EU klagt Österreich

Mangelhafte Umsetzung bei Datenspeicherung

5. Juli 2009, 09:01

Österreich weigert sich, die EU-Richtlinie zur Speicherung von Telefon- und Internetdaten umzusetzen - Bures will weiter "Mindestumsetzung der Richtlinie"

Wien - Die EU-Kommission hat der Republik Österreich die beim EuGH eingebrachte Klage wegen Nicht-Umsetzung der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung zugestellt. Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) kündigte am Sonntag in einer Aussendung erneut an, nur eine "Mindestumsetzung der Richtlinie" anzustreben. Bereits nach dem Urteil des EuGH vom Februar, in dem das EU-rechtskonforme Zustandekommen der Richtlinie bestätigt wurde, wurde eine Gruppe unabhängiger Experten beauftragt, einen Gesetzesentwurf zu erstellen.

Der Entwurf soll allen datenschutzrechtlichen und rechtsstaatlichen Standards und Erfordernissen gerecht werden, so Bures. In der ExpertInnen-Gruppe unter Federführung des Boltzmann-Instituts für Menschenrechte sind nicht nur Grundrechts-, Datenschutz- und Strafrechtsexperten, sondern auch Fachleute aus der technischen Praxis vertreten. "Im Umgang mit personenbezogenen Daten ist größte Sorgfalt das oberste Gebot. Daher steht für mich im Vordergrund, dass eine Regelung gefunden wird, die den größtmöglichen Schutz persönlicher Daten sicherstellt", betonte die Ministerin.

Da es sich um eine Speicherung von Daten auf Vorrat handelt, also ohne, dass es Verdachtsmomente gegen eine bestimmte Person gibt, seien höchste datenschutzrechtliche und rechtsstaatliche Standards "ein absolutes Muss", so Bures. Daher will die Ministerin nur eine "Mindestumsetzung der EU-Richtlinie", also eine maximal sechsmonatige Speicherdauer der Daten. Die EU-Richtlinie sieht eine Bandbreite von 6 Monaten bis 2 Jahren vor.

"Zu sensibel für Schnellschüsse"

Bures bekräftige außerdem, trotz Eintreffen der Klage am vorgesehenen Zeitplan für die Umsetzung der EU-Richtlinie festhalten zu wollen. "Dieses Thema ist viel zu sensibel für Schnellschüsse." Seit Vergabe des Auftrags haben drei offizielle Roundtables und intensive Gespräche durch das Institut mit Betreibern, mit NGOs, den Sozialpartnern sowie dem Rechtsanwaltskammertag, mit den beteiligten Ministerien, dem Datenschutzrat, Vertretern der österreichischen Richtervereinigung und der Datenschutzkommission stattgefunden. Der Entwurf des Boltzmann-Institutes, wird für September erwartet, mit dem Koalitionspartner ist vereinbart, diesen abzuwarten und auf dieser Basis interministeriell und danach letztgültig politisch zu verhandeln. Mit der Umsetzung ist frühestens Anfang 2010 zu rechnen. (red, APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 140
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Jassi Ha
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Minimum

für Österreich nicht ausreichend.

HotDoc
01

Minimum ist in diesem fall schon zu viel!!!

Wollkönigin
00
Grund?

Ihrer Meinung nach?

.red bull
03
Ja, das gefällt mir von Österreich ...

möge die Eu-Bonzen doch den Amis doch alleine in den A..... kriechen

esistnichtwasesist
30
1+1=2

parallel dazu weigert sich oesterreich, korruption fuer oesterreichische abgeordnete zu kriminalisieren. bei vorratsdatenspeicherung liesse sich wohl viel leichter herausfinden, wer mit wem "kontakte" hat.

Der elegante Herr von nebenan
 
27

Ich möchte daran erinnern, dass die EU-Abgeordneten der SPÖ und der ÖVP geschlossen für diese Richtlinie gestimmt haben.

.red bull
00
Für den gelogenen Anteil bezüglich der SPÖ-Abgeordneten gibt von mir ein ROT!

Mirabeau
02

Karin SCHEELE und Jörg LEICHTFRIED von der SPÖ haben dagegengestimmt.
Nur die ÖVP stimmte geschlossen dafür.

nonaned1
00
Auf EU Ebene dafür, in Ö dagegen

Politische Taktik der ÖVP und SPÖ um der EU die Schuld hinschieben zu können. Uns reicht es mit euch!

