STANDARD-Interview

"Dann sind wir also quitt"

3. Juli 2009, 18:04
  • Artikelbild
    foto: apa

    Stéphane Lissner: "Wäre ich nach Salzburg gegangen - und ich wäre erst ab 2013 verfügbar gewesen, das habe ich auch sofort dazugesagt -, hätte ich natürlich die Mailänder Scala und die Wiener Festwochen verlassen."

Stéphane Lissner war einer der aussichtsreichen Kandidaten für die Intendanz in Salzburg

Mit Andrea Schurian sprach er über sein Konzept und Erfahrungen mit Medien.

***

Standard: Wollten Sie eigentlich den Job als Intendant der Salzburger Festspiele?

Lissner: Ich bin von verschiedenen Seiten in Österreich gefragt worden, was ich zur derzeitigen Situation der Salzburger Festspiele meine. Daraufhin habe ich verschiedene Dinge angesprochen, aber im Wesentlichen Folgendes geantwortet: Salzburg braucht mehr als nur einen Intendanten, sei dieser auch noch so gut. Salzburg braucht, um in Zukunft bestehen zu können, einen erstklassigen Musiker von internationalem Format, der sich neben seinen musikalischen Fähigkeiten über die musikalische, philosophische und politische Dimension der zukünftigen Festspiele Gedanken macht. Das wäre meiner Ansicht nach Daniel Barenboim gewesen.

Standard: Was, wenn Sie den Posten bekommen hätten, hätten Sie von Ihren anderen Funktionen aufgegeben - ein Grund, der von Ihren Kritikern gegen Sie ins Treffen geführt wurde, war ja, dass Sie zu viele Funktionen innehaben?

Lissner: Diese Kritiken sind keinesfalls berechtigt, und sie grenzen manchmal geradezu auch an Verleumdung. Zum Beispiel habe ich in mehreren Zeitungen gelesen, dass ich noch immer Leiter des Festivals in Aix-en-Provence sein soll. Dabei habe ich diese Funktion bereits im Jahre 2006 aufgegeben und wurde schon im Juli 2006 von Bernard Fouccroulle abgelöst. Aber um auf Ihre Frage zu antworten: Wäre ich tatsächlich nach Salzburg gegangen - und ich wäre erst ab 2013 verfügbar gewesen, das habe ich auch sofort dazugesagt -, hätte ich natürlich die Mailänder Scala und auch die Wiener Festwochen verlassen.

Standard: Hat Sie die Diskussion rund um die Neubesetzung der Festspiel-Intendanz in Salzburg eigentlich belastet?

Lissner: Nein. Ich bin noch bis mindestens 2013 an der Mailänder Scala. Ich bin sehr gerne dort, genauso wie ich auch sehr gerne gemeinsam mit Luc Bondy und Wolfgang Wais das Programm der Wiener Festwochen mitgestalte.

Standard: Alexander Pereira und Sie waren ja schon einmal Konkurrenten bei der Bewerbung für die Mailänder Scala. Damals haben Sie den Posten bekommen. Steht es jetzt gleichsam 1:1 zwischen Ihnen?

Lissner: Es war einmal ein großartiger Künstler, Jacques Thibaud, der in der ganzen Welt Konzerte gab. Er hatte einen Fan, der ihm überallhin folgte und nach jedem Konzert zu ihm sagte: "Sie waren wunderbar." Eines Abends hatte der Künstler jedoch bei einem Konzert eine kleine Gedächtnislücke, einen Ausfall. Am Ende des Konzerts sagte sein Bewunderer zu ihm: "Sie waren wunderbar, aber an einer bestimmten Stelle, lieber Meister, scheint mir, dass ..." Daraufhin antwortete ihm der Künstler: "Dann sind wir jetzt also quitt."

Standard: Wer hat mit Ihnen bezüglich Salzburg gesprochen?

Lissner: Wie ich Ihnen schon gesagt habe, wurde ich von verschiedenen Personen in Salzburg und in Wien dazu gedrängt, mein Projekt vorzustellen.

(Andrea Schurian, DER STANDARD/Printausgabe, 04./05.07.2009)

Zur Person:
Der Franzose Stéphane Lissner (Jahrgang 1953) war Direktor des Théâtre du Châtelet, dann Intendant des Festivals in Aix-en-Provence. Danach wurde er Musikchef der Wiener Festwochen und schließlich parallel auch Intendant der Mailänder Scala.

Robert Waloch
20
QUITT?

Wenn er wieder dort ist, von wo er her kam - DANN!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.