"Menschenhandel war nicht verifizierbar"

3. Juli 2009, 19:14

Kurt Kemeter, Stadtpolizeikommandant von Graz, erklärt, dass genügend seiner Beamten gegen Menschenhandel im Einsatz seien und ein Bettelverbot für unnötig

Standard: Sie haben kürzlich gesagt, in Graz gebe es keine unfreiwillige Bettelei. Sehen Sie das immer noch so?

Kemeter: Moment, ich habe nur gesagt, wir haben keine Kenntnisse darüber, es war nicht verifizierbar.

Standard: Nun wurde in Graz der Fall einer Rumänin bekannt, die angibt, als Kind verkauft und hier zum Betteln gezwungen worden zu sein.

Kemeter: Das ist eine familiäre Geschichte. Sie hat Teile davon bei der Polizei widerrufen. Das hat sie unterschrieben. Ob es um Menschenhandel geht, wird die Staatsanwaltschaft überprüfen.

Standard: Kann es sein, dass sie bei der Einvernahme Angst hatte?

Kemeter: Diese Person ist nicht in einer Verfassung wie andere ihres Alters, daher sind ihre Aussagen mit größter Vorsicht zu genießen. Meine Beamten kamen durch ihre große Erfahrung zu dem Schluss, dass diese Verschleppung nicht statt gefunden hat. Aber es geht ihr sicher nicht gut, sie will nicht zu ihren Eltern zurück.

Standard: Wie kann man Menschenhandel beweisen und haben Sie genügend Beamte dafür?

Kemeter: Ja, wir haben genügend gute Beamte, eine eigene Truppe für Menschenhandel und spezielle Ermittlungsmethoden, die ich Ihnen nicht erzählen darf.

Standard: Halten Sie ein Bettelverbot oder ein verschärftes Landessicherheitsgesetz für notwendig?

Kemeter: Für den Tatbestand des Menschenhandels und der Nötigung ist es nicht nötig. Das ist strafrechtlich verfolgbar. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Print-Ausgabe, 4./5.7.2009)

ZUR PERSON: Kurt Kemeter (50) ist seit der Polizeireform im Juni 2005 Grazer Stadtpolizeikommandant.

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