehnt. Nach seinem Verständnis seien die USA bestrebt, "offenere und direktere Beziehungen" zu Teheran zu schaffen. Moskau unterstütze sie dabei. Weitere Strafmaßnahmen gegen den Iran könnten dabei nur schaden. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte bereits Ende Juni beim Treffen der G-8-Außenminister in Triest erklärt, den Iran zu isolieren sei der "völlig falsche Ansatz". Medwedew nimmt kommende Woche am G-8-Gipfel in Italien teil.

Obama hat Medwedew in dessen Ziel einer freieren Gesellschaft unterstützt. "Ich stimme Präsident Medwedew zu, wenn er sagt, dass Freiheit besser sei als das Fehlen von Freiheit", sagte Obama der oppositionellen Zeitung "Nowaja Gaseta". Das Interview sollte am Montag veröffentlicht werden. Er unterstütze Medwedews Vorhaben, die Rechtsstaatlichkeit zu stärken und das Justizsystem zu sanieren, sagte der US-Präsident. Dass Obama der "Nowaja Gaseta" ein Interview gab, ist von großer Symbolkraft. Die Zeitung hat mehrfach über Korruption und Rechtsverstöße in Behörden berichtet. Ihre bekannteste Reporterin Anna Politkowskaja war im Jahr 2006 ermordet worden. Im Jänner wurde die Journalistin Anastasia Baburowa getötet, die ebenfalls für das Blatt arbeitete.

Medwedew hat unterdessen eine Begnadigung des inhaftierten Ex-Ölmagnaten und Regierungskritikers Michail Chodorkowski zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen. Laut russischem Gesetz müsse sich der frühere Eigentümer des mittlerweile zerschlagenen Ölkonzerns Yukos zunächst des Betrugs schuldig bekennen, bevor der Präsident von seinem Amnestierecht Gebrauch machen dürfe, sagte Medwedew in dem Interview für italienische Medien. Obama kritisierte den derzeit laufenden zweiten Prozess gegen Chodorkowski. Die neue Anklage gegen den Ex-Oligarchen sehe aus wie die umformulierte alte Anschuldigung, sagte Obama in seinem Gespräch mit "Nowaja Gaseta". (APA)

Anyuser
 
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Vielleicht sollte Obama weniger das Gönnerhafte Russland gegenüber heraushängen lassen

Es ist ja etwas überheblich wenn Obama in paternalistischer Manier dem Medwedew wohlwollend auf die Schulter klopft und ihm den Weg weist, als ob er das dringend brauchen würde. Gleichzeitig tadelt er Putin wegen des einen Fußes, der nach Obamaschem Verständnis in der Vergangenheit verweilt.

Oder worauf bezog sich Neustart? Auf die Intersivierung der Einmischungen und väterlicher Bevormundung? In dem Fall war der Falschschreibung auf dem Reset Knopf entweder eine Freud'sche Fehlleistung oder eine Ankündigung.

NONE
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Setzen wir ein Zeichen - lösen wir die NATO auf.

CaptainMaxwell
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Nun, die NATO hat als westliche Militärallianz die ausserhalb der UN steht schon ihren Sinn. Weniger wegen dem russischen Gespenst, eher wegen hunderter anderer Einsätze.

Granted, bei den gegenwärtigen politischen Verhältnissen ist sie eher eine Verlängerung der USA - wird man aber nicht wegbringen, solange der nuclear umbrella der USA auch über Europa wacht. Die Europäer können schwer eine Allianz auflösen die ihnen im Falle des Falles ihr Überleben garantiert.

Solange diese Abhängigkeit vom Atomgespenst nicht weggeht (und mangels konventioneller Schlagkraft wird Russland seine Atomwaffen nachwievor brauchen - wast eh, Obervolta und so) wird auch niemand die NATO in ihrer bestehenden Form umbauen.

Noitulover
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Die Frage die ist aber würde die EU den Atomschirm überhaupt brauchen?

Die heutigen, sagen wir mal, Feinde, von denen eine Bedrohung ausgeht, hat EU doch nicht zuletzt der NATO selbst zu verdanken und durch die ganzen militärabenteuer der USA, an denen EU-Länder automatisch teilnehmen müssen. So gesehen ist Europa selbst der nuclear umbrella der USA, weil sie einfach näher liegt. Und für USA gilt immernoch, je mehr Bomben/Raketen richtung Europa fliegen, desto weniger fliegen richtung USA, nicht wahr?

Jimmy Neutron
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Auflösung der Nato? Können wir machen. Aber wie sicher können sich dann etwa die baltischen Staaten fühlen? Russland könnte irgendwann versuchen, im Vorwand, die Demütigungen der russischstämmigen Bevölkerung in diesen Ländern nicht länger hinnehmen zu wollen, in das Baltikum (erneut) einzumarschieren und dabei auch ein Korridor nach Kaliningrad zu schaffen. Ähnlich ist die Problematik in vielen anderen Ländern südlich von Russland (vor allem Georgien), im Osten (Kurilleninseln) und sogar im Norden (Arktis, Nordpol). Ein bisschen "Beobachtung" der internationalen Gemeinschaft ("Gespenst" Nato) schadet nicht. Oder haben Sie einen besseren Lösungsvorschlag?

Noitulover
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Ich hätte ein Vorschlag, wie wäre es wenn EU seinem Mitglied mal beibringt, dass Minderheitendiskrimination nicht gut ist. Dann müsste auch niemand irgendwohin einmarschieren, oder? Und ein bisschen "Beobachtung" ist aufgabe der UNO und nicht der NATO, NATO ist nähmlich nicht die Welt wissen sie.

Spielverderber1
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das gilt natürlich auch bilateral

es ist besser aussenpolitisch etwas freiraum zu haben als die Nato in georgien manövrieren zu lassen..

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