KDE und GNOME wollen Zusammenarbeit verstärken

5. Juli 2009, 09:26
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Unterschiedliche Ansätze aber einheitlichere Basis - Freedesktop.org soll revitalisiert werden - Betonung von Gemeinsamkeiten

Gleich zum ersten Tag des Gran Canaria Desktop Summit verdeutlichen die KDE und GNOME-Projekte, dass man es mit der Intensivierung der Zusammenarbeit durchaus ernst meint: Im Rahmen einer Pressekonferenz streute man einander nicht nur Rosen - etwa wenn Sebastian Kügler aus dem KDE-Vorstand den GNOME-Gründer Federico Mena-Quintero als "legendären Hacker" bezeichnet, sondern plaudert auch über gemeinsame Projekte.

Revitalisierung

So waren sich im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz die Vertreter der beiden Desktop-Projekte einig, dass das derzeit in einem eher unklaren Status verharrende Freedesktop.org-Projekt revitalisiert werden soll. In den letzten Tagen hatte vor allem KDE-Entwickler Aaron Seigo kritisiert, dass die Verantwortlichkeiten hier momentan vollkommen undurchsichtig seien. In einer Birds-of-Feather-Session soll nun im Rahmen des GCDS eine gemeinsam Lösung gefunden werden.

Spezifikationen

Dabei soll Freedesktop.org wieder zu dem werden, wozu es ursprünglich konzeptioniert wurde: Zu einem Sammelplatz für gemeinsame Spezifikationen auf deren Basis dann die einzelnen Desktop-Projekte ihre eigenen Lösungen implementieren. Dabei gehe es nicht darum, dass die Spezifikationen auch tatsächlich in diesem Rahmen entwickelt würden, wie Mena-Quintero betont, sondern bereits vorhandenes - und erprobtes - zu sammeln und weiter zu diskutieren

Stecker

Wie wichtig diese Aufgabe ist, verdeutlicht der GNOME-Gründer mit einem recht bildlichen Vergleich: Derzeit sei die Situation in vielen Bereichen so wie bei den von Land zu Land variierenden Stromsteckern: Verschiedenste Lösungen für ein und das selbe Problem, die oft nur deswegen entstanden sind, da man parallel entwickelt habe anstatt sich zusammenzusetzen. Genau diese kleinen Unterschiede machen aber Dritt-EntwicklerInnen das Linux-Leben unnötig schwer, wie Kügler herausstreicht. "Wir müssen hier eine klare Plattform definieren".

Benachrichtigungen

Konkrete Beispiele weiß man entsprechend bereits einige zu nennen, allen voran eine derzeit in Diskussion befindliche Spezifikation für ein einheitliches Benachrichtungssystem. Damit könnten dann KDE-Anwendungen sich auch in diesem Bereich besser unter GNOME integrieren - und umgekehrt. Ein weiteres Beispiel nennt GNOME-Entwickler Dave Neary mit dem gesamten Bereich der Sammlung von Metadaten. So soll auch das vor allem im GNOME-Umfeld entstandene Tracker künftig das bei KDE genutzte Nepomuk als Backend nutzen.

Erfolgreich

Aber schon in den letzten Monaten und Jahren habe es zentrale Fortschritte bei Cross-Desktop-Technologien gegeben, allen voran, die unterschiedlichen *Kit-Tools. Dazu gehören etwa das Authentifizierungsframework PolicyKit, der HAL-Ersatz DeviceKit oder das Paket-Tool PackageKit. Für die Zukunft sei eigentlich so ziemlich alles, was nicht direkt das User Interface betrifft ein Kandidat für eine Vereinheitlichung, fasst man die Grenzen recht weit.

Jenseits des Tellerrands

All das wird natürlich nicht von KDE und GNOME alleine zu bewältigen sein, immerhin sind für die Qualität eines Desktops noch einige andere Projekte zuständig. Gerade in dieser Hinsicht sei eine gemeinsame Konferenz sehr hilfreich, sei diese damit doch klar erkennbar der zentrale Linux-Desktop-Entwicklungs-Event des Jahres - und ziehe auch externe EntwicklerInnen an. Davon unabhängig gäbe es aber auch bei dem einen oder anderen Projekt fundamentale Probleme zu lösen, vor allem beim Grafikserver X.org mit einem kaum vorhandenen Release Management sei die Situation derzeit alles andere als erfreulich.

Erwartungen

Bei all der Übereinstimmung in den Einschätzungen und dem Einschwören auf eine verstärkte Kooperation: An eine Zusammenlegung der Projekte glaubt man auch auf Sicht nicht. Immerhin gebe dafür zu unterschiedliche Ansätze in Bezug auf die User Experience. Selbst innerhalb der Projekte gebe es hier teilweise verschiedene Vorstellungen, eine Diversität, die man durchaus für eine Stärke hält. (Andreas Proschofsky  [@suka_hiroaki auf Twitter] aus Las Palmas / Gran Canaria, derStandard.at, 05.07.2009)

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