Mehr Musik, weniger Reden

    12. Juli 2009, 17:09
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    25 Jahre nach ihrer Gründung klingt die Band Dinosaur Jr. auf "Farm" frischer, fröhlicher und melodischer als jemals zuvor

    Zehn Sekunden dauert es, bis sich der erste Akkordwechsel in die Ohren brennt. Die Lautstärke endlich wieder voll aufgedreht, folgt wenig später gleich das erste melodische Highlight. Ein paar kurze Wortfetzen und schon ist es da: das Solo der Gitarren, die aufjaulen, wie man es schon so lange vermisst hat. Dinosaur Jr. melden sich mit "Farm", ihrem insgesamt zwölften Album in 25 Jahren, eindrucksvoll zurück.

    Alte Streithanseln

    1985 erblickte Dinosaur Jr. das Licht der Welt, davor waren die Bandmitglieder noch einfach als "Dinosaur" unterwegs. Von Anfang an hatte die Band einen eigenen unverwechselbaren Stil - sie brachten die Melodie in den Grunge. Legendär sind die Streitereien zwischen Sänger J Mascis und Bassisten Lou Barlow, Schlagzeuger Murph dürfte in Anbetracht der Auseinandersetzungen seiner beiden Kollegen wohl der ärmste Teil von Dinosaur Jr. sein. Die Diskrepanzen zwischen Mascis und Barlow führten 1998 zur Auflösung der Band. 2005 folgte die Reunion und nun ein neues Album, das wahrlich als grandios bezeichnet werden kann.

    Mehr Musik, weniger Reden

    In einem Interview wurde J Mascis gefragt, wie es denn nun innerhalb der Band mit den andauernden Streitereien aussehen würde, er antwortete: "Wir haben einen sehr guten Weg gefunden, miteinander zu arbeiten und miteinander umzugehen. Wir unterhalten uns nur noch dann, wenn es etwas wirklich Wichtiges zu besprechen gibt." Der Musik tut diese freiwillige Selbstbeschränkung auf Allgemeinplätze in der Kommunikation der drei Musiker sichtlich sehr gut.

    Dinosaur Jr.-esker

    "Farm" ist laut, brachial, melodisch-hymnisch. "Farm" ist Dinosaur Jr. Drei sechs-minütige Stücke, die niemals langweilig werden, zwei Songs von Lou Barlow und ein jammernder, nuschelnder Mascis, der an die Anfänge der Band erinnert. Dennoch sind die Lieder unverkrampfter, frischer und sonniger. Grandiose Melodien, immer schon ein Markenzeichen der Band, formen ein stimmiges, einheitliches Werk, das beim Lauthören richtig Spaß macht.

    Nicht nur für Fans

    Wen die Band in den letzten 25 Jahren begleitet hat, der wird das neue Album sicherlich lieben. Aber nicht nur Fans von "Dinosaur Jr." sollten sich das neue Album genauer anhören und genießen: Vor wenigen Jahren erlebte Nirvana einen neuen Höhenflug. Erstaunlich aber wahr, die Band war vielen Kids nicht mehr bekannt und wurde neuentdeckt. Dinosaur Jr. sind zwar weniger Kult, nichtsdestotrotz aber ebenso wert neu entdeckt zu werden. Dreht die Lautstärkeregler bis zum Anschlag hoch und genießt. Als Anspieltipps für Fans und solche die es noch werden wollen Pieces, Plans und Over It.

    Eine Warnung für Europa

    Europäische Musikliebhaber sollten allerdings beim Kauf der CD Vorsicht walten lassen: Wie auf der Homepage der Band groß angekündigt ist, dürfte sich bei der Pressung der Tonträger ein Fehler eingeschlichen haben. Das Ergebnis soll nicht so klingen, wie die Band beansichtigt hatte. Das Label hat eine eigene Webseite eingerichtet, auf der genaue Details zu der fehlerhaften Pressung zu finden sind. KundInnen können ihre CD kostenlos umtauschen.

    Alles beim Alten, gut so

    Dinosaur Jr. sind die Alten geblieben. Oder besser gesagt, sie haben sich der alten Stärken besonnen. Und das ist wahrlich gut so. Die Reunion wurde von Vielen als Fehler bezeichnet, der wenig bringen wird. Doch die Musiker haben die SkeptikerInnen eines Besseren belehrt. Das Album hätte auch vor 20 Jahren erscheinen können. Damals - kurz nach dem Erfolgsalbum "Bug" - wäre die Band wohl als neues Highlight abgefeiert worden. Heute ist es deutlich stiller und ruhiger um "Dinosaur Jr." - aber das dürfte der Band gut tun, denn die ist lauter und besser denn je. (Gregor Kucera, derStandard.at, 05.07.2009)

     

    • Dinosaur Jr.: "Farm" (Pias Inter/Edel)
      cover: pias inter (rough trade)

      Dinosaur Jr.: "Farm" (Pias Inter/Edel)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Patrick 'Murph' Murphy, Lou Barlow und J Mascis (v.l.n.r.)

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