Tut-ench-amun
 
01

Hoffentlich zögert Österreich weiter...

José Atento
014
Jede Form der Vorratsspeicherung wird irgendwann einmal missbraucht werden.

Das ist nur eine Frage des Systems.

Und der Trend zu mehr Faschismus ist international gut zu beobachten.

Bitte Bitte
00
Irgendwann ist gut

Die NSA liest bereits mit.

Wollkönigin
00

Aber schon seit mindestens 10 Jahren ...

José Atento
00

Gut, die NSA ist mir relativ egal,
ABER wenn der Ö Staat oder andere EU Institutionen Daten nutzt, um mich auszuspionieren und vielleicht persönliche Daten sogar gegen mich verwendet, dann sehe ich die Freiheitsrechte (ein Grundrecht der Verfassung) in Gefahr. Die Grenze zum Faschismus ist dann nicht mehr weit.

sailer
07
Warum so zaghaft

sonst sind euch ja die Daten der Österreicher auch wurscht.

Wollkönigin
01

Davon sang auch Ferrero-Waldner dereinst ein schallendes Liedchen.

bösartiger gutmensch
010

bei derartigen berichten hätt ich auch immer gerne die information, wie der österreichische vertreter im ministerrat und in weiterer folge die österreichischen parlamentarier im EU-parlament abgestimmt haben. hier liesst sich das als "böse EU will datenspeicherung" und "brave österreichische gesetzgebung zögert bei umsetzung".

Mirabeau
013

Fünf der sechs ÖVP Abgeordneten habe dafür gestimmt.
Fünf der sieben SPÖ Abgeordneten haben dafürgestimmt.
Schüssel hat im Ministerrat dafürgestimmt.

Dagegen waren die zwei Grünen, H.P.Martin, Resetarits und zwei rote Abgeordnete.

istjainteressant
02

wobei noch anzumerken ist, dass der sechste övp-abgeordnete (paul rübig) nicht dagegen gestimmt hat, sondern schlicht nicht anwesend war. also haben 100 % der anwesenden övp-abgeordneten dafür gestimmt.

bösartiger gutmensch
04
herzlichen dank!

tja: dann offenbart sich die widerständige haltung als bloße augenauswischerei.

würden die medien diese informationen immer in ihren artikeln mit einfließen lassen, könnten die heimischen politiker nicht so leicht auf brüssel eindreschen und hätten die hiesigen parteien auch eine verantwortung hinsichtlich der in brüssel/strassburg getroffenen entscheidungen.

die medien sind hier mE in die verantwortung zu nehmen.

Der auf der Nudelsuppen dahergschwommen is
 
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kann mich nur meinen vorpostern anschließen

da jammern unsere "qualitätsmedien" über die steigende eu skepsis und verabsäumen es dabei ständig selbst, die verantwortlichen beim namen zu nennen.

Bitte Bitte
00
Welche Qualitätsmedien?

Oops, ich habe die Anführungsstriche übersehen.

sailer
10
wie schauts mit elga aus und werden medizinsiche daten vom ams noch immer weitergegeben?

http://www2.argedaten.at/session/a... 2_INP.html

Ui Jessasna
01
"Österreich weigert sich...."

Ha, ha, ha, klingt ja unglaublich komisch, wenn sich nun Bures heldenhaft der bösen EU verweigert, obwohl Österreich (und die SPÖ) bei den üblichen Vorverhandlungen diese Richtlinien längst akzeptierten (sonst käme ja keine Klage). Jetzt übertrifft die Bures schon unsere Provinzpolitiker, die auch gerne bei ihrem Wählervolk damit punkten, fest "auf die in Wien" zu schimpfen, sie macht es jetzt mit der EU, um sympatisch zu wirken. Ihr Statement allerdings hier ist ein Schmarrn, denn sie gibt kein Argument zum besten, warum sich Österreich jetzt (zu spät) weigert. Und für gefällige anti-'EU'-Poster - bitte erst die Richtlinien lesen (Link), um nicht so viel emotionellen Unsinn zu posten, dass Österreich geschadet werden soll...

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