"Microsoft ist der erklärte Feind von freier Software"

4. Juli 2009, 15:36
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FSF-Gründer legt bei der Kritik an der Verwendung von C# nach - "Apple will uns wenigstens nicht vernichten"

Wenn der Gründer der Free Software Foundation, Richard Stallman, zur Keynote einer Computerkonferenz geladen wird, ist das immer für eine Kontroverse gut. Beim  derzeit im spanischen Las Palmas abgehaltenen "Gran Canaria Desktop Summit" waren die Voraussetzungen aber dieses Mal besonders "gut": Hatte es doch in den letzten Tagen und Wochen eine neu aufgeflammte Auseinandersetzung rund um C# - bzw. darin verfasste Open Source Programme - gegeben.

Nachgelegt

So ließ es sich dann Stallman vor der versammelten Schar der EntwicklerInnen aus den KDE- und GNOME-Projekten nicht nehmen, seine Position noch einmal zu bekräftigen: Freie SoftwareentwicklerInnen sollten ihre Programme nicht auf C# basieren, dies wäre ein Weg mit dem man Microsoft in die Falle gehen würde. Die technischen Vorteil von C# seien in diesem Fall nicht entscheidend, es gehe um die Freiheit der BenutzerInnen.

Implementation

Zwar sei er durchaus für freie Implementationen von .Net - wie sie etwa Mono oder DotGNU darstellen - die Nutzung sollte sich aber weitestgehend auf jene Programme beschränken, die sonst nur auf nicht-freien-Plattformen verfügbar wären. Vor allem die Entwicklung von zentralen Anwendungen in C# sei  ein Problem, denn so könnte Microsoft eines Tages seine Patente in Stellung bringen und dem freien Desktop nachhaltig schaden.

Komponenten

Dem immer wieder vorgebrachten Argument, dass praktisch alle Software von Patenten betroffen ist, und so C# nicht grundlegend gefährdeter ist als andere Komponenten - vom Window Manager bis zur Office-Suite - stimmte Stallman in seinem Vortrag zwar prinzipiell zu, allerdings sei Microsoft nicht irgendein Unternehmen, sondern der "erklärte Feind" von freier Software. Das Unternehmen habe schließlich in der Vergangenheit klar gemacht, dass es ihm darum gehe "GNU auszulöschen". Insofern gebe es einen klaren Unterschied zwischen dem bewussten Eingehen von Risiken und dem blinden Hineinlaufen in eine Falle.

Diskussion

Die anschließende Diskussion wurde dann teilweise recht hitzig geführt, so wurde mehrmals darauf hingewiesen, dass der Kern von Mono nicht gefährdet sei, da er nur das implementiert, was Microsoft offen in einer Reihe von ECMA-Dokumenten spezifiziert habe. Stallman hielt dem entgegen, dass er zwar die genaue Situation nicht zu hundert Prozent kenne, aber wisse dass dem Software Freedom Law Center die Versprechungen von Microsoft nicht reichen würden.

Versprechungen

Auf die Frage, ob ein Szenario denkbar wäre, in dem C# auch für freie Software aus seiner Sicht bedenkenlos nutzbar wäre, verwies Stallman auf die Notwendigkeit eines rechtlich bindenden Versprechens von Microsoft, keine entsprechende Patentklagen zu führen. Doch auch zu einem anderen im Betriebssystembereich tätigen Unternehmen äußerte sich der FSF-Gründer: Apple sei praktisch genau so schlimm wie Microsoft, aber "zumindest haben sie es sich nicht zum Ziel gesetzt uns zu vernichten". (Andreas Proschofsky  [@suka_hiroaki auf Twitter] aus Las Palmas / Gran Canaria, derStandard.at, 04.07.2009)

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